Skoda Oktavia Combi, Frontansicht Skoda
Skoda Oktavia Combi, Frontansicht
Skoda Oktavia Combi, Heckansicht
Skoda Oktavia Combi, Cockpit
Skoda Oktavia Combi, Infotainment
Skoda Oktavia Combi, Mittelkonsole 13 Bilder

Skoda Octavia Combi (2017) im Fahrbericht

Ist der Octavia der bessere Golf?

Mit gestrafften Linien, mehr Komfort und aktualisierter Technik hat Skoda seinen Bestseller fit für die zweite Lebenshälfte gemacht – und für das Duell mit dem ebenfalls frisch renovierten Konzernbruder VW Golf. Ist der Octavia der bessere Volks-Wagen?

Wenn man sich die Erfolgsgeschichte des Octavia mit mehr als fünf Millionen verkauften Exemplaren seit 1996 mal genauer anschaut, hätte sich Skoda die Modellpflege an seinem Bestseller eigentlich sparen können. Hierzulande war der Octavia der dritten Generation 2016 erneut der beliebteste Importwagen, in Europa sogar der meistverkaufte Kombi überhaupt, und noch vor vier Monaten besiegte er im Vergleichstest die jüngeren Rivalen Opel Astra Sports Tourer und Renault Mégane Grandtour. Allein der Golf Variant konnte ihm bisher ernsthaft Paroli bieten, sich als etwas kleinere, aber feinere Alternative mit höherer Detailqualität und zusätzlichen Optionen behaupten.

Doch als preisgünstiger, solider Volks-Wagen mit Sinn fürs Praktische droht ihm der Konzernbruder aus Tschechien längst den Rang abzulaufen, zumal er dank des Plus an Radstand (7 cm) und Länge (10 cm) spürbar mehr Fond- und Laderaum bietet. Und während VW beim Facelift vorzugsweise mit Hightech-Extras nachlegt, holt der renovierte Skoda bei Komfort und Interieur-Anmutung auf. So federt er nun deutlich geschmeidiger als bisher, womit das für ihn erstmals lieferbare Adaptivfahrwerk mit verstellbaren Dämpfern (920 Euro, ab 150 PS) gleich wieder entbehrlich erscheint, weil es speziell auf langen Wellen stärkere Wankbewegungen zeigt.

Skoda Oktavia Combi, Ladehelfer
Skoda
Typisch Skoda gibt´s im Kofferraum clevere Features wie eine Taschenlampe und Fernentriegelung für die Rücksitzbank.

Skoda: Liebe zum praktischen Detail

Gleichwohl wird schon nach wenigen Kilometern auf Straßen unterschiedlichster Ordnung und Güte klar, was dieses Auto auszeichnet: die rätselfreie Funktion, die präzise, unaufgeregte Umsetzung der Fahrkommandos und die Liebe zu praktischen Details. Von der Bedienung über die Sitzposition bis zur Übersicht – alles wirkt schlüssig und durchdacht, nichts aufgesetzt oder überzogen. Das gilt zwar auch für den Golf, doch wo der mit seiner elektrischen Parkbremse, den optionalen Digitalinstrumenten (665 Euro) und der Gestensteuerung Richtung Oberklasse driftet, punktet der Octavia mit cleveren Details wie einer herausnehmbaren LED-Taschenlampe im Laderaum, einem Regenschirm vor dem Beifahrersitz sowie Klapptischen und USB-Anschlüssen im Fond.

Selbst neue Technik hält nur dann Einzug, wenn sie einen echten Praxisnutzen bietet – wie jetzt die City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung, der Spurwechsel- und hintere Querverkehrswarner oder der Anhängerassistent, mit dem sich das Gespann nach Vorwahl des Einschlagwinkels allein mit dem Gaspedal zurücksetzen lässt. Analog zum Golf wurde auch das Infotainment aktualisiert und neu geordnet, reicht nun von den Geräten Bolero und Amundsen (acht Zoll) bis zum 2.750 (ab Style 1.890) Euro teuren Topsystem Columbus mit 9,2-Zoll-Touchscreen, schnellem Datenfunk LTE und WLAN-Zugang. Via Care-Connect-Service kann man zudem Pannen- und Notrufe absenden, Wartungstermine vereinbaren oder die Spritpreise entlang der Route anzeigen lassen.

Skoda Oktavia Combi, Cockpit
Skoda
Auch das Infotainment im Octavia wurde stark modernisiert. Das Topsystem Columbus kommt mit einem 9,2-Zoll-Touchscreen. Die Instrumente hinter dem Lenkrad bleiben analog.

Breite Modellpaletten

Da bleiben für den VW nicht mehr viele Privilegien übrig – etwa der neue Stauassistent für teilautonomes Fahren bis 60 km/h, die zusätzliche Bedienung über Gesten oder das flexible volldigitale TFT-Kombi-Instrument mit fünf Info-Profilen. Auch die Modellpaletten sind inzwischen sehr ähnlich, wobei der Golf Variant nicht mit den beiden Basismotoren des Octavia Combi, aber zusätzlich als 1.4 TSI mit 125 PS und später wieder als R-Modell geliefert wird. Dazu gibt es bei beiden eine Erdgasvariante, die Offroad-Ableger Scout und Alltrack mit serienmäßigem Allradantrieb sowie die Sportmodelle RS und GTD, während der GTI weiterhin nicht als Variant angeboten wird. Im Gegenzug kommen die neuen, effizienteren 1,5-Liter-Benziner mit 130 und 150 PS im VW schon etwas früher zum Einsatz (ab Sommer).

Außerdem sind hier bereits im Basismodell Trendline Klimaanlage und elektrische Fensterheber auch hinten serienmäßig, die beim einfachsten Octavia Active immerhin mit 1.330 Euro zu Buche schlagen. Doch obwohl die Umfänge der einzelnen Ausstattungslinien und Pakete nur schwer vergleichbar sind und der Preisvorteil des Skoda im Einzelfall bis auf wenige Hundert Euro zusammenschmelzen mag, beträgt er ansonsten bei gleicher Motorisierung rund 1.300 bis 2.800 Euro. Selbst Extras wie DSG (1.800 statt 2.000 Euro), Metallic-Lackierung (520/565 Euro) oder das große Panorama-Schiebedach (1.095/1.230 Euro) kommen beim Octavia meist günstiger.

VW Golf Variant, Cockpit
VW
Der Golf bietet etwas mehr Technik. Hinter dem Lenkrad sitzt ein volldigitales TFT-Instrument und das Infotainment lässt sich sogar über Gesten bedienen.

Keine Dumpingpreise mehr

Die einstigen Dumpingpreise haben die Tschechen allerdings ebenso abgelegt wie die Beschränkung auf brave Fortbewegung, zumal der Octavia schon mit dem neuen Dreizylinder-Benziner echtes Fahrvergnügen bereitet. Trotz der leichten Turbo-Flaute bei niedrigen Drehzahlen wirkt das Einliter-Triebwerk mit seinen 115 PS und 200 Nm erfreulich lebhaft und kultiviert, während die breitere Spur sowie die Traktionskontrolle mit subtilen Bremseingriffen das Kurvenverhalten weiter stabilisieren. Da muss sich Skoda um den künftigen Erfolg wohl weniger Sorgen machen als VW, denn für den Mehrpreis des Golf lässt sich kaum noch ein echter Mehrwert erkennen.

Fazit

Bitte nachlegen, VW! Mit der Modellpflege ist aus dem Octavia kein ganz neues, aber ein noch besseres Auto geworden. Denn zum weit überdurchschnittlichen Platzangebot, zur eingängigen Bedienung und zur soliden Machart kommen jetzt noch ein guter Federungskomfort sowie moderne Multimedia- und Assistenzsysteme hinzu. Allerdings hat all das inzwischen seinen Preis, der nicht mehr sehr deutlich unter dem des Konzernbruders Golf liegt. Skoda hält damit die Konkurrenz im Volumensegment erfolgreich in Schach. VW muss mit neuen Technologien und frischem Design wieder die Führungsrolle übernehmen. Nur so funktioniert das Konzerngefüge.

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