Toyota RAV4 Plug-in, Exterieur Jonathan Godin
Toyota RAV4 Plug-in, Exterieur
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Toyota RAV4 Plug-in, Interieur
Toyota RAV4 Plug-in, Interieur 18 Bilder

Toyota RAV4 Plug-in

Mit Kabel eine echte Empfehlung

Der zweite Toyota mit Plug-in-Technik steht bereit: Mit 18,1 kWh-Akku und elektrischem Allradantrieb soll der neue RAV4 Plug-in im umkämpften kompakt-SUV-Segment durchstarten.

Vor nicht ganz 25 Jahren schickte sich der Toyota RAV4 an, die Autowelt umzukrempeln. Er war nicht der erste, doch der bislang erfolgreichste moderne SUV, über 10 Millionen Exemplare wurden seither in fünf Modellgenerationen weltweit verkauft, zwei Millionen davon in Europa.

In Deutschland läuft es freilich nicht ganz so gut. Da spielt der RAV gegen Konkurrenten wie Tiguan, X1 oder GLA/GLB nicht mehr als eine Nebenrolle. Entsprechend bescheiden gibt man sich bei Toyota: 3.000 Exemplare des neuen RAV4 Plug-in wollen sie im ersten vollen Verkaufsjahr 2021 absetzen. Wenn sie sich da mal nicht verschätzen.

Der Plug-in wurde bereits vor einem Jahr auf der LA Motorshow vorgestellt, nun können wir ihn endlich fahren. Nicht in Los Angeles, sondern in Köln-Marsdorf an der Toyota-Deutschland-Zentrale. Bei Nieselregen.

Toyota RAV4 Plug-in, Motor
Jonathan Godin
Vorn im Motorraum steckt die bekannte Hybrid Synergy Drive-Einheit, bestehend aus einem 2,5-Liter-Vierzylinder mit 136 kW/185 PS Spitzenleistung, einer weitere elektrische Antriebseinheit mit 134 kW sowie zwei Planetengetrieben.

Die Testwagen sind so grau wie der Tag im Rheinland. Von der zusätzlichen Technik ist außen nicht viel zu sehen. Sie steckt unter dem Fahrgastraum und besteht im Wesentlichen aus 96 Lithium-Ionen-Zellen, die 18,1 kWh Energie speichern können, sowie einer elektrischen Antriebseinheit mit 40 kW an der Hinterachse. Vorn im Motorraum steckt der Rest: die bekannte Hybrid Synergy Drive-Einheit, bestehend aus einem 2,5-Liter-Vierzylinder mit 136 kW/185 PS Spitzenleistung, einer weitere elektrische Antriebseinheit mit 134 kW sowie zwei Planetengetrieben.

Falls Sie nun die kW-Zahlen addieren und zu einer höheren Zahl als die 225 kW/306 PS Systemleistung kommen, liegt das nicht daran, dass wir oder Sie sich verrechnet haben. Sondern daran, dass maximale Leistung und Drehmoment von Verbrenner und E-Maschinen nie gleichzeitig anfallen.

306 PS, das hört sich auch so schon imposant an. Entsprechend locker legt der Toyota los, erstmal nur elektrisch. Auf Knopfdruck sind drei weitere Fahrmodi anwählbar: Hybridantrieb, Auto und Lademodus. Dabei dient der Hybridmodus etwa dazu, Batterieladung für eine bevorstehende Stadtfahrt vorzuhalten. In Auto wählt der RAV selbsttätig den Modus, der ihm am energetisch am günstigsten erscheint.

Dazu gibt es den Drehschalter, mit dem die Fahrstufen Normal, Sport und Eco angewählt werden können. Und natürlich den Wählhebel für Vor- und Rückwärtsfahrt sowie Parkstellung. Dazu Paddel am Lenkrad für die Rekuperationsstufen. Klingt kompliziert, doch womöglich dienen die vielen Funktionen hauptsächlich dazu, damit der Fahrer sich wichtiger fühlen kann als er ist.

Ein Liter auf 100 Kilometern

Toyota RAV4 Plug-in, Interieur
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Im WLTP-Zyklus verbraucht der RAV4 einen Liter je 100 km, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 22 g/km.

Denn in Wahrheit funktioniert der RAV4 Plug-in bestens, wenn er auf sich allein gestellt ist. Allenfalls mag er bei schnellerer Fahrt den Benziner anwerfen. So macht sich rasch eine entspannte Atmosphäre breit im neuen Plug-in-Toyota. Die 75 km lange Runde tief in den Westen könne er rein elektrisch schaffen, hatten die Toyota-Leute ja versprochen. Seriöse Angaben zum Verbrauch lassen sich auf so einer Testrunde natürlich nicht machen. Fest steht dennoch, dass die WLTP-Angabe mit sanftem Gasfuß und vorausschauender Fahrweise sowie regelmäßig am Stromnetz nachgeladenem Akku problemlos einzuhalten ist. Zur Erinnerung: Im WLTP-Zyklus verbraucht der RAV4 einen Liter je 100 km, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 22 g/km.

Das gilt freilich nicht, wenn man auf der kurzen Autobahnetappe die Zügel etwas schießen lässt. Dann sinkt der Füllstand des Akkus schneller als der Tabellenplatz des 1. FC in der zweiten Saisonhälfte. Der Benziner muss zu Hilfe eilen. Dabei zeigt sich allerdings auch eine weniger entspannte Seite des Toyota-Antriebs: Der Vierzylinder zeigt sich als etwas ungehobelter Geselle, poltert hörbar im Motorraum vor sich hin und macht geräuschvoll deutlich, dass Motordrehzahl und Tempozuwachs hier nicht direkt proportional sind.

Das sind freilich Ausnahmesituationen, meist hält sich der Verbrenner sehr zurück und lädt leise wie gewissenhaft den 18,1 kWh großen Akku nach. Apropos Laden: Serienmäßig führt der Toyota Anschlüsse für die Haushaltsdose sowie Mode 2-Stecker für einphasiges Laden bis (je nach Stromnetz) 6,6 kW. Dann ist der Akku in 4,5 Stunden voll. Übrigens kann der RAV auch in einer ganz anderen Disziplin glänzen: Anders als viele Plug-ins verfügt er über einen 55 Liter fassenden, also sehr großzügig dimensionierten Benzintank.

Ansonsten hat der Plug-in wenig Überraschendes zu bieten, jedenfalls, wenn man den RAV4 der fünften Modellgeneration bereits kennt. Der Fahrkomfort erweist sich als sehr akzeptabel, das Raumangebot als üppig. Wegen der Antriebsbatterie ist der Boden im Kofferraum nun etwas höher, 520 Liter passen dennoch rein, das sollte reichen.

Ab 19. September steht der RAV4 Plug-in bei den Händlern, zusammen mit der E-Förderung ist er preiswerter als ein normaler RAV4-Hybrid. Da sollten die für 2021 geplanten 3.000 Exemplare rasch unters Volk kommen.

Fazit

Der markentypische Hybrid-Antriebsstrang hinterlässt einen ausgereiften, entspannten Eindruck, die elektrische Reichweite mit dem 18,1 kWh-Akku passt, und die üppige E-Förderung gibt’s obendrauf. Da fragt sich nur, wer da den kaum preiswerteren RAV4 ohne Plug-in-Technik noch kaufen soll.

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