1/2022, VW Taigo Style Bernd Conrad
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1/2022, VW Taigo Style 15 Bilder
SUV

Erste Fahrt im VW Taigo 1.5 TSI Style

VW Taigo 1.5 TSI (2022) Ist der schräge Vogel der bessere Golf?

Der neue VW Taigo parkt mit schrägem Heck zwischen T-Cross und T-Roc im Modellprogramm der Marke ein. Wir waren mit dem 150 PS starken Vierzylinder-Benziner unterwegs.

Dieses Mal ist alles anders. VW ist ja allgemein dafür bekannt, Marktsegmente erstmal in aller Ruhe zu beobachten. Bei den Vans und auch den SUV kamen die Wolfsburger sehr spät in Spiel, rollten dann aber das Feld von hinten auf und stell(t)en die Bestseller.

Und jetzt biegt der VW Taigo ums Eck. Die Schrägheck-Crossover-Variante des T-Cross, um das mal vereinfacht auszudrücken. Womit die Wolfsburger im Segment der kleinen SUV ein Vorreiter sind, denn die Mitbewerber leisten sich hier nicht den Luxus von zwei verschiedenen Karosserievarianten.

Dabei ist der neue VW Taigo nicht einfach ein T-Cross, dem sie ab der B-Säule eine neue Karosseriehälfte mit abfallender Dachlinie angeschweißt haben. Auch der Vorderwagen zeigt eigene Linien. Die erstrecken sich auf insgesamt 4,27 Meter, womit der Taigo nicht nur den 4,11 Meter langen T-Cross, sondern auch den T-Roc (4,23 Meter) überragt. Mit einer Höhe von 1,52 Metern duckt er sich jedoch deutlich flacher als der T-Cross, was zu einer harmonischen Gesamterscheinung führt.

Als Style mit Matrix-LED

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Adaptive LED-Scheinwerfer sind beim VW Taigo Style serienmäßig.

In der Ausstattungslinie Style leuchten serienmäßige Matrix-LED-Scheinwerfer, bei VW IQ.Light genannt, in die Nacht. Auch das unterscheidet ihn vom T-Cross, denn diese Lichtoption ist beim Technikbruder nicht lieferbar. Nachdem IQ.Light aber beim letzten Facelift auch in den Polo einzog, dürfte es bei einer Überarbeitung des T-Cross auch dort so weit sein.

Zurück zum schrägen Vogel, der sich in der Farbe "Visual Green Metallic" vom grauen Einerlei im Straßenverkehr abhebt. Hinter seine Heckklappe passen 440 Liter Gepäck. Damit übertrifft der auch den größeren Golf (380 Liter als Fünftürer) und in den meisten Fällen auch den T-Cross (355 – 455 Liter). Zumindest dann, wenn dessen verschiebbare Rücksitzbank nicht ganz nach vorne geschoben wird.

Diesen Variabilitätstrick verkneift sich der VW Taigo. Denn nur so kann der die optimale Mischung aus Beinraum (absolut ausreichend und auf dem Niveau vieler Kompakter) und trotz Fließheck auch lichter Kopffreiheit bieten. Nicht nur im Fond fühlt man sich wohl. Das gilt auch für die Plätze auf den großdimensionierten und ausreichend weit (manuell) verstellbaren Vordersitzen. Das Multifunktionslenkrad lässt sich mit physischen Tasten intuitiv bedienen.

Wirklich sparsam ist der nicht

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Der 1.5 TSI mit 150 PS ist die Topmotorisierung im VW Taigo.

Hier kann beispielweise das Layout der digitalen Instrumente geändert werden. Es reicht auch ein Knopfdruck, um das optionale Fahrassistenzprogramm Travel Assist zu aktivieren. Gewohnt zuverlässig hält der VW Taigo dann Geschwindigkeit, Abstand und Spur. Auch bei inaktiver Routenführung übernimmt das System Tempolimits und bremst, zum Beispiel vor Ortseinfahrten, sanft an sie heran.

Unter der Motorhaube des Testwagens steckt die Topmotorisierung des Taigo. Der 1.5 TSI mit 110 kW / 150 PS ist ein guter alter Bekannter. Mit dem knapp über 1,3 Tonnen schweren Fünftürer hat der Vierzylinder-Benziner leichtes Spiel; die theoretisch mögliche Höchstgeschwindigkeit liegt bei 212 km/h.

Im Fahralltag bleibt der Benziner meist gelassen und surft ruhig auf der Drehmomentwelle von 250 Newtonmetern, die ab 1.500 U/min anliegen. Nur in hohen Drehzahlregionen wird er kernig. Das serienmäßige Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe macht unterwegs einen unauffälligen und damit guten Job.

Im Eco-Modus, bei dem der TSI nicht nur seine Zylinderabschaltung nutzt, sondern im Schubbetrieb auch in den Leerlauf geschickt wird, sorgt das Getriebe aber für Verdruss. Denn dann gelingt das Anfahren weniger gut. Nachdem die Ampel von rot über gelb auf grün gewechselt hat, kommt die Fuhre nicht so richtig voran. Man drückt also stärker aufs Gaspedal. Jetzt reicht selbst eine leicht feuchte Asphaltoberfläche aus, um die Vorderräder scharren zu lassen. Also kommt die Traktionskontrolle ins Spiel, regelt die Leistung herunter. Und somit beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz.

7,5 Liter Super je 100 Kilometer hat der VW Taigo 1.5 TSI im Durchschnitt verbraucht. Damit ist er zwar kaum durstiger als der Taigo 1.0 TSI mit 110 PS starkem Dreizylinder-Benziner im Test unserer Print-Kollegen (auto motor und sport Heft 3/2022), aber trotzdem nicht wirklich sparsam.

Ohne eine Form der Elektrifizierung lässt sich die Verbrennung des fossilen Kraftstoffs hier kaum reduzieren. eTSI-Konzernmodelle mit 48-Volt-Mildhybridsystem wie VW Golf oder Seat Leon brauchen bis zu einen Liter weniger.

Kaum teurer als der T-Cross

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Der VW Taigo wird mit Polo und T-Cross in Spanien gebaut.

Schicker SUV-Coupé-Stil kostet mehr als brave Steilheckkost? Auch bei diesem Marktgesetz will der VW Taigo aufräumen. Zumindest die Basisversion sorgt für Staunen: Nach der aktuellen Preiserhöhung (im Video werden noch die bisherigen Tarife genannt) startet das Grundmodell mit 95 PS bei 19.865 Euro. Ein VW T-Cross mit gleicher Ausstattung und dem gleichen TSI-Motor steht mit 20.775 Euro im Konfigurator des Herstellers.

In den höheren Ausstattungslinien schlägt das Pendel dann in die andere Richtung aus, aber nur leicht. Als 1.5 TSI Style kostet der neue Taigo mit 31.210 Euro etwas mehr als der entsprechende T-Cross (30.835 Euro). Ihm hat der Taigo das bessere LED-Licht mit adaptiven Funktionen voraus, dafür ist die Zweizonen-Klimaautomatik nur im T-Cross Teil der Serienausstattung.

Unser Testwagen hat sich, mit Ausnahme des Panoramadachs, beim kompletten Angebot der Optionsliste bedient. Dann stehen am Ende üppige 37.750 Euro Listenpreis auf dem Zettel. Viel Geld für ein kompaktes Auto. In der Realität dürfte man aber problemlos auf die eine oder andere Option verzichten können.

Fazit

Der Taigo ist in erster Linie natürlich ein VW, wie man es erwartet. Eskapaden im Design verkneift er sich also. Aber er darf mit seinem adretten Äußeren durchaus als schöner Schwan im Modellprogramm der Wolfsburger gelten. Die Bedienung gelingt immerhin besser als bei Golf und Co., im Testwagen liefen auch alle Funktionen bis hin zur kabellosen Smartphone-Integration stets schnell und zuverlässig.

In der Summe seiner Qualitäten ist der VW Taigo nicht nur eine gute Alternative zu T-Cross und T-Roc, sondern für viele potenzielle Kunden vielleicht auch der bessere Golf.

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