VW Touareg V8 TDI 2019 Ingo Barenschee
VW Touareg V8 TDI 2019
VW Touareg V8 TDI 2019
VW Touareg V8 TDI 2019
VW Touareg V8 TDI 2019 15 Bilder

VW Touareg V8 TDI

Selbstzündender Fanartikel mit 900 Nm

Trommelwirbel, Fanfare, Tusch! VW klemmt seinem Topmodell wieder einen V8-Diesel unter die Haube. Vier Liter, zwei Lader, 900 Newtonmeter, sein Name: EA898. Wir sind den starken Diesel-SUV schon gefahren.

Gönn Dir, werden die Fans dicker Selbstzünder jubeln. Zu oft mussten sie in letzter Zeit kondolieren, wenn wieder ein dicker Pott den Bach runterging. Sogar bei den 40 Tonnen-LKW dürfen die V8 nur noch bei der Kultmarke Scania ran. Dort übrigens mit der besonderen Zündfolge 1-5-4-2-6-3-7-8, die wegen der fast gemeinsam zündenden Zylinder 7 und 8 sowie des räumlich entfernten ersten das charakteristische Bollern erzeugt. Anders der TDI des Touareg, der 1-5-4-8-6-3-7-2 zündet und damit gleichmäßiger arbeitet. Überhaupt läuft der Bursche derart geschmeidig, das man Bauprinzip und Potenz beim ersten Losrollen kaum einschätzen kann.

89.925 Euro kostet der Aufstieg in den Dieselolymp. Dafür gibt es nicht nur den Motor, sondern ein komplettes 4,88 Meter SUV inklusive Lederausstattung, Allradantrieb und Luftfederung. Lieferbar ab sofort und nur in Europa. Pech für die anderen, denen neben kerngesunden 421 PS und 900 Newtonmeter auch eine Menge interessante Features entgehen.

Clevere Ventilsteuerung regelt auch die Turbolader

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So liegen die beiden Turbolader (jeweils mit variabler Ladergeometrie), die Abgaskrümmer und die Abgasrückführung im heißen V des aus Vermikularguss hergestellten Blockes. Die Turbos arbeiten nach dem Prinzip der Registeraufladung, das heißt, zunächst läuft nur einer, der zweite wird erst bei höherer Drehzahl und damit höherem Abgasstrom zugeschaltet. Das besondere dabei: Bis 2.200/min funktioniert der Motor als Dreiventiler, also mit nur einem Auslassventil in Betrieb. Dieses leitet die Abgase zum ersten Lader (Aktivlader). Oberhalb dieser Drehzahl aktiviert die elektrische Ventilhub-Umschaltung das zweite Auslassventil, was wiederum den den zweiten, sogenannten Passivturbolader anblasen lässt. Klingt kompliziert, ist aber einfacher als die Variante mit elektrischem Hilfslader, wie sie etwa Audi in SQ7 und SQ8 einsetzt.

Bei niedrigen Drehzahlen verhilft der kleinere Durchlass dem VW-TDI zu höheren Strömungsgeschwindigkeiten, ordentlich Druck im Lader und gutes Ansprechen. Bei ausreichend Abgas sorgt dann das Pärchen für die nötige Ladeluft und somit mehr Leistung und Drehmoment. Der Übergang von Mono auf Bi ist kaum spürbar, der Touareg schiebt so oder so gelassen, kultiviert und kontinuierlich, wird jenseits 3.000/min nochmal einen Tick lebendiger. Im Automatikmodus schaltet der ZF-Achtgangautomat im Kickdown bei 4.600/min, lässt manuell sogar bis 5.000 zu. Okay, ist mal kurz interessant, jedoch selten nötig, dazu türmt der Vierliter zuviel Midrange- Power auf. Ebenso exotisch: der Sprint auf 100, den der 2,3-Tonner nach 4,9 Sekunden abhakt. Viel lieber cruist der V8 TDI mit Ruhepuls 1.800 dahin, während seine Abgase durch NOx-Speicherkat und SCR-System gefiltert werden.

Ob Anhänger oder Rumpelpisten: der Touareg macht sie klar

An den Haken nimmt er bis zu 3.500 Kilogramm, was ihn zum Liebling aller Trailerfans macht. Ganz gleich, ob darauf kleine Baumaschinen oder große Warmblüter stehen. Wer kein Anhänger des Rangierens mit Anhänger ist, gönnt sich den Trailer-Assist, der zielsicher die Kurbelei übernimmt. Ohne Anhänger gibt der Touareg dann überzeugend den fliegenden Teppich, das konsequente Topmodell. Wozu auch die Zweikammer- Luftfederung beiträgt. Sie enthält sich wie sportlicher Attitüde, hält so ziemlich alles von Passagieren gern, was so an Straßenoberflächen herumliegt ohne sie mit pseudokomfortablen Wankbewegungen zu traktieren.

Akurate Karosseriekontrolle also mit gewollter Bewegung. Dafür ist die optionale, aktive elektromechanische Wankstabilisierung zuständig, die die Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse situationsgerecht verdreht, also versteift oder entkoppelt. Das reduziert Seitenneigung bei Kurvenfahrt und erhöht Komfort sowie Achsverschränkung. Der Kniff hier: anders als bei den Plattformgeschwistern von Audi, Bentley, Lamborghini und Porsche besitzt der VW kein komplettes 48 Volt-Bordnetz sondern baut die notwendige hohe Spannung von 48 Volt über technisch simplere Kapazitätsspeicher, also Kondensatoren auf (Super Caps). Zurück zur gewollten Bewegung: hier lässt VW bewusst Karosserieneigung zu, um Fahrer und Passagieren das gewohnte Fahrgefühl, die gewohnte Rückmeldung zu bieten. Theoretisch wäre auch ein komplett stabilisiertes Fahren möglich.

Tiefenentspanntes Handling, kompakter Wendekreis

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Auch die optionale Allradlenkung kommt mit einer ruhigen, niemals spitzen Abstimmung samt ausgewogener Servounterstützung, wo andere schon mal eine Prise Sport reinrühren. Der gegenüber dem Sechszylinder mit immerhin 145 Kilogramm mehr Vorderachslast versehene pflegt ein neutrales, leicht untersteuerndes Eigenlenkverhalten ohne spürbare Heck-Agilität wie manche Sport-SUV.
Ebenso wichtig, obwohl weniger als 15 Prozent der Touareg-Fahrer Städter sind: der durch Allradlenkung um einen Meter auf 11,20 Meter verkleinerte Wendekreis. Ach ja: Gepäckraum, besser -halle: 810 bis 1.800 Liter. Weiter vorn warten bequeme Sitzen und eine optisch fast reduzierte Innenausstattung. Die Bedienung über den 15 Zoll großen Berührungsbildschirm verlangt zunächst Gewöhnung, später schätzt man die klaren Darstellungen und die Funktionsvielfalt.

Funktionsvielfalt bietet der Touareg auf abseits befestigter Pisten. Zum einen wegen des Allradantriebs mit Torsendifferenzial, zum anderen wegen der Luftfederung, die in höchster Position sieben Extra-Zentimeter Bodenfreiheit liefert. In Kombination mit schaltbaren Programmen, die ihn auf seine bevorstehende Aufgabe und den Untergrund konditionieren, kraxelt der VW damit ziemlich weit nach oben, stets ausreichend mit Drehmoment unterfüttert. Oder aber er watet mit rund 60 Zentimetern Wattiefe unerschrocken durch Flussbetten, ohne sich an der Brühe zu verschlucken.

Ist doch schön zu wissen, dass das alles ginge, während einen im ganz normalen Alltag der entfernt murmelnde V8 zur nächsten Destination schiebt, sei sie im Nachbarort oder auf dem Ende des Kontinents. Topspeed 250, aber das nur am Rande. Reichweite passt (Verbrauch nach WLTP 9,1 l/100km, CO2, 237g), Matrixlicht strahlt, die umfangreiche Assistenzarmada hält Abstand, hilft lenken, warnt vor Gefahren, stoppt den Wagen im Notfall, späht per Nachtsicht, musiziert per Dynaudio-Soundsystem mit 730 Watt.

Fazit

Für Fans ist er buchstäblich das größte, kombiniert Kultur mit Kraft bei akzeptablem Verbrauch, vernascht Distanzen, erklimmt Hügel. Kurz: so einen 420 PS starken V8-Diesel willst Du entweder unbedingt haben – oder entkräftest sämtliche Argumente mit dem Hinweis auf den Sechszylinder, der alles fast genauso gut kann. So oder so, das Paket passt: viel entspannter, zeitgemäß umsorgter und für sämtliche Gegebenheiten gerüstet kannst du nicht reisen. Und Alltag beherrscht der Touareg ja überdies.

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Der VW Touareg erhält einen neuen Top-Diesel und seinen ersten Benziner.