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10 Jahre Billigautos in Deutschland Der Mitläufer, der gar keiner sein sollte

"Der Duster ist weltweit in jeder Hinsicht ein beeindruckender Erfolg", sagt Arnaud Deboeuf, Renault-Direktor für Markteinführungen. In der Tat: Seit 2010 wurden in Deutschland 81.542 Duster verkauft. Und das, obwohl er eigentlich gar nicht für Kerneuropa konzipiert war.

Ursprünglich waren - wie eigentlich bei allen Dacias - vor allem Schwellenländer als Hauptabsatzmarkt für das SUV gedacht. Doch dann kam der SUV-Boom - jeder wollte einen fahren, aber nicht jeder wollte oder konnte den Preis für einen BMW X1 oder einen VW Tiguan bezahlen, die selbst gebraucht noch deutlich teurer sind als der Dacia Duster. Der ist bei uns ab 10.690 Euro zu haben - natürlich in seiner absoluten Basis-Version ohne Klimaanlage oder elektrische Fensterheber.

Die Duster für Deutschland werden wie der Sandero in Pitesti gefertigt. Der Dacia-SUV basiert auf der Plattform des Renault Clio, der Allradantrieb und die Bergabfahrhilfe sind von Nissan-Technik abgeleitet. Alle Motoren stammen aus dem Renault-Regal.

Dacia hat nicht nur negative Kundenerfahrungen

So auch der 1,6-Liter-Benziner im Logan MCV der ersten Generation von Martin H. aus der Oberpfalz. Bevor er zu Dacia wechselte, fuhr er einen Smart Fortwo. "Der Dacia hat das gleiche gekostet. Dafür bietet er Platz für sieben, nicht für zwei Personen", sagt der Oberpfälzer.

Mit dem Dacia hatte er bisher noch keine Scherereien gehabt – im Gegensatz zu seiner Zeit mit dem anfälligen Smart. Warum kein deutsches Auto? "Ich wollte nur eine Klimaanlage und elektrische Fensterheber haben, mehr brauch ich nicht." Bei Herstellern wie VW waren ihm die Aufpreislisten zu lang und zu teuer. "Dacia setzt auf robuste und simple Technik. Viel kaputtgehen kann da nicht," ergänzt Martin H. Er war sogar so zufrieden, dass er sich 2013 gleich noch einen Dacia zulegte: einen Sandero Stepway TCe 90. Doch nicht alle Dacia-Fahrer sind mit ihrem Fahrzeug so zufrieden wie Martin.

Im Dekra-Gebrauchtwagen-Report kommen die Dacia-Modelle Sandero und Duster nicht allzu gut weg. In fast allen Bereichen - dazu gehören Fahrwerk und Lenkung, Karosserie und Innenraum, Elektronik und Licht, Motor und Umwelt - liegen sowohl Sandero als auch Duster unter dem Klassendurchschnitt. Gut hingegen die Bremsen, sie sind auch über einen längeren Zeitraum standfest. Dafür fällt der Sandero immer wieder mit defekten Auspuffanlagen auf.

Damit nicht genug: Beim JD Power Report 2014, einem der wichtigsten Automobil-Studien mit rund 18.000 Befragten, schnitt der Logan MCV sehr schwach ab. Er erreichte einen Zufriedenheitsindex von nur 75,4 Prozent, und landete damit auf dem 100. von 100 Plätzen. Woran liegt’s? Der Power Report erfasst nicht nur die Qualität des Fahrzeugs, sondern auch die Erfahrungen der Besitzer mit Werkstätten und Händlern. Laut diverser User-Aussagen in Foren wie "Motor-Talk" oder "Dacianer.de" waren es dabei vor allem Renault-Werkstätten, die zur Unzufriedenheit beitrugen mit späten Terminen für Dacia-Fahrer, überteuerten Reparaturen und schwacher Beratung.

Dacia wächst stetig und rettet nebenbei Renault

Doch diese stiefmütterliche Behandlung könnte sich bald ändern. 2014 wurden 122.000 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge der Marke Renault in Deutschland zugelassen: 3,7 Prozent Marktanteil. Dacia kam 2014 auf 50.700 Fahrzeuge, das bedeutet einen Anteil von 1,61 Prozent am deutschen Gesamtmarkt. 

Die Entwicklung der Marktanteile seit 2015 können Sie in unserer Info-Grafik einsehen.

Das langfristige Ziel für Dacia dürfte die Zwei-Prozent-Marke sein, die im Jahr der Abwrackprämie erreicht wurde. Auffällig ebenfalls: der gleichbleibende, totale Marktanteil von Renault, zu dem Dacia einen wichtigen Teil beiträgt. "Ohne Dacia ginge es Renault ganz schön schlecht." erläutert Automobilmarkt-Experte Stefan Bratzel vom "Center of Automotive Management" an der FHDW Bergisch Gladbach.

"Es gibt noch viele Nischen, die Dacia besetzen kann"

Doch um profitabel zu bleiben, muss Dacia seine Produktpalette überdenken. Nicht, dass sie mit ihren aktuellen Modellen nicht erfolgreich wären, im Gegenteil: Das sollte auch das Ziel für die Modelle sein, die nachkommen müssen. "Die zentrale Frage lautet für Dacia jetzt: Wie erweitere ich erfolgreich mein Portfolio?", sagt Bratzel.

Renault selbst sagt im Gespräch mit auto motor und sport: "Priorität vor einer Erweiterung der Modellpalette hat die Stärkung der Bekanntheit und der Verkaufsgebiete der Marke Dacia." Heißt soviel wie: In naher Zukunft dürften wir keine Dacia-Neuheiten erwarten. Aber in welcher Fahrzeugklasse kann der rumänische Hersteller überhaupt noch einsteigen?

Bisher ist das kleineste Dacia-Modell der Sandero, der in der Golf- und Polo-Klasse dem Volkswagen-Konzern Kunden abtrünnig macht. Ein Up!-Konkurrent wäre der konsequente, nächste Schritt. Ein Problem dabei könnte aber die Kostenplanung bei Dacia sein. Bratzel erklärt: "Das Muster, nach dem Dacia vorgeht, ist immer gleich: Etwas muss deutlich günstiger zu produzieren und deutlich günstiger zu verkaufen sein, als das bei der Konkurrenz der Fall ist."

Bei einem Kleinwagen wäre das Delta, sprich der Preisunterschied, zum Konkurrenzprodukt geringer als bei andere Fahrzeugkategorien. "Denkbar wäre außerdem ein weiterer SUV, ein kleineres als der Duster," sagt Bratzel. Auch das würde in den aktuellen Trend passen. Und wie sieht es mit einem Elektroauto aus? "Da gibt es dann wieder das Kostenproblem. Elektroautos sind momentan in der Herstellung sehr teuer," erklärt der Lehrstuhlinhaber aus Gladbach. Ein Elektroauto zu bauen wäre jedoch möglich - zumindest theoretisch. Denn mit Renault-Nissan besitzt Dacia einen im Thema Elektromobilität erfahrenen Mutterkonzern.

Genau gesagt: Einen Mutterkonzern, der ohne die Billigmarke Dacia in Europa nicht mehr erfolgreich wäre. Wer hätte das vor zehn Jahren ernsthaft behaupten wollen? Und wer kann vorhersehen, wo Dacia in zehn Jahren stehen wird? Kann die Konkurrenz, zum Beispiel in Form von Lada aus Russland, bis dahin antworten? Man weiß es nicht. Eines ist jedoch sicher: Zigarettenwerbung wird es in unserem Heft nie wieder geben.

Übersicht: 10 Jahre Dacia in Deutschland