Opel Corsa OPC - Nordschleife - Sportfahrer-Training Volker Strüh
Opel Corsa OPC - Nordschleife - Sportfahrer-Training
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Tutorial für die Nordschleife des Nürburgrings

Zehn Tipps für Rennstrecken-Anfänger

Wer gerne Auto fährt, den treibt es angesichts der aktuellen Verkehrssituation fast automatisch auf die Rennstrecke. Aber was auf der Playstation einfach wirkt und gefahrlos zu üben ist, ist in Wirklichkeit schweißtreibende Arbeit. Aber jede Rennstrecke lässt sich erlernen und beherrschen. Selbst die Nürburgring-Nordschleife mit ihren 73 Kurven. Hier ein Tutorial für Rennstrecken-Anfänger.

Die Nordschleife kannte ich bislang nur aus dem Fernsehen. Oder von der Playstation. 20,832 Kilometer, 73 Kurven – davon 33 links und 40 rechts, maximal 17 Prozent hoch, maximal 11 Prozent runter, 300 Meter Höhenunterschied vom tiefsten bis zum höchsten Streckenpunkt. Das klingt nach der geilsten Rennstrecke der Welt. Und die Nürburgring-Nordschleife ist für viele genau das. Auch für mich. Geil heißt aber auch: schwierig und für Unerfahrene gefährlich. Doch selbst die schwierigste Bahn der Welt kann gelernt werden. In Trainings, die zum Beispiel sport auto anbietet. Oder die Experten der Scuderia S7, die mich bei einem zweitägigen Sportfahrertraining mit in die Grüne Hölle nahmen. Das Auto: der 207 PS starke Opel Corsa OPC.

Opel Corsa  OPC - Nordschleife - Sportfahrer-Training - Volker Strycek
Volker Strüh
OPC-Chef Volker Strycek zieht sich den Helm für eine schnelle Runde auf der Nordschleife auf.

Aber schon vor einem Training haben wir hier für euch zehn Tipps, die Rennstrecken-Anfänger beherzigen sollten. Besser als im Text erklären das unsere Videos. Sie zeigen, wie es gemacht wird – und wie in manchen Fällen besser nicht. Video 1 zeigt den Redakteur auf einer Nordschleifen-Runde. Kommentiert wird sie von Volker Strycek als Beifahrer. Im zweiten Video greift der Opel OPC-Chef, der 1984 die DTM und 2003 das 24h-Rennen gewann, selbst ins Lenkrad und demonstriert, wie man die Grüne Hölle bezwingt.

Hier unsere Tipps:

1. Respektiere dein Auto und die Rennstrecke, aber fahre ohne Angst

Fehler bezahlt man auf der Rennstrecke teuer. Vor allem auf der Nordschleife, die sich wie eine Bobbahn durch die Eifelwälder schlängelt. Auslaufzonen gibt es praktisch keine. Dafür stehen die Leitplanken bedrohlich nahe. Das flößt Respekt ein. Sollte es auch. Auf der Nordschleife erreicht man an mehreren Stellen hohe Topspeeds. Döttinger Höhe, Schwedenkreuz, Fuchsröhre durchfährt man selbst im Opel Corsa OPC mit (weit) über 200 km/h. Ein Supersportwagen ist nochmals deutlich schneller. Dazu kommen viele Hochgeschwindigkeitskurven.

Übermut stoppt einen vermutlich in der nächsten Kurve. Jedoch sollte Respekt nicht in Angst umschlagen. „Keine Angst zu haben ist gut und wichtig, und hilft dir auf der Rennstrecke weiter“, sagt Strycek. Durch Angst verliert man den Kopf und handelt nur noch intuitiv. Das kann zum Beispiel in einer zu starken Bremsung enden oder zu einem zu starken Lenkwinkel führen. Was wiederum einen Unfall provozieren kann.

Sein eigenes Auto sollte man gut kennen. Es empfiehlt sich, lieber klein anzufangen. Zum Beispiel mit dem Opel Corsa OPC. „Du kannst mit dem Auto machen, was du willst. Der Corsa wird nie böse untersteuern oder mit dem Heck ausbrechen. Wir haben ihn so abgestimmt, dass jeder schnell Vertrauen fasst“, sagt Strycek. Diese Aussage können wir nach zwei Tagen Nordschleife mit dem Corsa OPC nur bestätigen. Eine Alternative wäre zum Beispiel der Renault Clio R.S.

2. Beherrsche das Streckenlayout

Auf normalen Grand Prix-Strecken ist es viel einfacher, sich die Streckenführung einzuprägen. Weil sie meistens um die vier bis fünf Kilometer lang sind. Die Nordschleife ist mit ihren über 20 Kilometern eine andere Hausnummer. Da braucht es schon mal ein, zwei Tage (oder noch länger), bis man sich alle 73 Kurven gemerkt und sie verinnerlicht hat. Besonders knifflig wird es, wenn Kurven blind anzufahren (Beispiel: die schnelle Klostertal) und anzubremsen sind. Davon gibt es auf der Nordschleife einige.

Hilfreich sind Sektionstrainings. Hierbei wird die Strecke in mehrere Abschnitte unterteilt, die mehrmals zusammen mit einem Instruktor durchfahren werden. So lernt man schneller die Tücken jeder einzelnen Ecke. Und man bekommt ein Gefühl für die Scheitelpunkte, die manchmal erst spät kommen. Das gilt für langgezogene Kurven wie die Bergab-Rechts von Kallenhard oder die Rechtspassage vor dem Karussell. Auch das geführte Fahren (Guided Driving) hinter einem Instruktor ist sehr lehrreich. Man kombiniert alle Teilabschnitte zu einer Gesamtrunde, ist durch den vorausfahrenden „Fahrlehrer“, der das Tempo vorgibt, aber nicht verlorenen. Denn: In vielen Passage kommt man viel schneller an als noch im Sektionstraining, das stehend ab einem bestimmten Punkt auf der Bahn beginnt. Eine gute Gelegenheit, die Nordschleife zu erfahren und zu erlernen, bieten die Perfektionstrainings von sport auto (Link).

Nicht umsonst laufen oder fahren professionelle Fahrer eine Rennstrecke vor jedem Rennen ab. Jahr für Jahr. Weil sich immer wieder Kleinigkeiten geändert haben könnten. Und weil man nur so tückische Stellen begutachten kann. Beispiel: „Ausfahrt Ex-Mühle gibt es eine fiese Bodenwelle, die jemandem ohne Streckenkenntnis bei Regen zum Verhängnis werden kann. Da biegt das Auto plötzlich nach rechts in die Leitplanke ab“, weiß Strycek.

Opel Corsa  OPC - Nordschleife - Sportfahrer-Training
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Pflanzgarten: Vor der Kuppe anbremsen, Bremse lösen und erst nach der Kuppe wieder leicht auf die Bremse steigen.

3. Fahre ruhig und mit Fingerspitzengefühl

Mit Gewalt erzwingt man auf einer Rennstrecke nichts, sondern „überfährt“ nur das Auto. Und das wirkt sich negativ auf die Rundenzeit aus. In der Ruhe liegt die Kraft. Gerne verweisen Instruktoren darauf, man solle den berühmten Popometer einschalten und mit Fingerspitzengefühl fahren. Sagt sich so leicht, ist aber alles andere als einfach. Geduld ist gefragt: Die Ruhe am Lenkrad kommt mit der Erfahrung und jeder Runde mehr, die man abgespult hat. Manchmal hilft auch die Tankanzeige. Als mir der Corsa OPC mitteilte, ich möge bitte zur Zapfanlage fahren, wurde mein Fahrstil runder und gefühlvoller, um ja mit dem verbliebenen Benzin über die Runde zu kommen.

Wer selbst zu unruhig und ungeduldig ist, bringt auch Unruhe ins Auto. Ein gutes Beispiel ist das Kurvengeschlängel von Hatzenbach. „Wenn hier der Eingang nicht sitzt, wird es von Kurve zu Kurve immer schlimmer“, sagt Instruktor Stefan Beyer von der Scuderia S7. Heißt: Ein Fehler zieht sich über mehrere hundert Meter. Das summiert sich auf der Uhr. Auch in schnellen Kurven ist eine ruhige Hand Gold wert. Die Doppelrechts am Flugplatz geht mit einem Lenkeinschlag, ebenso wie die Dreifachrechts hinunter zu Wehrseifen. Das bringt uns zum nächsten Punkt.

4. Kurveneingang und -Ausgang

Am Kurveneingang ist es wichtig, das Auto sauber zu positionieren und nicht mit zu hohem Tempo einzubiegen. Denn das überfordert die Seitenführungskräfte der Reifen und das Auto beginnt, zu untersteuern. Es gibt mehrere Stellen auf der Nordschleife, an denen Untersteuern teuer bezahlt wird: Hocheichen, Adenauer Forst, Wehrseifen (langsame Links), Ex-Mühle, Bergwerk und Galgenkopf. Weil diese Kurven jeweils auf Geraden führen. Video 1 verdeutlicht, was gemeint ist. Im Adenauer Forst kommt der grüne Opel Corsa OPC, ab Minute 3:10 in Schwierigkeiten, weil er zu schnell in die Ecke jagt.

Rutscht das Auto über die Vorderräder, muss man bremsen und kann nicht beschleunigen. Besonders schmerzhaft ist das, wenn die Streckenführung danach bergauf geht. Wie zum Beispiel nach dem Bergwerk. Aus der langen Rechts sollte man so viel Schwung wie möglich mitnehmen (Video 1, ab 5:10 Minuten). Ansonsten wird das Bergaufstück zur Qual mit kostbarem Zeitverlust. Gefühlt schleppt man dann einen Kofferraum voller Steine mit sich. Also lieber den Kurveneingang für einen sauberen Kurvenausgang opfern.

5. Orientierungshelfer auf der Rennstrecke

Die 33 Links- und 40 Rechtskurven der Nordschleife haben unterschiedliche Einlenkpunkte. Manche sind hinter Kuppen versteckt. Da lohnt sich die richtige Streckenkenntnis doppelt (Punkt 2). Gute Orientierungshilfen für den richtigen Einlenkpunkt sind Asphaltbandwechsel, Kerbs, Tempo- oder Streckenschilder, Fahrbahnmarkierungen oder Graffiti.

Das geschriebene Wort aus der Spraydose gibt es auf der Nordschleife sehr oft. Entweder auf dem Asphalt oder auf der Leitplanke. Besonders nützlich ist das Graffiti am Adenauer Forst und Karussell. Am Adenauer Forst hangelt man sich zunächst innen am Kerb der Rechtskurve entlang. Ab dem Streckenschild (rechts) macht man die Lenkung auf und treibt zum linken Randstein. Jetzt kommt das gelb-rote Graffiti ins Spiel, das vor einem auf einer Leitplanke auftaucht. Zuerst schnurstracks darauf zufahren, dann am kurvenäußeren Rand nach links einlenken, um die langsame Linkskurve schön zu erwischen. Mit einer sauberen Linie nimmt man viel Schwung in Richtung Metzgesfeld mit. Ähnliches Spiel bei der Zufahrt ins Karussell. Auch hier kann man sich nach der Kuppe schön am Graffiti und dem AMG-Schild orientieren.

Die Linienwahl ist nicht immer ganz einfach und kann unterschiedlich ausfallen. Beispiel: die Linkskurve bei Kilometer eins zum Hatzenbach. Volker Strycek fährt sie ganz innen an (Video 2 ab 00:48 Minuten), bleibt lange am inneren Kerb und lässt sich erst zum Schluss raustreiben. Instruktor Stefan Beyer schlug eine andere Linie vor (Video 1 ab 00:58 Minuten): nach der Leitplanke rechts ausholen und in einem weiteren Bogen in die Kurve stechen. Welches die schnellere Linie ist? Die Antwort muss die Stoppuhr geben.

Generell gilt: Man soll nicht unnötig Meter machen. Auf dem Weg zum Kesselchen zum Beispiel (nach Bergwerk) sollte man sich links am Streckenrand festklammern. Alles andere kostet Zeit. Kerbs sind so eine Sache. Über sie kann man „abkürzen“, aber auch Unruhe ins Auto bringen. Auf einer Rennstrecke kann die Dämpfergeschwindigkeit bis zu zwei Meter pro Sekunde betragen, auf der Straße liegt sie bei rund 0,1 bis 0,2 m/s, so Strycek. Die Geister scheiden sich im Streckenabschnitt Wippermann. Instruktor Beyer meint: Entweder den Kerb voll nehmen oder ganz wegbleiben. Strycek: „Ich bin da komplett anderer Meinung. Wenn man über den Kerb fährt, bekommt das Auto so einen Impuls, dass man später Probleme bekommt.“ (Video 2 ab 6:40 Minuten)

In einem Rennen sammeln sich abseits der Idealline kleine Gummischnipsel, die sich von den Reifen lösen. Wer hier drüber rollt, bekommt Probleme. Erstens, weil sie sehr rutschig sind. Akute Abfluggefahr! Zweitens, weil die Schnipsel auf der heißen Oberfläche kleben bleiben und so den Grip mindern – selbst, wenn man zurück auf die Ideallinie kehrt. Audi hatte damit beispielsweise beim 24h-Rennen in Le Mans seine Probleme. Im Regen verhält es sich anders. Hier suchen Rennprofis den meisten Grip häufig abseits der eigentlichen Ideallinie. Weil das Wasser zusammen mit dem eingebrannten Gummi dort eine Art Schmierfilm bildet. Das Gummischnipsel-Gemisch dagegen bietet mehr Haftung.

Opel Corsa  OPC - Nordschleife - Sportfahrer-Training
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Adenauer Forst: Auf die richtige Linie kommt es an. Untersteuern am Kurveneingang vermeiden, um am -Ausgang früh aufs Gas steigen zu können.

6. Das richtige Bremsen

Die Nordschleife prägen einige Kuppen. Zum Beispiel am Pflanzgarten. Instruktoren und Nordschleifenkenner empfehlen hier, vor der Kuppe anzubremsen, die Bremse auf ihr zu lösen und erst dann wieder in die Eisen zu treten (Video 2 ab 7:30 Minuten). Ansonsten könnte zu viel Unruhe ins Fahrwerk kommen. Und das wiederum erhöht die Gefahr eines Abfluges. Gefährlich ist es auch in schnellen Ecken wie der Mutkurve – sie geht im Corsa OPC mit über 160 km/h – zu bremsen. Hier sollte der Bremsvorgang bereits vor der Kurve abgeschlossen sein (Video 1, ab 5:55 Minuten).

Harte Bremszonen finden sich auf den 20,8 Kilometern zu genüge. Paradebeispiel: Aremberg. Fading ist hier Gift und lässt das Vertrauen schwinden. Das Material sollte also passen und ein langes Pedal auch nach mehreren harten Manövern kein Thema sein. Für Anfänger empfiehlt es sich, die elektronischen Helfer wie ESP aktiviert zu lassen, die im Notfall eingreifen und einfangen. Das im Hinterkopf steigert das Vertrauen zu harten Bremsmanövern und schnellen Kurvenfahrten.

7. Fahre vorausschauend und mit Weitblick

Es ist wie im Straßenverkehr. Es bringt nichts, nur fünf Meter über die Motorhaube zu schauen. Der Blick muss viel weiter voraus gehen. Das hilft insbesondere in Kurven. Einfach gesagt: Die Arme lenken einen automatisch dorthin, wo das Auge hinsieht. Anders herum wird es nie funktionieren. Wenn das Auge in einer Doppellinks geradeaus schaut, wird man nie den richtigen Kurvenradius erwischen – und im Kiesbett landen oder die Leitplanke küssen.

Die Ohren sollte man spitzen. Quietschende Reifen teilen mit, dass sich der Griplevel am Anschlag befindet und die Haftung abzureißen droht.

8. In den Rückspiegel schauen

Man hat eine Rennstrecke nur in den seltensten Fällen allein für sich. Deshalb gilt: Achte auf die Mitfahrer und schaue in die Rückspiegel! Schnelleren Autos sollte man sich nicht in den Weg stellen. Die nächste Gerade folgt sowieso. Anders herum freut man sich, wenn einem ein langsameres Fahrzeug Platz macht. Falls nicht, sollte man besser Abstand halten. Ansonsten droht das Schicksal, die Fehler des Vordermanns zu kopieren und selbst keinen sauberen Strich mehr zu fahren (siehe Video 1).

Zu einem Rennen sollte man sich auf keinen Fall verleiten lassen. Also, Kopf einschalten. Ansonsten könnte der Rennstreckenbesuch in die Hose gehen – und ein ziemlich teures Vergnügen werden.

9. Ohne Konzentration geht nichts

20,8 Kilometer bergauf und bergab sind ziemlich fordernd. Die Belastung für den eigenen Körper und Geist ist hoch. Man merkt es daran, wie sehr man schwitzt. Da braucht es ausreichend Pausen, um durchzuschnaufen und Konzentration zu sammeln. Solltet ihr mit den Gedanken abdriften, dann stellt lieber euer Auto ab. Denn Konzentration, Reflexe und Handlungsschnelligkeit zählen auf jeder Rennstrecke dieser Welt.

10. Lass auch das Auto mal durchschnaufen

Schnell sind drei bis vier Kurven mal verhauen. Dann ist es am sinnvollsten, Fahrt rauszunehmen, von der Ideallinie zu gehen und sich neu zu sammeln. Auch Reifen und Bremsen wollen mal abkühlen. Genauso der Motor. Am besten Auslaufrunden nutzen, um das Aggregat bei konstanter Fahrt mit Frischluft zu beatmen. Und den Turbo auf dem Parkplatz nicht gleich ausstellen, sondern kühlen lassen.

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