Die Environmental Protection Agency (EPA) hat im August 2025 neue Leitlinien veröffentlicht, die es Herstellern ermöglichen, die sogenannten 'Derates' bei Diesel Exhaust Fluid (DEF)-Fehlern zu mildern. Diese Derates, die bisher bei leerem AdBlue-Tank oder Systemfehlern zu drastischen Leistungseinschränkungen führten, sollen künftig weniger restriktiv gehandhabt werden. Laut den neuen Vorgaben können Diesel-Pick-ups ab dem Modelljahr 2027 bis zu 4.200 Meilen (ca. 6.759 Kilometer) oder 80 Stunden normal fahren, bevor die Steuerungssysteme die Höchstgeschwindigkeit auf 45 mph (72 km/h) begrenzen.
Die EPA betont, dass diese Änderungen in enger Zusammenarbeit mit Herstellern entwickelt wurden, um die wirtschaftlichen Belastungen für Nutzer zu reduzieren. Besonders Landwirte und Trucker, die auf die Zuverlässigkeit ihrer Fahrzeuge angewiesen sind, sollen von den neuen Regelungen profitieren.
Technische Hintergründe und Herausforderungen
AdBlue, in den USA als Diesel Exhaust Fluid (DEF) bekannt, ist ein zentraler Bestandteil der Selective Catalytic Reduction (SCR)-Technologie. Diese Systeme reduzieren Stickoxide im Abgasstrom durch die Einspritzung von Harnstoff. Technisch gesehen ist das System effektiv, jedoch anscheinend teilweise anfällig für Ausfälle. Sensorfehler oder ein leerer AdBlue-Tank können bisher dazu führen, dass Fahrzeuge in den sogenannten 'Limp Mode' wechseln, in dem die Geschwindigkeit drastisch reduziert wird.
Die neuen Richtlinien der EPA sehen vor, dass Hersteller Software-Updates entwickeln, die die Zeitspanne bis zum Eintritt des Limp Mode verlängern. Dies soll Nutzern mehr Flexibilität geben, um Probleme zu beheben, ohne dass es zu sofortigen Leistungseinschränkungen kommt.
Wirtschaftliche und politische Implikationen
Die Lockerung der AdBlue-Vorgaben wird von vielen Branchenvertretern begrüßt. Laut der Owner-Operator Independent Drivers Association (OOIDA) könnten die neuen Regelungen dazu beitragen, die Betriebskosten für Trucker und Landwirte zu senken. Gleichzeitig gibt es jedoch Bedenken, dass die Lockerung der Vorschriften die Einhaltung der Emissionsstandards gefährden könnte. Kritiker argumentieren, dass ohne strikte Durchsetzung die Motivation zur regelmäßigen Wartung und Nachfüllung von AdBlue sinken könnte.
Auswirkungen auf Europa
Obwohl die neuen Regelungen der EPA ausschließlich für den US-Markt gelten, könnten sie auch in Europa Diskussionen auslösen. Die EU setzt ebenfalls auf SCR-Systeme, jedoch unter strengeren Vorgaben. Sollte sich in den USA zeigen, dass Fahrzeuge auch ohne harte Sanktionen betrieben werden können, könnte dies die Debatte über die Sinnhaftigkeit und Durchsetzung solcher Systeme in Europa neu entfachen. Zudem könnten europäische Hersteller unter Druck geraten, ihre Systeme anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Zukunftsperspektiven
Die EPA hat angekündigt, umfangreiche Daten von Herstellern zu sammeln, um die Ausfallraten und Reparaturhäufigkeiten von AdBlue-Systemen besser bewerten zu können. Sollten diese Daten systematische Defekte aufzeigen, könnte dies zu weiteren regulatorischen Änderungen führen.





