Black Cab LEVC TX eCity, Exterieur Dino Eisele
Black Cab LEVC TX eCity, Taxischild
Black Cab LEVC TX eCity, Exterieur
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Black Cab LEVC TX eCity, Exterieur 14 Bilder

Black Cab LEVC TX eCity

Mit dem London Taxi nach Paris

„Mit einem Taxi nach Paris“ – das ist eine Liedzeile und ein wunderbares kleines Abenteuer. Vor allem wenn man dafür ein London E-Taxi wählt und sich von den Parisern überraschen lässt.

Autos sind absolute Sympathieträger. Besonders wenn sie als Londoner Black Cab auftreten. In der britischen Hauptstadt bestimmen die Taxen in der vertrauten Form seit über 70 Jahren das Straßenbild, im Rest der Welt waren sie bisher eher selten anzutreffen. Schade eigentlich. Denn kaum ein anderes Auto vermag es, so viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und bei den Menschen solche Freude zu entfachen.

Egal, wo es steht und fährt, die Menschen von jung bis alt schauen, überlegen kurz, meist macht sich ein Lächeln breit, und nicht selten winken sie fröhlich. Ob das auch in einer hektischen Großstadt wie Paris funktioniert? Mit dem vielen Verkehr bei nicht gerade zimperlicher Fahrweise, mit all den Rollern, Fahrrädern und unzähligen Touristen?

Elektrisch auf die Langstrecke? Kein Problem

Wir packen unsere Sachen, Platz genug ist im TX eCity von LEVC ja. Dort, wo sonst der Beifahrer sitzt, findet sich ein Gepäckabteil, alles Übrige lässt sich im wahrlich großzügigen Fond verstauen, sofern nicht alle sechs Sitzplätze belegt sind. Dann geht es los, fast 600 Kilometer Autobahn liegen vor uns – Zeit genug, sich etwas mit dem Wagen zu beschäftigen. Seit 2018 ist er in neuer Version auf dem Markt und wird vom Hersteller auch außerhalb der Insel angeboten. Kurz zuvor übernahm der chinesische Konzern Geely den früheren Taxibauer LTC und führt seitdem unter dem neuen Namen LEVC (London Electric Vehicle Company) Produktion und Tradition fort. Mit einem Unterschied: Das London Taxi fährt jetzt elektrisch.

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Zwar finden sich zahlreiche Ladesäulen, ohne passende Ladekarte bleibt uns jedoch der Zugang verwehrt.

Halt, stopp! Sprachen wir nicht von einer Langstreckenfahrt? Kein Problem, sobald die laut Normverbrauch über 100 Kilometer Reichweite aufgebraucht sind, springt ein Dreizylinder- Benziner als Range Extender an und produziert Strom für den E-Antrieb. Ja, eine Dauerlösung sollte dieses Notstromaggregat freilich nicht werden, auch angesichts des hohen Spritverbrauchs. Das Gefühl, auch mal mehrere Hundert Kilometer am Stück unterwegs sein zu können, ist dennoch sehr entspannend.

So rollen wir voran und sammeln gemütlich Kilometer, maximal fährt das TX bis zu 130 km/h. Wer derweil hinten sitzt und sich chauffieren lässt, genießt den vollen Komfort – nur die Queen reist vielleicht noch etwas angenehmer. Trotz der eher nüchternen und zweckmäßigen Kunststoffeinrichtung mit Sitzbank auf der einen und Klappsitzen auf der anderen Seite überrascht der hohe Langstreckenkomfort. Wie bei den Black Cabs üblich trennt eine Scheibe den Fahrer von den Passagieren, kommunizieren lässt sich aber trotzdem per Gegensprechanlage.

Viel schneller als gedacht, diskutieren wir jetzt darüber, wohin wir zuerst fahren. Zum Eiffelturm, die Champs-Élysées entlang zum Arc de Triomphe oder doch über die prächtige Brücke Pont Alexandre III? Weder noch, das schieben wir auf morgen. Im letzten Tageslicht steuern wir als Erstes durch das Viertel Montmartre auf den gleichnamigen Hügel und werfen einen Blick von oben auf die Stadt und auf die herausragende Basilika Sacré-Coeur. Von außen betrachtet gerät man jedoch schnell ins Zweifeln: Mit dem riesig wirkenden – immerhin fast 1,90 Meter hohen – scheinbar unhandlichen Taxi durch die schmalen Gassen hinauf?

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Im letzten Tageslicht steuern wir durch das Viertel Montmartre auf den gleichnamigen Hügel und werfen einen Blick von oben auf die Stadt.

Immer wieder versperren Lieferfahrzeuge und Baustellen den Weg, zwingen zum Ausweichen oder gar Umkehren, Roller überholen links wie rechts, und Fußgänger laufen auf der Straße – der typische Pariser Stadtverkehr eben. Doch wo selbst kompakte Pkw nur mit Mühe rangieren, zirkeln wir problemlos durch enge Passagen. Unser Vorteil: Die großen Scheiben bieten gute Übersicht in alle Richtungen und dank Heckantrieb und fast rechtwinklig einschlagender Vorderräder lässt sich mit einem Wendekreis von nicht einmal 8,50 Metern fast spielend auf einer zweispurigen Straße wenden.

Ist das ein Bentley? Nicht ganz, aber ebenfalls britisch

Hinzu kommt: Das sympathische London Taxi darf sich beinahe alles erlauben. Ob wir kurz auf der Busspur halten, zum Fotografieren mehrere Runden im Kreisverkehr drehen oder einen Pariser Taxifahrer für ein Bild um Mithilfe bitten, egal. Entgegen allen bisherigen Erfahrungen in der Metropole bleiben die Menschen ruhig und entspannt, sind neugierig und wollen das unbekannte Auto kennenlernen. Wie der Tesla-Fahrer, der das LEVC-Logo zunächst für das Bentley-Emblem hält, oder der Hotelpage einer luxuriösen 5-Sterne-Unterkunft, der bereitwillig für ein Foto posiert, um im Anschluss interessiert einen Blick in den Innenraum zu werfen.

Einer dagegen kennt unseren Wagen sicherlich besser als wir, macht aber dennoch große Augen. So hätte der Freund unseres Tankwarts – selbst richtiger Black-Cab-Fahrer – wohl nicht damit gerechnet, im Urlaub fernab der Heimat sein Auto wiederzutreffen.

Wir dagegen stehen öfter an einer der Zapfsäulen, die sich in Paris, dezent am Straßenrand stehend, fast unsichtbar ins Stadtbild einfügen. Zwar finden sich zahlreiche Ladesäulen, die fleißig von E-Rollern und E-Autos genutzt werden, ohne passende Ladekarte bleibt uns jedoch der Zugang verwehrt. Viel länger können wir eh nicht bleiben, der Kurztrip neigt sich dem Ende zu. Zum Abschied winken wir noch einmal der Freiheitsstatue am Seine-Ufer und grüßen Notre-Dame. Was bleibt, sind nicht nur die Eindrücke von einer einzigartigen Stadt, sondern vor allem die Erinnerungen an zahlreiche Erlebnisse und Gespräche mit eigentlich Fremden, die ohne das liebenswerte London Taxi nie zustande gekommen wären.

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