Mit 612 PS elektrisch auf die Baustelle: Mercedes zeigt neuen eArocs im harten Arbeitseinsatz

Mit 612 PS elektrisch auf die Baustelle
Mercedes zeigt eArocs im harten Arbeitseinsatz

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.07.2026
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Mercedes-Benz Trucks nutzte eine Fahrveranstaltung auf dem Offroad-Gelände des Coreum, einem Veranstaltungszentrum in Stockstadt am Rhein, um sein aktuelles Programm für den Baustelleneinsatz vorzustellen. Neben Fahrertrainings und Vorführungen verschiedener Assistenz- und Antriebssysteme stand dabei vor allem der batterieelektrische eArocs 400 im Mittelpunkt. Besucher erhielten die Möglichkeit, den neuen Elektro-Lkw unter praxisnahen Bedingungen kennenzulernen. Den eArocs hat Mercedes speziell für den Einsatz im urbanen und straßennahen Bauverkehr entwickelt.

Fahreindrücke im Gelände

Der eArocs 400 ergänzt die Arocs-Baureihe um eine batterieelektrische Variante für klassische Anwendungen im Baugewerbe. Während der Diesel-Arocs seit Jahren als Fahrgestell für Kipper, Fahrmischer und andere schwere Aufbauten eingesetzt wird, soll die neue Ausführung Baustellenfahrzeuge in Bereichen ermöglichen, in denen lokale Emissionsfreiheit oder geringe Geräuschentwicklung gefragt sind. Dazu zählen unter anderem Arbeiten in Innenstädten, Wohngebieten oder in kommunalen Umweltzonen sowie Baustellen mit nächtlichen Arbeitszeiten.

Seine Weltpremiere feierte der eArocs 400 auf der Bauma 2025 in München. Seit April 2026 ist das Modell in zunächst 13 europäischen Märkten bestellbar. Die Fertigung des Grundfahrzeugs erfolgt im Mercedes-Benz Werk Wörth. Anschließend wird der elektrische Antriebsstrang bei der Paul Group in Vilshofen an der Donau integriert.

Das Fahrzeug wird zunächst als Vierachser mit der Achsformel 8x4/4 angeboten. Verfügbar sind Varianten mit technisch zulässigen Gesamtgewichten von 37 und 44 Tonnen sowie mehrere Radstände. Damit richtet sich der eArocs 400 an klassische Einsatzbereiche im straßennahen Bauverkehr. Zu den vorgesehenen Aufbauten zählen unter anderem Hinterkipper, Dreiseitenkipper und Fahrmischer. Auf der Bauma wurde beispielsweise ein Liebherr-Fahrmischer mit hydraulischem Trommelantrieb sowie ein elektrisch angetriebenes Mischsystem von Zoomlion gezeigt. Auch Kipperaufbauten von Meiller gehören zum vorgesehenen Einsatzspektrum.

E-Motor mit bis zu 450 kW Leistung

Angetrieben wird der eArocs 400 von einem Zentralmotor mit integriertem Dreiganggetriebe. Der Elektromotor leistet dauerhaft 380 kW und erreicht eine Spitzenleistung von bis zu 450 kW. Mercedes-Benz Trucks kombiniert den elektrischen Antrieb mit den aus dem konventionellen Arocs bekannten Hypoid- und Außenplanetenachsen. Dadurch bleiben Bodenfreiheit und Geländegängigkeit erhalten, die für Fahrten auf unbefestigten Baustellen erforderlich sind. Die Tandem-Antriebsachsen sorgen dabei für die notwendige Traktion auf losem Untergrund ebenso wie auf befestigten Straßen.

Die Energieversorgung übernehmen zwei Lithium-Eisenphosphat-Batterien mit jeweils 207 kWh installierter Kapazität. Zusammen stehen damit 414 kWh zur Verfügung. Mercedes setzt bei dieser Zellchemie auf eine hohe Zyklenfestigkeit und eine lange Lebensdauer. Das Fahrzeug arbeitet mit einer Bordnetzspannung von 800 Volt und übernimmt zahlreiche Komponenten aus der zweiten Generation des eActros, darunter die Frontbox, den elektrischen Nebenabtrieb sowie Teile der Leistungselektronik.

Bis zu 240 km Reichweite

Die Reichweite hängt von der jeweiligen Anwendung ab. Als Fahrmischer nennt Mercedes-Benz Trucks bis zu 200 Kilometer, als Kipper bis zu 240 Kilometer ohne Zwischenladen. Diese Werte orientieren sich an typischen Tagesdistanzen im regionalen Baustellenverkehr. Geladen wird über CCS2-Anschlüsse, die serienmäßig auf beiden Fahrzeugseiten angeordnet sind. Die maximale Ladeleistung beträgt 400 kW. Unter optimalen Bedingungen steigt der Ladezustand der Batterien innerhalb von rund 46 Minuten von zehn auf 80 Prozent.

Eine Besonderheit des eArocs 400 ist die Einbindung elektrischer Nebenantriebe. So können hydraulische oder vollelektrische Aufbauten direkt über das Fahrzeug versorgt werden. Beim auf der Bauma gezeigten Liebherr-Fahrmischer übernimmt ein elektrischer Nebenabtrieb die Energieversorgung des hydraulischen Trommelantriebs. Dadurch entfällt ein zusätzlicher Verbrennungsmotor für den Aufbau. Alternativ lassen sich auch vollständig elektrisch betriebene Mischsysteme einsetzen.

Fast wie ein "normaler" Arocs

Auch beim Fahrerhaus orientiert sich der eArocs 400 weitgehend am bekannten Arocs. Verbaut wird das M-Fahrerhaus mit vollverzinkter Karosserie. Es bietet zusätzlichen Stauraum, optional eine Liege sowie eine auf den Baustelleneinsatz ausgelegte Innenausstattung. Das Multimedia Cockpit Interactive 2 gehört zur Serienausstattung. Es umfasst ein digitales Kombiinstrument, einen zentralen Touchscreen sowie eine Sprachsteuerung. Über individuell belegbare Favoritenfunktionen können häufig genutzte Fahrzeug- und Aufbaufunktionen direkt angesteuert werden.

Zur Sicherheitsausstattung gehören aktuelle Fahrerassistenzsysteme wie der Active Brake Assist 6 Plus, der Active Sideguard Assist 2 sowie der Front Guard Assist. Sie unterstützen den Fahrer beim Erkennen von Hindernissen und Verkehrsteilnehmern im Front- und Seitenbereich und sind insbesondere bei Rangiermanövern oder im dichten Stadtverkehr ausgelegt. Damit übernimmt der eArocs 400 wesentliche Sicherheits- und Komfortsysteme aus dem aktuellen Nutzfahrzeugprogramm von Mercedes-Benz Trucks.

Fazit