Erst Ende März hatte Rolls-Royce das neue Coachbuild Collection getauften Programm vorgestellt, in dessen Rahmen sich Rolls-Royce-Kunden künftig ein automobiles Superluxus-Unikat maßfertigen lassen können. Mitte April schieben die Briten mit dem Project Nightingale das erste Kleinserienmodell aus dem neuen Programm ins Rampenlicht.
Elektrisches Cabrio mit Torpedoform
Der offene Zweisitzer baut auf einem Aluminium-Spaceframe auf und kommt mit einem vollelektrischen Antrieb. Pate dürfte entsprechend der Rolls-Royce Spectre gestanden haben. Das torpedoförmige Design mit einer weitläufigen Motorhaube geht in die stark geneigte Windschutzscheibe über, die beidseitig von einer Edelstahlleiste mit einem filigranen Dreiecksfenster eingefasst wird. Dahinter befindet sich eine äußerst kompakte Kabine für zwei Personen, bevor das Heck abfällt und sich zu einem markant niedrigen Abschluss verjüngt. Hoch aufbauende Kopfstützen und ein darum herum geführter Kragen gibt den Passagieren ein Gefühl von Geborgenheit. Über die beiden Passagiere spannt sich ein wohlgedämmtes Stoffverdeck. Insgesamt leitet sich von den Stromlinien-Formen der späten Art-déco-Ära ab.
Mit einer Länge von 5,76 Metern ist Project Nightingale fast genauso lang wie die Flaggschiff-Limousine Phantom, jedoch ausschließlich als zweisitziges Cabriolet konzipiert. Der rein elektrische Antriebsstrang verändert die Frontansicht grundlegend: Da die für einen Verbrennungsmotor notwendigen großen Lufteinlässe entfallen, erzielten die Designer ununterbrochene Flächen zwischen den äußeren Kanten der Kotflügel und dem fast einen Meter breiten Pantheon-Kühlergrill. Die Spirit of Ecstasy Kühlerfigur ist in einem dezent vertieften Bereich auf dem Kühlergrill integriert. Richtung Asphalt wird der Grill durch eine in Chrom gefasste Carbon-Frontschürze verlängert. Schlanke, vertikal ausgerichtete Scheinwerfer sitzen am äußeren Rand der Kotflügel. Polierte Edelstahlbänder verlängern deren Form über die gesamte Fahrzeuglänge bis zu den senkrecht abfallenden Rückleuchten. Die Schwellerbereiche sind wieder in Carbon ausgeführt.
Am horizontal ausgerichteten Heck fallen die längs verlaufende dritte Bremsleuchte, die auf einem Ausleger öffnende Heckklappe sowie das in Chrom gefasste Kennzeichenfeld ins Auge. Darunter hängt ein mächtiger Diffusor – ebenfalls aus Carbon.
Insgesamt wirkt die Oberflächengestaltung wie aus einem massiven Block gefräst. Dazu passen auch die verdeckten Türgriffe. Die 24 Zoll großen Leichtmetallräder tragen das Design von Schiffsschrauben. Die Oberflächenbearbeitung lässt die Räder schon im Stand drehend und funkelnd erscheinen.
Licht und Leder im Interieur
Im Cockpit mixt Rolls-Royce viel Leder mit einer aus 10.500 Leuchtelementen bestehenden Ambientebeleuchtung. Die Bedienung wurde auf fünf Drehregler reduziert. Hinzu kommen verdeckte Staufächer in der Mittelkonsole und hinter den Sitzen sowie aus dem Vollen gefräste Getränke-Halter.
Für Project Nightingale entwickelte Rolls-Royce eine völlig neue Farb- und Materialpalette sowie eine Reihe exklusiver Ausstattungsmerkmale, die ausschließlich für diese Coachbuild Collection entworfen und reserviert sind. Jedes der 100 Exemplare wird in enger Abstimmung mit dem jeweiligen Auftraggeber gestaltet.
Weitere Details will Rolls-Royce mit Fortschreiten der Entwicklung der Modelle kommunizieren. Die Coachbuild Collection ist ausschließlich auf Einladung verfügbar, die Auslieferung an die Kunden beginnt ab 2028. Über Preise wird generell nicht gesprochen. Die britischen Kollegen von Autocar wollen allerdings erfahren haben, dass ein Nightingale mit rund 7 Millionen Pfund (umgechnet rund 8 Millionen Euro) bezahlt werden muss.
Der Name Nightingale leitet sich übrigens von Le Rossignol (die Nachtigall) ab, dem Namen des Hauses der Designer auf Henry Royces Anwesen an der französischen Riviera.
