Audi Q4 E-Tron Roman Raetzke
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SUV

Audi Q4 E-Tron: Erste Fahrt im neuen Elektro-SUV

Audi Q4 E-Tron So fährt sich der ID.4 mit vier Ringen

Nach dem großen SUV e-tron samt Sportback und dem High-End-GT geht mit dem Q4 nun der vierte Stromer von Audi an den Start – und der erste von Audi auf dem Modularen Elektrobaukasten. Fahrbericht der stärkeren Varianten Q4 40 E-Tron und 50 E-Tron Quattro mit der großen Batterie.

Der eine ein Supersportwagen mit V10-Verbrenner, der andere ein elektrisch angetriebener Kompakt-SUV – größer könnte der Gegensatz zwischen Audi R8 und dem neuen Audi Q4 E-Tron kaum sein. Dennoch haben beide als einzige Baureihen der Marke etwas gemeinsam: Nur bei ihnen treibt der Motor zumindest in einer Variante ausschließlich die Hinterachse an. Als Quattro gibt es sie natürlich auch, doch während der teure Mittelmotor-Zweisitzer R8 mit Preisen jenseits der 100.000 Euro nur einen sehr exklusiven Kundenkreis anspricht, soll der weitaus erschwinglichere Q4 auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MEB) den Einstieg in die batterieelektrische Mobilität bei Audi wesentlich erleichtern.

Kurz vor dem Marktstart steht der fast 4,60 Meter lange SUV zur ersten Ausfahrt bereit, einschließlich der Sportback-Variante mit flacherem Dachverlauf, die erst im September zu den Händlern kommt und rund 2000 Euro Aufpreis kostet – inklusive etwas erweiterter Serienausstattung und nur unwesentlich weniger Luft über dem Kopf im ebenso geräumigen Fond. Der konventionelle Q4 startet bei 41 900 Euro und kostet damit weit weniger als der 30 Zentimeter längere E-Tron (ab 69 100 Euro).

Selbst mit der größeren, 77 statt 52 kWh (netto) fassenden Batterie des Audi Q4 40 E-Tron (ab 47.500 Euro) liegt die Einstiegshürde in die Elektro-Familie von Audi nun deutlich niedriger. Anders als bei VW müssen treue Kunden beim Q4 ihre Geschmacksnerven nicht neu justieren. Er präsentiert sich rundum wie ein typischer Audi – abgesehen vom sehr kurzen vorderen Überhang. Nette Spielerei: Erstmals können die Kunden die Lichtsignatur der Tagfahrleuchten selbst beeinflussen. Vier verschiedene Varianten lassen sich über das MMI-Bediensystem auf dem zum Fahrer geneigten Touchscreen einstellen.

Neues Lenkrad und Augmented-Reality

Zusammen mit dem virtuellen Cockpit dominiert das optional 11,6 Zoll große Mitteldisplay (Serie 10,1 Zoll) das sorgfältig eingerichtete Interieur und prägt dessen digitalen Charakter. Der erfasst auch das neue Vierspeichenlenkrad. Hier müssen sich sie Daumen nun auf hinterleuchteten Touchflächen zurechtfinden, wobei kleine Erhebungen bei der Orientierung helfen.

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Cockpit: Fein rastende Tasten für die Klimatisierung, große Ablagen. Rekuperation per Effizienzassistent oder manuell.

Gutes Stichwort: Im Audi Q4 E-Tron blendet ein neues Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktionen alle wichtigen Infos in die Frontscheibe. Über der bekannten Nahbereichsebene erscheint eine zweite, auf der zur Navigation der Umriss eines Pfeils rund zehn Meter vor dem Auto wie eine virtuelle Drohne vor dem Fahrer herfliegt und an Kreuzungen auf die reale Straße zeigt, in die der Fahrer abbiegen soll. So die Theorie. In der Praxis hält sich der Mehrwert dieser Zusatzfunktion jedoch in engen Grenzen. Denn der unnötig kleine und in der Größe nicht veränderbare Drohnenpfeil hebt sich selbst bei voller Leuchtstärke kaum vor hellen Hintergründen ab – im Gegensatz zu den klar erkennbaren Informationen auf der Nahbereichsebene.

Doch auch ohne Drohne fällt es leicht, seinen Weg zu finden, schließlich lässt sich die Karte mit der aktiven Zielführung wie bisher auf das vielfach verstellbare Instrumentendisplay hinter dem Lenkrad einblenden. Trotz der umfangreichen Digitalisierung gibt es noch ganz konventionelle Tasten für die Klimaautomatik, die mit sattem Klicken ihren Teil zum wertigen Qualitätsgefühl beitragen. Dieser Eindruck bekommt nur beim Blick in den Kofferraum einen leichten Knacks: Der Kunststoff der Seitenverkleidung und die daraus ausgestanzten Taschenhaken widersprechen dem sonst hohen Niveau.

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520 bis 1.490 Liter passen in den Gepäckraum.

Unter den in der Höhe verstellbaren Kofferraumboden passt im Übrigen auch die starre Hutablage – oder die Tasche mit den Ladekabeln, denn für einen zusätzlichen Stauraum ist unter der Fronthaube kein Platz. Hinter der Heckklappe, die sich beim Sportback serienmäßig elektrisch öffnet und schließt, steht mit 520 bis 1.490 Liter (Sportback 530 bis 1.460 Liter) dagegen genügend Raum für großes Gepäck zur Verfügung. Auf der bequemen, aber nicht verschiebbaren Rückbank mit im Verhältnis 40:20:40 geteilter Lehne im geräumigen Fond können große Mitfahrer nur deshalb ihre Beine nicht entspannt ausstrecken, weil die Füße kaum unter die knapp über dem Boden montierten Vordersitze passen.

Komfortabler Dynamiker

Der Audi Q4 E-Tron bringt aber nicht nur viel Platz für die große Reise mit, sondern auch zahlreiche praktische Ablagen wie etwa die in den vorderen Türarmlehnen untergebrachten Flaschenhalter. Und einen hohen Fahrkomfort. Mit den optionalen adaptiven Dämpfern – ohne konnten wir ihn noch nicht fahren – gelingt dem Q4 der Spagat zwischen agilem Handling und souveräner Gelassenheit selbst auf nachlässig geteerten Strecken ausgesprochen gut. Die Lenkung spricht ebenfalls harmonisch an, weder zu spitz noch zu träge, auch die Rückmeldung passt, um den SUV jederzeit präzise und zentimetergenau dirigieren zu können. Und falls der Fahrer anfängt, es zu bunt zu treiben, bremst ihn das ESP feinfühlig ein. Ebenfalls auffällig unauffällig: Es dringen kaum Abrollgeräusche zu den Passagieren durch, nichts stört die Ruhe des leisen E-Antriebs – sofern der SUV nicht die maximale Rädergröße (21 Zoll) aufschnallt und sich mit 19- oder 20-Zoll-Rädern begnügt, wobei alle ab Werk mit Mischbereifung (vorn 235, hinten 255 Millimeter) bestückt sind.

Auch der Verzicht auf die mit 220 kW stärkste Allradvariante 50 E-Tron Quattro (ab 53.600 Euro) kann sich nicht nur wegen der Preisdifferenz lohnen. Klar, mit dem zusätzlichen E-Motor an der Vorderachse schiebt der Audi Q4 E-Tron noch wesentlich kräftiger an, doch aus Effizienzgründen kümmert sich ohnehin meist nur der 150 kW-Motor an der Hinterachse um Vortrieb, und das durchaus temperamentvoll. Genauso wie im Q4 40 mit Heckantrieb, obwohl hier die Elektronik schon bei 160 statt 180 km/h den flotten Vorwärtsdrang abriegelt. Beim Tritt auf die Bremse kommen an der Hinterachse übrigens Trommelbremsen zum Einsatz, aber nur, wenn die Verzögerung durch die rekuperierende E-Maschine nicht ausreicht. Das Maß kann der Fahrer manuell in drei Stufen über die Schaltwippen am Lenkrad beeinflussen oder mit aktiviertem Effizienzassistenten der Elektronik überlassen.

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Mit dem 77-kWh-Akku lädt der Q4 mit bis zu 11 (AC) oder 125 kW (DC).

Ohne die vordere E-Maschine spart der so schon zwei Tonnen schwere Q4 zudem 115 kg, und die Vorderräder schlagen weiter ein. Damit fällt der Wendekreis enger als beim viel kürzeren A1 aus – und die Reichweite mit 520 statt 488 nach WLTP einige Kilometer größer als beim 50 Quattro. Für den windschnittigeren Sportback (cw=0,26 statt 0,28) nennt Audi gar 534 statt 497 km. Auch damit untermauert der Stromer seine Tauglichkeit für die große Reise, zumal sich die Ladepausen in überschaubaren Grenzen halten. An CCS-Schnellladern beträgt die Ladeleistung maximal 125 kW, unter Idealbedingungen reicht ein rund zehnminütiger Stopp, um Strom für weitere 130 Kilometer (WLTP) zu bunkern. Oder 38 Minuten, um den Batteriestand von fünf auf 80 Prozent zu heben.

Übrigens: Beim R8 kann sich der Verzicht auf die Quattro-Variante ebenfalls lohnen, er spart 30.000 Euro. Dafür gibt es fast einen Q4 E-Tron nach Abzug der Förderprämie (9.570 Euro). Als Erstwagen für den Alltag, mit Heckantrieb.

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Fazit

Der Audi Q4 E-Tron fühlt sich an, wie man es von einem Audi gewohnt ist, und er fährt auch so – gediegen und dynamisch. Dazu rollt er leise ab und federt sehr komfortabel – das gilt für den konventionellen SUV genauso wie für den Sportback. Die Bedienung? Nicht zu digital, nur das neue Head-up-Display bietet keinen nennenswerten Fortschritt.

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