Caterham Seven 485 CSR - Sportwagen - Fahrbericht Arturo Rivas
Caterham Seven 485 CSR - Sportwagen - Fahrbericht
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Caterham Seven 485 CSR - Sportwagen - Fahrbericht 24 Bilder

Caterham Seven 485 CSR im Fahrbericht

240 PS, 580 Kilo - jede Kurve ein Genuss

Der Caterham Seven 485 CSR ist gewiss kein Schnäppchen. Dafür aber ist der Zweisitzer so selten wie ein Winter ohne Schnupfen. Kurven schlürft der Seven genüsslich auf. Eine Geschichte über das Fahren in Reinform.

Manchmal passt einfach alles zusammen: das Wetter, die Stimmung, das Auto. Die Sonne hat sich durchgesetzt, von der vormals dichten Wolkendecke ist nur noch ein feiner Schleier übrig geblieben. Die Bäume am Straßenrand werfen ihre grün, braun und gold gefärbten Blätter ab. Die Schwäbische Alb bittet zum Kurventanz.

Der Caterham Seven 485 CSR wirbelt das Laub am Straßenrand auf, fängt manche Blätter im Fußraum ein. Andere wiederum verfangen sich zwischen Chassis und Auspuff, werden dort geröstet. Kieselsteinchen flippern zwischen den Semis und der Carbon-Radabdeckung. Der Fahrtwind streift durchs Haar. Das Dach ist aufgeknöpft, die Seitentüren sind ausgehängt.

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Arturo Rivas
Wer einmal drin ist, will so schnell nicht mehr aus dem Seven 485 CSR steigen.

Der Fahrer im Mittelpunkt

Einen Blinker bräuchtest du gar nicht. Du könntest auch einfach den linken Arm rausstrecken – wie beim Fahrradfahren. Aber die Schwäbische Alb ist um die Mittagszeit verlassen. Keine Menschenseele weit und breit. Wie im Stadion eine Stunde nach Spielende. Perfekte Verhältnisse.

Die Kurven legen sich in die Landschaft, winden sich nach links, nach rechts, ziehen zu, machen auf. Und der Caterham Seven 485 CSR spielt mit ihnen. Leicht wie eine Feder, präzise wie ein Laser, spontan wie ein Reflex. Du köderst ihn mit Kurven, drehst ihn ein über das Lenkrad, siehst zu, wie die Schnauze mit den beiden Glubschaugen da vorne abbiegt.

Die Motorabwärme dringt durch die Kiemen der Haube. Die Luft darüber flimmert. Die Karosserie neigt sich nach außen, der 485 legt sich ins Zeug, drückt mit dem Hinterteil und zischt auf die Gerade.

Der 485 CSR (Clubsport Racing) ist Caterhams Topmodell für den europäischen Markt. Er ist ein Sportwagen, den man so selten findet wie ein vierblättriges Kleeblatt und der auf einem altbewährten Rezept für Sportwagen aufbaut: Halte das Gewicht niedrig und stelle den Fahrer in den Mittelpunkt.

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Der 240 PS starke Motor muss nur wenig Gewicht schleppen.

Gewicht: nur 580 Kilogramm

Diese rote Flunder wiegt nur 580 Kilogramm (Leergewicht), lässt den Fahrer allerdings malochen. Servolenkung? Bremskraftverstärker? In einem Fitness-Studio bieten sie ja auch keinen Kuchen an. Der Caterham erspart dir den Weg dorthin und die monatlichen Kosten. Die drei Pedale verlangen den Waden so viel ab wie die Beinpresse.

Seine 240 PS (176,5 kW) saugt der CSR aus einem zwei Liter großen Vierzylinder. Und jetzt wird es nostalgisch, meine Damen und Herren: Die Maximalleistung klopft erst bei 8.500 Touren an der Kurbelwelle an. Mit anderen Worten: Der Ford-Duratec-Motor will gedreht werden wie ein Kind im Karussell. Je mehr Umdrehungen, desto größer der Spaß.

Unterhalb von 2.000 Touren, sprich bei Halbgas, zuckt und ruckelt der Caterham in einer Tour. Im Prinzip benimmt sich der Purist wie ein Rennwagen. Aber seien wir mal ehrlich: Der 485 CSR ist einer für die Straße. Doch er ist in diesen niederen Regionen fast unfahrbar.

Sportmodus aktivieren, genießen: Ab 3.000 Touren wacht der Ford-Motor auf, er raschelt und grummelt im Vorderbau. Kurz vor der 4.000er-Marke öffnen die Auspuffklappen. Ab 6.300 Umdrehungen machen sich 206 Newtonmeter über die Hinterachse her. Das klingt im ersten Moment nach wenig, trotzdem flößt einem der Caterham zunächst gehörig Respekt ein.

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Der 485 CSR beschleunigt laut Hersteller in 3,9 Sekunden auf Landstraßentempo.

Lastwagen wie Wolkenkratzer

So wie das Auge beim Essen mitisst, so fahren die Ohren beim Sportwagenfahren mit. Die Schreie werden mit jeder Umdrehung lauter, der Lärm immer intensiver, oben heraus kreischt der Vierzylinder blechern. Du trägst die hinteren Kotflügel praktisch wie Schulterpolster, fühlst dich als Teil der Hinterachse, schleifst mit dem Hintern auf dem Asphalt. Tieffliegen hat selten so große Gefühle geweckt.

Man sitzt in so einem Seven vielleicht 15 bis 20 Zentimeter über dem Boden. Du schaust unter der Leitplanke durch. Unserem Fotofahrzeug, einem Volvo V60 Polestar, glotzt du auf die Radhäuser. Lastwagen sind gegen ihn Wolkenkratzer. Sie umfährst du mit einem weiten Bogen. Besser Vorsicht als Nachsicht. Doch mit jeder Geraden, mit jeder Kurve näherst du dich dem Seven an, schöpfst mehr und mehr Vertrauen, legst die Sorgen ab und gehst eine kumpelhafte Beziehung mit ihm ein.

Der Einstieg ist eine Prozedur. Zuerst stellst du das rechte Bein in den Fußraum. Dann gehst du in die Hocke, schlüpfst mit dem Oberkörper voran rein, lässt dich auf den Ledersitz in Carbon-Optik fallen, bevor du das linke Bein nachziehst. Es geht alles viel einfacher, wenn du die federleichten Türen an den zwei Bolzen aushebst und das Notverdeck ablegst. Auch das Momo-Lenkrad lässt sich abnehmen. Reinschälen wie in einen Rennwagen, und dann das Lenkrad wieder anbringen. Es muss zweimal einrasten, bevor es losgehen kann. Das abnehmbare Lenkrad hat einen zweiten Vorteil: Einen besseren Diebstahlschutz gibt es nicht.

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Der Spaß hat seinen Preis: Der Grundpreis beträgt 65.444 Euro inkl. MwSt.

Tiefflieger mit Restkomfort

Im Duden könnte neben dem Wort "altertümlich" ein Bild des Seven stehen. Das Lenkrad hat keinen Airbag. Die Rundinstrumente mit den dunkelgrauen Zifferblättern, den weißen Nadeln und Zahlen sind analog. Das einzig Digitale ist der Kilometerzähler. Die Windschutzscheibe halten vier Schrauben. Der mit Alcantara bezogene Armaturenträger hat keinen Touchscreen, sondern nur zwei Rundinstrumente und 13 Schalter – für Blinker, Scheibenwischer und die Scheinwerfer.

Im Cockpit vibriert’s, du zitterst mit, während der CSR über die Autobahn brettert. Du schaust zu, wie die Vorderräder auf Bodenwellen ausfedern, wie sie in Schlaglöcher eintauchen. Dreieckslenker oben, Dreieckslenker unten, innenliegende Eibach-Dämpfer, die über Schubstreben (Pushrods) aktiviert werden: Das alles erscheint dir so weit weg und fühlt sich doch so unmittelbar an. Weil der Vorderbau zwei Drittel des Fahrzeugs ausmacht, du andererseits aber jede Bewegung siehst – und spürst.

Der Vierzylinder katapultiert den Seven auf bis zu 225 km/h. Ohne Windschutzscheibe sind sogar 240 km/h drin. Der CSR fängt bei hohen Geschwindigkeiten nicht an zu zappeln. Unter dem Armaturenträger strömt heiße Luft ins Cockpit, heizt dem Fahrer ein – und mischt ein bisschen Benzingeruch unter.

Der Tiefflieger kann zwar Autobahn, tobt sich aber viel lieber auf der Landstraße aus. Wir stöbern weitere Kurven auf, fegen über sie hinweg und genießen. Der Caterham Seven 485 CSR legt keinen Filter über seine Aktionen, sondern verschmilzt sie mit der Reaktion. Mit der rechten Hand wuchtest du den grauen Schaltknüppel durch die drei bis vier Zentimeter kurzen Gassen. Es knackt, der Knüppel rastet ein, im Auspuff an der rechten Flanke kracht es diabolisch. Vierter Gang, 5.000, 6.000, 7.000, 8.000: Der Sauger jagt die Drehzahl, peng, nächster Gang.

Selbst in der Stadt bewahrt der Caterham den Restkomfort. Radio? Gibt es nicht. Navi? Die Straßen muss der Fahrer selbst suchen: Flashback in alte Zeiten. So ein Caterham versteht sich auch als Zufluchtsort in einer digitalisierten Welt. Ein Dritt- oder Viertwagen, wenn an einem sonnigen Tag mal einfach wieder alles passen soll.

Fazit

So einen Caterham muss man mal gefahren sein. Direkter geht es wahrscheinlich nur auf dem Motorrad. Der 485 CSR stellt den Fahrer in den Mittelpunkt, geht leichtfüßig durch Kurven und hat einen äußerst drehwilligen Saugmotor.

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