Genesis G70 Uli Jooss
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Probefahrt mit dem Nobel-Hyundai Genesis G70

Genesis G70 BMW-3er-Konkurrent aus Südkorea

Sie kennen Genesis nicht? Macht nichts, geht vielen so, doch das soll sich bald ändern. Hyundai will seinen Edelableger nun auch in Deutschland etablieren. Erste Fahrt mit dem Einstiegsmodell G70.

Tja, was ist das für ein Modell? Immer wieder fragende Gesichter. Die Limousine könnte ein neuer Volvo sein. Oder ein Jaguar. Vielleicht hilft der Blick auf den Schriftzug am Heck weiter – oder auch nicht. Denn dort steht Genesis. Nie gehört? Brandneu ist die Marke allerdings nur in Deutschland, gegründet bereits 2015 als Premium-Ableger der Muttermarke Hyundai. Auch die Limousine G70 gibt es schon ein paar Jahre, sie ist seit 2017 am Start und bekam 2020 ein Facelift. Zusammen mit dem SUV GV70 und den beiden größeren Baureihen G80/GV80 bilden sie hierzulande das Modellprogramm zum Start der neuen Marke.

Genesis G70
Uli Jooss
Die Sport Line-Ausführung gibt sich unter anderem mit einer Bremsanlage vom Brembo mit rot lackierte Sätteln zu erkennen.

Doch zurück zum G70, er ist das Einstiegsmodell und gleichzeitig die sportlichste Baureihe von Genesis. Format und Konzept der knapp 4,70 Meter langen Limousine erinnern an den 3er von BMW. Unter der vorderen Haube stecken längs eingebaute Vierzylinder-Turbodiesel und -benziner, die serienmäßig über eine von Genesis selbst entwickelte Achtstufenautomatik die Hinterräder antreiben, wobei Allradantrieb optional zu haben ist. Innen zeigt sich der G70 ansprechend eingerichtet und sauber verarbeitet. Die Grafik der Digitalinstrumente und des Infotainments kennt man aus Hyundai-Modellen, die Bedienung erfolgt außer über das Touchdisplay und Sprachsteuerung auch noch über zahlreiche konventionelle Tasten und Drehregler – darunter auch noch einer für den Karten-Zoom des Navigationssystems.

200 PS und 440 Nm

Auf den bequemen Vordersitzen passt die fahrerorientierte Limousine wie angegossen, doch im Fond haben bereits mittelgroße Mitfahrer Probleme, Kontakt mit dem Dach und den Vordersitzen zu vermeiden. Zumal sich die Füße kaum unter die tief montierten, elektrisch verstellbaren Vordersitze schieben lassen. Immerhin gibt es an der Innenseite der Beifahrersitzlehne zwei Tasten, mit dem sich dieser Sitz auch vom Fond aus verstellbar ist. Also zurück auf den Fahrersitz, den besten Platz im Auto.

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Wenig Platz für Kopf und Beine auf der Rückbank. Praktisch: Der Beifahrersitz lässt sich über Tasten in der Lehne vom Fond aus verstellen.

Für eine erste Ausfahrt steht ein Diesel als Sport Line bereit. Schwarze Aluräder im 19-Zoll-Format mit Mischbereifung und Brembo-Bremssätteln versprechen schon im Stand Dynamik. Der 2,2 Liter große Selbstzünder schickt 200 PS und 440 Nm Richtung Hinterachse, an dem sich ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial um ausreichende Traktion kümmert. Je nach Soundeinstellung per Infotainment – verstärkt, normal, sanft, aus – überlagert dumpfes Grummeln das nagelige Grundgeräusch des Diesels, der sich mit mindestens 1,8 Tonnen auseinandersetzen muss, damit aber keine allzu große Mühe hat.

Von Komfort keine Spur

Assistenzsysteme sind natürlich auch an Bord, jede Menge sogar, auch teilautonomes Fahren kann der G70. Doch das nehmen wir nun lieber selbst in die Hand. Die Lenkung arbeitet präzise und mit guter Rückmeldung, ebenso das Fahrwerk mit Adaptivdämpfern. Allerdings fehlt der Abstimmung das rechte Maß, denn die Limousine federt so straff, dass die Hand rasch zum Drehschalter auf der Mittelkonsole greift, der die Fahrmodi aktiviert. Doch der steht bereits auf "Comfort", obwohl kräftige Stöße kaum gefiltert bei den Insassen ankommen. Als Entschädigung folgt der G70 willig der vorgegebenen Linie und wartet mit ansprechend agilem Handling auf. Also geben wir ihm die Sporen, wobei wir die Finger von den Schaltwippen lassen können – die Automatik wechselt die Stufen meist so wie gewünscht. Erst bei hohem Tempo auf kurvigen Autobahnen bringen Störeinflüsse im Asphalt eine leichte Unruhe in die Hinterachse. Das lässt sich mit dem Wechsel auf "Sport" zwar mindern – dabei pusten sich unter anderem die Seitenwangen der Sitze auf und fixieren den Fahrer zusätzlich –, doch kann dann selbst von Restkomfort kaum noch die Rede sein.

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Digitalinstrumente und das Infotainment wie bei Hyundai, aber zweiter Drehregler für den Karten-Zoom. Einfache Bedienung, hochwertige Materialien, unauffällig agierende Automatik.

Das muss man mögen – oder auf Sport Line verzichten und sich stattdessen mit Premium Line oder Luxury Line begnügen. Als Alternative zum Diesel steht ein Zweiliter-Turbobenziner in zwei Leistungsstufen mit 197 und 245 PS bereit, wobei nur der stärkere wahlweise mit Allradantrieb zu haben ist. Die Preise für den Einstiegsbenziner starten bei 39.100, den Diesel gibt es ab 41.500 Euro. Und als Sport Line ist der Selbstzünder ab 45.710 Euro zu haben. Interessiert? Bislang gibt es übrigens nur einen Genesis-Stützpunkt in München, doch einen Händler soll der Kunde überhaupt nicht aufsuchen müssen, egal wo er wohnt. Denn ein Hol- und Bringservice zum Kundendienst, Ersatzwagen, Pannendienst, Over-the-Air-Updates für das Navi sind fünf Jahre im Kaufpreis enthalten – genauso wie die Fahrzeuggarantie über den gleichen Zeitraum.

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Fazit

Der Genesis G70 bereichert die sportliche Mittelklasse um eine straff abgestimmte Alternative mit interessantem Preis-Leistungs-Verhältnis und umfangreichen Garantie-Versprechen. Ob das für mehr als einen Achtungserfolg gegen BMW 3er und Co reicht? Abwarten.

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