Sebastian Vettel xpb
Red Bull RB6
Red Bull RB6
Red Bull RB6
Red Bull RB6 28 Bilder

Formel 1: Sebastian Vettel im Interview

"Michael war früher unser Held"

Red Bull-Pilot Sebastian Vettel spricht im Interview mit auto-motor-und-sport.de über den Rummel um Michael Schumacher, die Konkurrenz von McLaren, Mercedes GP und Ferrari sowie über die Regeländerungen der Formel 1.

Was sind Ihre Ziele?
Vettel: Streichen Sie die Mehrzahl. Es gibt nur ein Ziel.

Wir haben vier Topteams. Drei davon haben in Valencia mit den Testfahrten begonnen. Nur Sie mussten bis Mitte Februar warten. Da kann man doch nicht ruhig daheimsitzen.
Vettel: Den Winter mussten wir uns alle in Geduld üben. Das letzte Rennen ist so lange her, dass man schon gar nicht mehr weiß, was dein Beruf ist. Wenn mich einer fragt, was ich mache, sage ich: Ich trainiere. Und ich fahre Formel 1, aber nur im Sommer. Klar, kribbelt es. Wenn dann die ersten Bilder der neuen Autos veröffentlicht werden, da vergleicht man jedes Detail mit dem eigenen Auto. Dann kann man es gar nicht mehr erwarten. Wenn die anderen dann das Fahren anfangen und du noch nicht, willst du am liebsten gar nicht ins Internet gehen und die die Rundenzeiten anschauen. Weil du selber am liebsten fahren würdest. Aber ich wusste, warum wir warten mussten.
 
Warum?
Vettel: Wir hatten uns früh darauf verständigt, dass der erste Test für uns nicht stattfindet und dass wir die Zeit nutzen, um das Auto noch besser zu machen.
 
Waren Sie beunruhigt, als sie die anderen Autos gesehen haben und noch nichts tun konnten?
Vettel: Man muss erst mal mit seinem eigenen Auto fahren, um beruhigt oder beunruhigt zu sein. Da kriegt man schnell ein Gefühl dafür, wie das Auto geht. Obwohl ich noch kein alter Hase bin, habe ich letztes Jahr auf Anhieb gespürt, dass es ein guter Wurf ist. Nach zehn Runden spürst du die Seele des Autos. Egal, ob es auf dem Papier gut aussieht oder nicht. Und die Seele stimmt. Das erste Gefühl war ähnlich gut wie beim Vorgänger. Die Balance des Autos ist stabil, egal ob mit viel oder wenig Sprit an Bord. Das ist immer ein gutes Zeichen.
 
Was kann man von MercedesGP erwarten?
Vettel: Die schätze ich stark ein. Das Auto war 2009 gut, obwohl sie Kompromisse eingehen mussten, weil sie kurzerhand von Honda- auf Mercedes-Motoren umgebaut haben. Der Motor selbst war sicher kein Nachteil, denn er ist einer der besten, wenn nicht der beste im Feld. Die Frage ist, wie stark die Konstruktion letztes Jahr unter dem Motorwechsel gelitten hat. Es könnte also nochmal besser gehen in diesem Jahr. Andererseits ist die Designcrew schon länger zusammen. Vor zwei Jahren war das Auto ein Flop, letztes Jahr sehr gut. Da stellt sich die Frage: Können sie das wiederholen? Welche Rolle spielte es, dass sie für die Entwicklung des 2009er Autos noch das Honda-Geld in der Hand hatten, und dass sie früh mit der Entwicklung beginnen konnten?
 
War das letzte Jahr für McLaren ein einmaliger Ausrutscher?
Vettel:
Ich kenne die Fabrik von McLaren nur von Fotos. Das ist die absolute Ausnahme, der Stand der Technologie ist konkurrenzlos. McLaren ist seit zehn Jahren vorne dabei. Die Leute, die vor zwei Jahren ein Weltmeisterauto gebaut haben, sind immer noch an Bord. Deshalb sollte man davon ausgehen, dass die erste Saisonhälfte 2009 eine Ausnahme war. Die Frage ist: Wie wirkt es sich aus, dass Mercedes nicht mehr mit dem gleichen Einsatz dabei ist? Merkt es McLaren am Geldbeutel, wie reagieren die Leute im Team. Stecken Sie auf oder sagen sie: Jetzt erst recht.
 
Und Ferrari?
Vettel: Die sind schwer einzuschätzen. Wir wissen nicht, welches Handikap das Kers im Auto war. Personell hat sich einiges in Maranello getan. Deshalb ist die Frage berechtigt: War es nur ein Ausrutscher oder ein neuer Trend? Auch die Fahrerpaarung ist interessant. Zwei Latinos, mit Felipe als Platzhirsch, und Fernando als dem Fahrer, den viele im Zirkus für die absolute Nummer eins halten. Felipe wird nicht akzeptieren, nur die Nummer zwei zu sein. Den darf man nicht unterschätzen. Er hat gegen Kimi mehr und mehr die Teamleaderrolle übernommen. Und wie er auf die Niederlage in Brasilien 2008 reagiert hat, als er den WM-Titel mit nur einem Punkt verpasst hat, wie ihm das zu Herzen ging, das hat mir ganz klar gezeigt, wie Felipe drauf ist. Der Junge will unbedingt gewinnen. Vor so einer Einstellung habe ich unheimlich viel Respekt. Ich weiß, welche Arbeit dahintersteckt und wie man sich fühlt, wenn man so knapp dran vorbeischrammt. Das neue Auto, und das haben die Testfahrten klar gezeigt, ist gut. Ich würde sagen, dass Ferrari im Moment leicht die Nase vorn hat.
 
Wie groß ist die Gefahr, dass Red Bull 2009 im positiven Sinne eine Eintagsfliege war?
Vettel: Diese Frage muss man sich stellen. Wir müssen noch beweisen, dass wir auf Dauer ein Topteams sind. Erst wenn man wie Ferrari und McLaren über zehn Jahre an der Spitze gefahren ist, kann man diesen Titel für sich in Anspruch nehmen. Wir sind guter Dinge, ich habe Vertrauen in Red Bull. Das fünfte Jahr brachte den Durchbruch. Die richtigen Leute sind am richtigen Ort, sie arbeiten miteinander statt gegeneinander, und das Timing passt. Die Firma ist gewachsen, die Technologie ist auf dem neuesten Stand. Die Faktoren, vorne mitzufahren sind vorhanden.
 
Bei Ihren Rivalen bietet die Fahrerpaarung Konfliktstoff. Bei Red Bull kennt man sich. Ist das ein Vorteil?
Vettel: Grundsätzlich gibt es kein Fahrerpaar, das lange im gleichen Haus leben könnte, ohne sich die Köpfe einzuschlagen. Das gilt auch für Mark und mich. Wir respektieren uns, aber wir werden keine dicken Kumpels werden. Wenn eine Fußballmannschaft zwei Stürmer für eine Position hat, und am Ende kann nur einer spielen, dann wird sie das immer trennen, egal wie gut sie miteinander auskommen. Das ist ein knallharter Konkurrenzkampf. Jeder will jeden schlagen. Es geht darum, die Nummer eins im Team zu sein, Du forderst Respekt ein. Das Team muss wissen: Wenn der in den Raum tritt, geht es voran. Du willst immer zuerst deinen Teamkollegen schlagen. Der hat das gleiche Material zur Verfügung, da kannst du dir noch so gute Ausreden einfallen lassen, es wird dir keiner glauben. Wenn der andere im gleichen Auto schneller ist, muss es eine Möglichkeit geben, mit dem Auto schneller zu fahren. Trotzdem arbeitest du mit deinem Teamkollegen zusammen, weil das beide nach vorne bringt. Natürlich liegt in den Teamduellen bei Mercedes, Ferrari und McLaren mehr Brisanz als in dem unseren. Da spielen die Medien schon eine Rolle. Eine deutsch-deutsche Fahrerpaarung bietet viel mehr Angriffsfläche. Der alte Held gegen den neuen. Sollte der Michael das Nachsehen haben, stellt sich jeder die Frage, ob er in der Vergangenheit vielleicht nur immer das beste Auto hatte. Andersherum wäre Schumacher der absolute König, und der Nico wäre abgestempelt als guter Rennfahrer, aber eben nicht als Überflieger.
 
Und das englische Duell?
Vettel: Auch die Engländer werden zwei Lager bilden. In Deutschland wird das Duell der Generationen hochgespielt. In England gibt es die Hamilton-Fans, die sagen, der Lewis war sofort ein Siegertyp. Und die Button-Anhänger werden sagen, dass Jenson erst seine Qualitäten zeigen konnte, als er das entsprechende Material hatte.
 
Lässt sich das Team durch Stimmungsmache in den Medien beeinflussen?
Vettel: Die Leute im Team haben die Ohren und Augen auf, lesen Zeitung und das Internet. Wenn dann mitbekommen, dass der eine auf Freizeit macht und der andere im Simulator sitzt, sind die Sympathien im Team schnell verteilt.
 
Gibt es andere Teams, die in diese Phalanx eindringen können?
Vettel: Das ist schon schwer. Das Beispiel BrawnGP wiederholt sich nicht so schnell. Man darf nicht vergessen, dass in dem Auto noch Honda-Geld und der Honda-Entwicklungsapparat drinsteckte. Aus dem Mittelfeld kann es schon einer aufs Podest schaffen. Gewinnen wird schwer. Bei Sauber, Williams oder Renault sitzen auch schlaue Leute, der Geldbeutel spielt nicht mehr die ganz große Rolle, da kann schon mal ein Geniestreich kommen.

Übersicht: Formel 1: Sebastian Vettel im Interview
Das könnte Sie auch interessieren
Lewis Hamilton - GP Russland 2020
Aktuell
Hamilton & Schumacher - GP China 2012
Aktuell
Ferrari F2002 Chassis 219
Auktionen & Events