Mit Dieter Glemser verliert der Motorsport eine Persönlichkeit, die für eine Ära stand, in der noch Mut und technische Nähe zum Rennfahrzeug den Unterschied machten. Seine Siege und Titel bleiben ebenso wie die Erinnerung an einen Fahrer, der sich seinen Platz in der Geschichte nicht durch Lautstärke, sondern durch Leistung erarbeitet hat.
Glemser war einer der prägenden deutschen Rennfahrer seiner Generation. Ein Mann, der Geschwindigkeit nicht als Kunst verstand, sondern als Handwerk. Er war kein Lautsprecher, sondern ein loyaler Arbeiter ohne Allüren. Geboren in Stuttgart, fand er früh den Weg in den Motorsport und machte sich zunächst im Rallyesport einen Namen: 1963 gewann er die Rallye Polen auf einem Mercedes-Benz 220 SE.
Seine größten Erfolge feierte Glemser jedoch auf der festen Fahrbahn. 1969 wurde der Schwabe mit einem Ford Escort Deutscher Rundstrecken-Meister. 1971 gewann er den Titel in der Tourenwagen-Europameisterschaft. Dieser Triumph machte ihn international bekannt.
Auch im Langstreckensport setzte Glemser Akzente: 1971 gewann er gemeinsam mit dem Spanier Àlex Soler-Roig auf einem Ford Capri RS 2600 die 24 Stunden von Spa. Beim 24h-Rennen in Le Mans ein Jahr später erreichte er den elften Gesamtrang.

Seine größten Erfolge feierte Dieter Glemser in einem Ford.
Rücktritt nach schweren Unfällen
In Deutschland gehörte Glemser zudem zu den wichtigsten Köpfen der Deutschen Rennsport-Meisterschaft: 1973 und 1974 gewann er den DRM-Titel, jeweils mit Zakspeed und dem Ford Escort.
Selbst über Europa hinaus führte ihn der Rennsport: 1974 startete er in Australien beim Hardie-Ferodo 1000 auf dem Mount Panorama Circuit, wo er an der Seite des mehrfachen Siegers Allan Moffat in dessen Ford XB Falcon GT antrat.
Nach einem schweren Unfall infolge eines Reifenschadens beim Tourenwagenrennen von Macao im November 1974, bei dem mehrere Zuschauer verletzt wurden, beendete Glemser seine Laufbahn. Es war Glemsers zweiter schwerer Unfall innerhalb kurzer Zeit. Beim Großen Preis der Tourenwagen 1973 auf dem Nürburgring hatte er sich im Abschnitt Wehrseifen nach einem Lenkungsbruch im Capri RS überschlagen, wobei er schwere Prellungen und Rippenbrüche erlitt.

Nach seiner aktiven Karriere arbeitete Glemser viele Jahre für Mercedes.
Ein Leben für den Rennsport
Insgesamt feierte der "Schwabenpfeil" zwischen 1959 und 1974 fast 100 Siege. Nach dem Ende seiner Karriere als Rennfahrer arbeitete Glemser noch lange als Berater und Manager mehrerer Automobilhersteller und verschiedener Rennserien. Unter anderem war er für Renault tätig, wo er als Mentor für junge Fahrer arbeitete. Zudem war er als Instruktor im Ford Fiesta Ladies Cup tätig.
Auch als Serienleiter des Porsche 944 Turbo-Cup hinterließ der ehemalige Rennfahrer Spuren. Danach arbeitete er mehrere Jahre im Organisationsteam und als Markenbotschafter von Mercedes-AMG. Zudem organisierte er zweimal jährlich in Hockenheim die "Speeddays" für Sportwagenfahrer.
Dieter Glemser verfolgte bis ins hohe Alter die Rennen der DTM, der Formel 1 und der MotoGP aufmerksam am TV. Ein unglücklicher Sturz in seinem privaten Haus beendete in der Nacht zum 10. Juni das Leben des schwäbischen Rennsport-Idols. Glemser erwachte nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit.
Er hinterlässt seine Frau Helga, mit der er fast 65 Jahre verheiratet war, drei Kinder und sieben Enkelkinder. Unsere Gedanken sind bei der Familie und den Freunden von Dieter Glemser.
