Warum will der ADAC Nordrhein überhaupt eine eigene Serie gründen?
Der aktuelle Rechtsstreit der Nürburgring Holding und der VLN bringt mit sich, dass es bei mehreren Bewerbern Chancengleichheit bei der Terminverteilung geben muss. Heißt: In der Theorie könnte sich nach Ablauf des Vertrags im Jahr 2028 ein anderer für das 24h-Rennen bewerben und es gäbe jährliche Rotation.
Eine langfristige Planbarkeit sei so laut ADAC Nordrhein schwierig. Etwas ironisch wirkt aber, dass wenige Tage später (3.8.) RTL den TV-Vertrag bis 2030 verlängert hat. Es leuchtet ohnehin nicht ein, wie die eigene Serie vor der Gefahr der Termin-Rotation schützen soll. Der ADAC Nordrhein will den Teams mit der Serie auch eine bessere Planbarkeit für 2027 bieten.
Hört man sich im Fahrerlager um, ist das Gegenteil der Fall. Beispiel: Ein Fahrer hat Sponsorenverträge über eine bestimmte Anzahl von Rennen inkl. 24h-Rennen. Die erfüllt er mit fünf Events der neuen Serie nicht. Fährt er zudem acht NLS-Rennen, sprengt das sein Budget. Das Argument des Nordrheins, diese Situation betreffe nicht viele, weil wenige die ganze NLS-Saison fahren, hinkt.
Beim Nordrhein sorgt man sich zudem um die Stabilität der VLN. Was, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten gerät? Oder die Führungsebene wechselt? Hier argumentiert man mit mehr Professionalität als bei der Struktur mit acht NLS-Gesellschaftern.
Hat die VLN finanzielle Sorgen und ist bedroht?
Diese Frage treibt viele um. Von außen betrachtet läuft es gut. Das zeigte das Starterfeld von 132 Autos beim 6h-Rennen. Bei der VLN betont man: Es gibt keinen Grund zur Sorge. Man wird in diesem Jahr voraussichtlich ein positives Ergebnis abliefern.
Der Mythos, die VLN bekomme nur fünf Termine, ist falsch. Es gibt mehr als zehn Termine zu vergeben. Diese müssen gerecht unter den Bewerbern aufgeteilt werden – jeden Monat eine Chance auf einen Termin. Das sichert das Gerichtsurteil ab. Das 24h-Specials-Reglement könnte man nutzen. Es gibt kein klassisches Copyright auf ein Reglement.

Anfang April 2027 ist ein zweitägiger Auftakt für die neue ADAC-Langstreckenserie geplant, um den Fahrern auf Wunsch der Teams genug Vorbereitung vor dem Rennen zu bieten.
Warum legt die VLN den Rechtsstreit nicht bei?
Der Prozess ist noch nicht im Hauptverfahren entschieden. Was man nicht vergessen darf: Erst der wahnsinnige zeitliche und finanzielle Aufwand der NLS als David gegen Goliath den Rechtsstreit zu führen, hat den Langstreckensport auf der Nordschleife – nach der Drohung der Holding der VLN keine Termine mehr zu geben – gesichert.
Das Verfahren ist die Lebensversicherung der NLS. Sonst könnte die Holding sie theoretisch erneut ausschließen und hätte mit der Nordrhein-Serie sogar direkt Ersatz, wenn diese Erfolg haben sollte. Dass die Situation derzeit kompliziert ist und langfristige Planung erschwert, wissen alle Beteiligten. Deshalb ist die NLS auch weiterhin in Gesprächen mit der Holding.
Allerdings ist die Lösung im Hinblick auf ein Ende des Gerichtsverfahrens komplex und braucht Vertrauensvorschuss von beiden Seiten. Auch deshalb ging man nicht direkt auf das Angebot des ADAC Nordrhein ein, sich zusammen mit der Holding zu besprechen. Zumal allein die VLN und die Holding Prozess-Beteiligte sind.
Warum hat der ADAC Nordrhein nicht gewartet?
Viele im Fahrerlager kritisieren, dass der ADAC Nordrhein innerhalb weniger Tage nach der Gesprächsabsage der VLN Tatsachen geschaffen hat. Beim Nordrhein heißt es, man brauche die Vorlaufzeit. Womöglich spielt die Vorgeschichte eine Rolle: Man war in der Krisenzeit als Geldgeber im Titelsponsoring dabei, hat sich aber im letzten Jahr rausgezogen.
Angeblich sei mit der Beteiligung zugesagt worden, die Regionalclubs Mittelrhein, Westfalen und Nordrhein kämen in den Lead der VLN. Die VLN führt an, dass keine Beteiligung zugesagt wurde – zu keinem Zeitpunkt. Man habe nur gemeinsame Möglichkeiten besprochen, hauptsächlich in der ohnehin sehr ähnlichen Vermarktung.

Der Rechtsstreit sorgt für Unsicherheit und schlechte Stimmung im Fahrerlager der NLS.
Wie sieht die ADAC-Serie denn aus?
Den GT3-Herstellern wurden in einem Meeting Eckpunkte vorgestellt. Die VLN-Läufe sollen nicht mehr relevant für die BOP sein, es sollen mindestens drei Autos pro Hersteller genannt werden, um überhaupt ein Pro-Auto beim 24h-Rennen bringen zu können und bei den kleineren Klassen sollen einige ab 2028 zusammengelegt werden (etwa VT2 Front-, Heck- und Allradantrieb).
Diese Zusammenlegung ergibt hier und da, wo Klassen nur ein oder zwei Starter haben, Sinn. Wer sich einschreibt, bekommt eine Startplatzgarantie fürs 24h-Rennen. Daneben will man ein Beratungsgremium mit Vertretern von Teams, Fahrern, Streckenbetreibern etc. etablieren.
Die Idee klingt gut, jedoch kam es bei einigen nicht gut an, dass bereits in einer Mail an einen Verteiler von Herstellervertretern und Co. Namen von Wunschkandidaten aufgelistet wurden, diese selbst aber nichts davon wussten.
Wie ist die Stimmung im Fahrerlager?
Von einigen Herstellern ist diplomatisch zu hören, man mache das, was die Kunden wollen. Im GT3-Umfeld ist es kein Geheimnis, dass das 24h-Rennen das wichtigste Pfund ist. Auch bei der Porsche Endurance Trophy Nürburgring, die mit über 30 Autos ein Gewicht hat, heißt es, man richte sich nach den Kunden.
Die Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring lehnt die Pläne sehr deutlich ab. Ein Teamchef meint: "Das ist ein Angriff und eine Gefährdung des Breitensports auf dem Nürburgring. Es war noch nie besser als jetzt, der Sport ist gut, die Medialisierung ebenfalls und man spricht mit uns."
Ein anderer sagt: "Wir wurden übergangen und nicht mal gefragt. Auch die ILN nicht. Wir haben Corona und die NES überstanden, das schaffen wir jetzt auch noch. Für was war das sonst alles gut?"
