Rein mathematisch kann in der Eifel, am sechsten von acht DTM-Rennwochenenden 2026, der Nachfolger des amtierenden DTM-Champions Ayhancan Güven noch nicht feststehen. Sehr wohl bietet sich Tabellenführer Maro Engel (Winward-Mercedes) aber eine goldene Chance. Das Paradebeispiel an Konstanz – nur ein Nuller in den letzten 43 DTM-Rennen – reist mit einem Vorsprung von 21 Punkten an und kann einen großen Schritt in Richtung des ersehnten Titels machen.
Seine Hauptrivalen sind der Tabellen-Zweite Nicki Thiim im Aston Martin von Comtoyou Racing, der aktuelle Gesamtvierte Thomas Preining im Manthey-Porsche und Engels Markenkollege Lucas Auer (Landgraf Motorsport). Vergrößert Engel seinen Vorsprung Mercedes-intern, dürfte klar sein, auf wen die Sterne im Schlussspurt der Saison setzen.
Thiim, der mit einem Doppelsieg am Norisring Halbzeitmeister wurde, erlebte zuletzt in Oschersleben ein schwieriges Wochenende. Praktisch konträr lief es bei Ex-Meister Preining, der am Norisring stark haderte und in Oschersleben nur wegen eines schlechten Stopps den möglichen Doppelsieg verpasste. Beide machten die vieldiskutierte Balance of Performance als Grund für ihre schwächeren Wochenenden aus. Der sonst ebenfalls sehr konstante Auer zog in Oschersleben den Kürzeren im teamübergreifenden Duell der Stern-Fahrer.

Christian Engelhart feiert sein Comeback im Grasser-Lamborghini.
Comeback im Grasser-Lamborghini
Der bei seinem schweren Unfall am Norisring verletzte Maximilian Paul muss am Nürburgring weiter pausieren. Aber ausgerechnet mit Christian Engelhart hat das Grasser-Team nun einen Ersatzfahrer für den neu aufgebauten Lamborghini Temerario GT3 mit der Nummer 19 gefunden. Warum "ausgerechnet"? Weil Engelhart selbst 2024 mit Knieproblemen die Saison nach nur drei Wochenenden abbrechen musste – und jetzt den unter anderem am Bein verletzten Paul ersetzt.
Auch sonst schließen sich Kreise, die teils sogar Anlass zur Hoffnung auf gute Resultate geben. Paul stieß zum Nürburgring-Wochenende 2023 als Ersatzfahrer zu Grasser und gewann direkt. Engelhart selbst hat ebenfalls seine ganz besonderen Erinnerungen an den Nürburgring und seine Grasser-Premiere. An besagtem Eifel-Wochenende 2023 verunfallte Engelhart mit seinem Porsche von Toksport WRT schwer und wurde danach durch Marvin Dienst ersetzt. Grasser holte Engelhart zum Finale in Hockenheim zurück ins DTM-Feld. Der Mann vom Starnberger See dankte für das Vertrauen mit einem sofortigen Podestplatz.

Maro Engel kennt sich in der Eifel bestens aus. Mitte Mai gewann er auf der Nordschleife das 24h-Rennen.
Ferrari und BMW als Vorjahressieger
Dass der noch immer nicht ganz ausgereifte Temerario auf dem selektiven Nürburgring konkurrenzfähig ist, scheint eher unwahrscheinlich. Die Favoriten fahren wohl andere Fabrikate. Im Vorjahr gelangen an gleicher Stelle Ferrari und BMW jeweils Doppelsiege. Beide Marken starten aber in diesem Jahr unter etwas anderen Vorzeichen. Ferrari hat eine Evo-Version des 296 GT3 mit etwas anderen Stärken und Schwächen am Start, BMW musste auf einen Serien-Turbolader umrüsten, weshalb der einstige Topspeed-König in diesem Jahr oft nicht ganz vorne mitfährt. Top-Resultate wären dabei sowohl für die Italiener als auch die Bayern wichtig, um die Titelchancen zu wahren. Bei Emil Frey Racing/Ferrari hat der Tabellen-Fünfte Matteo Cairoli trotz zwei Saisonsiegen schon 51 Punkte Rückstand. Der noch sieglose Marco Wittmann als bester Schubert-BMW-Pilot liegt gar 54 Zähler zurück.
So oder so werden die Augen auf die Top-4 der Gesamtwertung gerichtet sein. Preining reist mit dem Heimvorteil seines Manthey-Teams an. Dieses nutzte im Vorfeld auch seinen einzigen Joker-Test, um auf der Hausstrecke zu proben – wie übrigens auch die zweiten Lokalmatadore von HRT/Ford, Land-Motorsport (Porsche) sowie Winward Racing. Das zeigt, welche Schlüsselrolle auch die Teams dem Eifel-Wochenende zuschreiben. Mercedes kann sich darauf verlassen, auf jeder Strecke im Vorderfeld mitkämpen zu können. Obendrein zählt Lucas Auer den Nürburgring zu seinen stärksten Kursen. Er muss auf jeden Fall Boden gegen Engel gutmachen, wenn er angesichts der starken markenfremden Konkurrenz überhaupt noch darf.

Auf dem Nürburgring ist Action garantiert – vor allem in den Startphasen.
Thiim unter Zugzwang
Das größte Fragezeichen im Titelkampf ist Thiim. Angenommen, er holt am kommenden Wochenende gute Punkte, hat er so oder so noch eine große Aufgabe vor sich. Denn der folgende Event am Sachsenring ist die absolute Angststrecke für Aston Martin und das Comtoyou-Team. Deshalb rechnen Insider damit, dass für Thiim spätestens in Sachsen sowieso der Zug im Titelrennen davonfährt. Das besondere Augenmerk richtet sich so auf Thomas Preining, der ein Defizit von 28 Punkten zu Engel mitbringt. Sollte dieser Abstand noch größer werden, wird auch er seine Felle langsam davonschwimmen sehen und könnte das Titelrennen zur reinen Mercedes-AMG-Angelegenheit werden.
Keine große Rolle spielt offenbar das berüchtigte Eifelwetter. Nach ersten Prognosen, die wechselhafte Bedingungen vorhergesagt hatten, sieht es nun nach einem komplett trockenen Wochenende aus. Im Rahmenprogramm starten der Porsche Sixt Carrera Cup Deutschland, die ADAC GT4 Germany, der ADAC BMW M2 Cup sowie die DTM Classic (nur Demofahrten). Begrenzte Ticketkontingente sind noch an der Tageskasse oder im offiziellen Ticketshop auf der DTM-Webseite verfügbar.
Zeitplan und TV-Infos DTM Nürburgring
Freitag, 14. August 11.30 Uhr – 1. Freies Training (55 Minuten) 16.00 Uhr – 2. Freies Training (45 Minuten)
Samstag, 15. August 09.55 Uhr – 1. Qualifying (20 Minuten) 13.30 Uhr – 1. Rennen (55 Minuten + 1 Runde, ein Pflicht-Boxenstopp)
Sonntag, 16. August 09.10 Uhr – 2. Qualifying (20 Minuten) 13.30 Uhr – 2. Rennen (55 Minuten + 1 Runde, zwei Pflicht-Boxenstopps)
Sämtliche Sessions werden auf Joyn und ran.de sowie (mit englischem Kommentar) auf YouTube übertragen. Die Rennen sind zusätzlich im Free-TV auf ProSieben und Servus TV zu sehen. Am Sonntag um 19.10 Uhr (Wh. 23.20 Uhr) zeigt der Nachrichtensender N-TV ein Highlight-Magazin.
