Die gute Nachricht zuerst: Pascal Wehrlein führt nach acht von 17 Rennen wieder die Weltmeisterschaft an. Ein im Duell unglücklich abgerissenes Reifenventil hatte sein Samstagsrennen zerstört und ihm die Führung gekostet. Seine sonntagliche Aufholjagd begann schon im Qualifying, als der Werksfahrer die Pole-Position samt drei Extrapunkten holte.
Das Rennen selbst fiel durch den extremen Energiesparmodus anfangs völlig unübersichtlich aus. Mehrmals mischte sich das Feld nahezu komplett durch. Erst während der Einsätze der zwei Extra-Kilowatt-Boosts erhielt es eine aussagekräftige Struktur. Besonders ein Trend trat hervor: Fahrer, die im Qualifying alte Reifen genutzt hatten, konnten im Rennen den Vorteil neuer gnadenlos ausspielen.
Das betraf spezifisch Mitch Evans und Oliver Rowland – also die Startplätze 17 und 18. Während Evans die Attack-Mode-Aufteilung von sechs plus zwei Minuten perfekt hinbekam, musste Rowland (4+4) auf dem Weg nach vorne mehrere Probleme managen. Der erste Pilot mit nicht mehr frischen Reifen war logischerweise Pascal Wehrlein. Sein Auto trug wie das des Kollegen Nico Müller die ikonische "Sau"-Folierung zur Feier von 75 Jahre Porsche Motorsport.
Gelb oder gestreift?
Trotzdem lag Wehrlein zum Start des Schlusssprints vor Rowland. Der Deutsche gab alles, musste sich jedoch unter kontroversen Umständen geschlagen geben. Trümmer auf der Start-Ziel-Geraden erzwangen mindestens die rot-gelb gestreifte Flagge. Je nach Kameraeinstellung wirkte es wie eine gelbe Flagge. Oliver Rowland schien sich sicher zu sein, dass sie gestreift gewesen ist, und zog an Wehrlein vorbei. Der Porsche-Pilot wirkte nach der Zieldurchfahrt irritiert.
Er berichtete anschließend in der Mixed Zone: "Das muss man sich nochmal genau anschauen." Auf Nachfrage von auto motor und sport erklärte die FIA, dass sie eine gestreifte Flagge als Signal ausgegeben habe. Damit ist die Diskussion eh vom Tisch, wenn auch eine bessere TV-Aufarbeitung als Lektion mitgenommen werden kann. Besonders ärgerlich: Das Trümmerteil stammte von Samstagssieger Müller, der unglücklich durch Jaguar-Mann António Félix da Costa abgedrängt worden war. Trotzdem kam der Schweizer noch auf P13 an.
So oder so zeigte sich Pascal Wehrlein zufrieden über die Tabellenführung. Er liegt nun drei Punkte vor dem Rennsieger Mitch Evans, der stark mit Opels neuem Team in Verbindung gebracht wird. Edoardo Mortara (Mahindra), Oliver Rowland und Nico Müller komplettieren die Top-5. In zwei Wochen (16./17. Mai) steht der Saisonhöhepunkt auf dem vollen Monaco-Grand-Prix-Kurs an.
