Inklusion Motorsport - Janis McDavid - BMW E46 M3 - Paravan Space Drive Paravan
Inklusion Motorsport - Janis McDavid - BMW E46 M3 - Paravan Space Drive
Inklusion Motorsport - Janis McDavid - BMW E46 M3 - Paravan Space Drive
Inklusion Motorsport - Janis McDavid - BMW E46 M3 - Paravan Space Drive
Inklusion Motorsport - Janis McDavid - BMW E46 M3 - Paravan Space Drive 20 Bilder

Inklusion im Rennsport: Lizenz ohne Arme und Beine

Rennlizenz dank Spezial-BMW Fahrer ohne Arme und Beine

Janis McDavid kam ohne Arme und Beine auf die Welt. Trotzdem ist er begeisterter Autofahrer und hat seit dem Jahr 2010 schon über 400.000 Kilometer gesammelt. Seit Ende September besitzt der 31-Jährige nun eine Rennlizenz, die er so schnell wie möglich nutzen will. Wir stellen die Technik vor, die das möglich macht.

Es gibt nur sehr wenige Dinge, die Janis McDavid in seinem Leben nicht geschafft hat. Dazu gehört vor allem sein großer Kindheitstraum, einmal Motorradpolizist zu werden. Der 31-Jährige blickt zurück: "Es kam der Moment, als ich kapierte, was das für ein bescheuerter Wunsch ist, wenn Arme und Beine fehlen." Doch für den in Hamburg geborenen und im Ruhrpott aufgewachsenen McDavid war es immer klar, dass er selbst ein Auto steuern wird. Und das darf er jetzt sogar auf der Rennstrecke.

Der Startschuss für das ehrgeizige Projekt fiel vor rund drei Jahren aus einem Zufall heraus: In der Produktionshalle des Spezialisten Paravan, der für McDavid erst einen Mercedes Sprinter, dann eine V-Klasse modifiziert hatte, entdeckte der begeisterte Autofahrer das Rennprogramm der Schwaben. Unter dem Titel "Space Drive" wurde das auch in DTM-Fahrzeugen verbaute, lenkstangenlose System weltbekannt. An Firmengründer Roland Arnold richtete McDavid den Wunsch: "Einmal mit so einem Auto über die Rennstrecke zu fahren, das wäre es!" Arnold musste nicht lange überlegen.

Inklusion Motorsport - Janis McDavid - BMW E46 M3 - Paravan Space Drive
Marko Tarrach
Seit 2010 nimmt McDavid eigenständig am Straßenverkehr teil – erst in einem Mercedes Sprinter und seit Kurzem in einer V-Klasse. Zusammen mit dem Umrüst-Spezialisten Paravan erfüllte er sich den Traum von der Rennstrecke.

Steuerung über Vier-Wege-Joystick

Die Ingenieure rüsteten daraufhin einen BMW E46 M3 speziell für den Rennsport-Anwärter um. Im Mittelpunkt der Anpassungen sind eine besondere Sitzschale und ein Vier-Wege-Joystick, über den McDavid lenkt, beschleunigt und bremst. Da er den Joystick mit der Achsel bedient, muss ein sehr fester Halt auch in schnelleren Kurven gegeben sein. Der fünffache DTM-Champion Bernd Schneider unterstützte McDavid bei den ersten Fahrversuchen als Mentor und half bei der Annäherung an die Ideallinie. Sein Schüler sammelte anschließend weiter Erfahrung im BMW und begann, sich auf seine Rennlizenz vorzubereiten.

Neben der Gewöhnung an Brake- und Steer-by-Wire unter sportlichen Bedingungen galt es für McDavid, auch das schnelle Aussteigen zu üben. Der praktische Teil der Prüfung sieht es vor, dass sich jeder Fahrer in sieben Sekunden aus dem Fahrzeug befreien können muss. Dafür wurde sein BMW weiter modifiziert: Über eine Schlaufe am Sitz kann er das Gurtschloss mit einer Bewegung entriegeln. Die über ein elastisches Band vorgespannten Gurte springen dabei so weit auf, dass er sich selbst aus der Sitzschale herausdrehen kann. Ein zusätzlicher elastischer Griff am Türöffner hilft Janis McDavid dabei, die Fahrertür schnell zu entriegeln und zu öffnen.

Inklusion Motorsport - Janis McDavid - BMW E46 M3 - Paravan Space Drive
Marko Tarrach
Der 31-Jährige lenkt, beschleunigt und bremst seinen BMW über einen Vier-Wege-Joystick, der mit einer speziellen Sitzschale verbunden ist.

Mit dem DTM-Meister auf der Strecke

Ende September wurde es schließlich ernst: Rund zwei Jahre nachdem McDavid zum ersten Mal die 200-km/h-Marke geknackt hatte, war der große Tag auf dem Hockenheimring gekommen. Im Anschluss an einen mühelosen Theorieteil ging es mit Lehrer und Prüfer Christopher Bartz auf die 4.574 Meter lange Bahn, die er diesmal nicht für sich allein hatte. Diverse Piloten, darunter der spätere DTM-Meister Sheldon van der Linde, drehten parallel schnelle Testrunden.

Trotz der zusätzlichen Herausforderung sicherte sich Janis McDavid souverän den Lizenzgrad National A. "Ich hoffe, dass es eine Möglichkeit gibt, die Lizenz auch zu nutzen, und wir eine Rennserie finden. Wichtig ist für mich, ein Zeichen zu setzen, das anderen Mut macht", gibt McDavid als nächstes Ziel aus.

Auch für Prüfer Bartz war die Zusammenarbeit mit McDavid eine wichtige, erstmalige Erfahrung: "Ich finde das großartig, dass so etwas mit den entsprechenden Sicherheitsbestimmungen möglich ist. Es war eigentlich wie immer, vielleicht etwas spacig, wenn sich das Lenkrad von alleine dreht. Aber solange er sich sicher auf der Strecke bewegt und die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden, würde ich fragen, warum nicht?"

Inklusion Motorsport - Lenkrad Alex Zanardi
BMW
Lenkräder mit Brems- oder Gasringen ermöglichen Piloten, auf Pedale zu verzichten. Solche Systeme kommen sowohl im Profi- als auch im Breitensport zum Einsatz.

Zanardi, Wickens und Co. machen Motorsport inklusiver

Das erfolgreiche Projekt von McDavid steht in einer Reihe vieler cleverer Technik-Lösungen in den letzten Jahren. Besondere Bekanntheit erlangte Alex Zanardi, der nach einem schweren CART-Unfall auf dem Lausitzring beide Beine verloren hatte. Der spätere Paralympics-Star kehrte mit der Hilfe von BMW mehrmals erfolgreich auf die Rennstrecke zurück. Dabei kamen in den Details unterschiedliche Lösungen zum Einsatz. Unter anderem baute BMW ein Lenkrad, mit dem der Italiener beschleunigt und schaltet. Durch eine schnelle Wechselfunktion konnte er sich sogar ein Auto bei Langstreckenrennen teilen.

Eine weitere ausgeklügelte Lenkradlösung nutzt auch der Kanadier Robert Wickens. Der frühere DTM-Fahrer erlitt bei einem IndyCar-Oval-Unfall im Jahr 2018 schwere Rückenmarksverletzungen und kämpft sich seitdem zurück. In diesem Jahr trat er in einem Tourenwagen in der zweiten IMSA-Liga in Nordamerika an und feierte einen umjubelten Comeback-Sieg in Watkins Glen. Das neue Projekt profitierte von der Erfahrung des Konkurrenten Michael Johnson, der schon seit 2007 rein mit seinen Händen Rennen fährt. Da sie sich mit Co-Piloten abwechseln, verbauten die Ingenieure hier einen zusätzlichen "Bremsring" hinter dem Lenkrad, an dem hingegen der korrespondierende Gaszug montiert ist.

Zusätzlich zeigen auch Projekte im Breitensport, dass die Rennerei inklusiver wird. Im deutschsprachigen Raum bewies zum Beispiel das Programm "Mission Possible" – im Zuge dessen querschnittsgelähmte Piloten zusammenfanden und Rennen bestritten –, dass die Umsetzung nicht nur großen Namen und Sponsoren vorbehalten ist. Dank des Vorbilds Janis McDavid, der seine Geschichte auch schon in unserem MOOVE-Podcast erzählt hat, könnte also für viele eine Rennfahrer-Karriere denkbar werden.

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