Indy-500-Sieger 2022 Marcus Ericsson (IndyCar) IndyCar

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Interview: Indy-500-Sieger Marcus Ericsson

Indy-500-Sieger Marcus Ericsson im Interview „Nicht schlecht für einen Pay-Driver, oder?“

Mit seinem Indy-500-Sieg hat der Schwede Marcus Ericsson viele Kritiker eines Besseren belehrt. Im Gespräch mit auto motor und sport beschreibt der 31-Jährige seine Gedanken in den finalen Runden, blickt auf seine Formel-1-Zeit zurück und erklärt, woher die guten Leistungen kommen.

Ihr Indy-500-Sieg hat nicht nur in Europa viele Beobachter überrascht. Besonders die robus­ten Abwehrmanöver am Ende zeigten eine neue Seite von Ihnen. Was ging in den finalen Runden durch Ihren Kopf?

Ericsson: Um das größte Rennen der Welt zu gewinnen, muss man ans Limit gehen. Und solange es vom Regelwerk gedeckt ist, sollte man seine Werkzeuge auch nutzen. Ich hatte mir schon während der Rotflaggen-Unterbrechung einen Plan für das Szenario überlegt. Am Abend vor dem Rennen hat­te ich außerdem genau dazu ein langes Gespräch mit meinem Fahrer-Coach Dario Fran­chit­ti, der betonte, dass ich vorausschauend fahren soll und mich von der Gegenwart lösen muss.

Sie haben das prestigeträchtigste Ovalrennen der Welt im vierten Anlauf gewonnen. Wie war die Eingewöhnung?

Ericsson: Als ich 2019 in die IndyCar und in den amerikanischen Motorsport gewechselt bin, waren die Ovale sogar ein Hauptgrund für meine Entscheidung. Denn ich habe immer geglaubt, dass mir der Sport dort besonders liegt, da ich schon in Europa Highspeed-Kurse geliebt habe. Dementsprechend bin ich das Thema Ovale sehr offen angegangen und wollte alles dazu lernen. Die größten Lektionen zu Beginn waren, dass Erfahrung sehr wichtig ist und kleinste Details bei der Fahrweise und beim Setup entscheidend sind. Diese Nuancen musste ich erlernen.

Was machte die IndyCar außerdem noch attraktiv für Sie?

Ericsson: Durch die gleichen Autos kann man in dieser Serie seine Fähigkeiten besser unter Beweis stellen. Ich habe allerdings auch schnell merken müssen, wie hoch das Niveau hier deswegen ist. Die ersten zwei Saisons waren sehr herausfordernd und ich brauchte etwas, um mich an das Racing zu gewöhnen. Der Wettbewerb in der IndyCar ist, ohne Zweifel, Weltklasse.

Indy-500-Sieger 2022 Marcus Ericsson (IndyCar)
IndyCar
Etwas Glück, aber auch viel Können: Vor allem in der Schlussphase des diesjährigen Indy 500 war Ericsson der Konkurrenz sichtbar überlegen.

Wie war bislang das Feedback aus Europa?

Ericsson: Ich habe sehr viel positive Rückmeldung aus Schweden und von früheren Wegbegleitern aus der Formel-1-Szene erhalten. Vor allem in meiner Heimat haben zahlreiche Zeitungen und Fernsehsender meinen Sieg aufgegriffen. Ich bin sehr glücklich über diese Unterstützung.

Glauben Sie, dass Sie nun endlich die Wert­schät­zung erhalten, die Sie während Ihrer Formel-1-Zeit schon verdient gehabt hätten?

Ericsson: Die Ereignisse der letzten Wochen waren herausragend, und ich bin dankbar für diese Erfahrung. Aus meiner Sicht kann ich nur schwer sagen, was ich verdient habe und was nicht. Alles in allem freue ich mich natürlich über die Wertschätzung, die ich zuletzt gespürt habe.

Trotzdem verließen Sie die Formel 1 mit dem Gefühl, unter Wert geschlagen worden zu sein?

Ericsson: Ich war fünf Jahre lang in der Formel 1 und habe in dieser Zeit fast hundert Grands Prix absolviert. Da ich nur für kleine Hinterbänkler-Teams gefahren bin, war es schwer, Anerkennung für meine Leistung zu bekommen. Viele Leute dachten, ich wäre kein guter Fahrer. Diese Wahrnehmung gab es auch in meiner Anfangszeit in der IndyCar. Ich habe in den letzten Jahren extrem hart an mir gearbeitet. Und nun kann ich das Resultat davon genießen. Gar nicht schlecht für einen Pay-Driver, oder?

Marcus Ericsson Alfa Romeo Sauber 2018
Motorsport Images
Im Jahr 2018 verließ Marcus Ericsson nach 97 Grands Prix die Formel 1. Der aktuelle Erfolg in der IndyCar ist eine Genugtuung für den Schweden.

Haben Sie womöglich noch eine offene Rechnung mit der Königsklasse?

Ericsson: Nein, ich liebe es hier in Amerika. Ich lebe schon seit einigen Jahren in Indianapolis und möchte so lange wie möglich bleiben.

Sind Sie nach dem Indy-500-Erfolg auf dem Höhe­punkt Ihrer Leistungsfähigkeit?

Ericsson: Der Indy-500-Sieg hat meinem Selbstvertrauen natürlich einen ordentlichen Schub gegeben. Aber schon seit meinem ersten IndyCar-Erfolg in Detroit im vergangenen Jahr bin ich ein ganz an­­de­rer Fahrer. Das hat damals sehr viel Druck von mei­nen Schultern genommen, da ich bis zu jenem Zeitpunkt acht Jahre auf meinen nächsten Sieg warten musste. Im Zuge dessen habe ich end­lich das Selbstvertrauen wiedergefunden, das ich in den Jahren davor verloren hatte. Im weiteren ­Saisonverlauf will ich nun auf ein noch höheres Leistungslevel springen.

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