Formel 1, Regeländerung, Diffusor. Da war doch was – Fans und Experten werden sich an das Jahr 2009 erinnern. Das Brawn-Team hatte damals, neben Williams und Toyota, den Doppeldiffusor als Lücke im Reglement entdeckt. Die Konkurrenz lief Sturm gegen den Trick, doch ihr Protest blitzte ab. Das Ende der Geschichte: Brawn holte mit Jenson Button den Fahrer-Titel sowie die Krone bei den Konstrukteuren.
2026 erlebt die F1 die nächste technische Revolution. Selten stand die Königsklasse vor einem so massiven Umbruch wie zur kommenden Saison. Neben den neuen Power-Units gibt es auch komplett veränderte Autos. Diese werden schmaler, kürzer und leichter im Gegensatz zu den Groundeffect-Raketen. Die schmaleren Rennwagen sind nötig, um den Luftwiderstand zu verringern. Die aktive Aerodynamik unterstützt das Ziel, den Energieverbrauch zu verringern. Sowohl Front- als auch Heckflügel können die Fahrer auf den Geraden herunterklappen.
Die Elektroleistung steigt auf fast 50 Prozent an. Die Effizienz des Verbrenners bleibt jedoch der wichtigste Faktor. Hier soll Mercedes einen Trick gefunden haben, bei dem das Verdichtungsverhältnis im Betrieb auf 18:1 steigt. Nach neuen Regularien ist das Limit eigentlich bei 16:1 festgelegt. Die FIA-Techniker messen den Wert aber statisch bei normaler Umgebungstemperatur. Das ist aber nicht der einzige Kniff, den die Silberpfeile ausgegraben haben. Wobei wir wieder beim Thema Diffusor sind.
Loch vor der Hinterachse
Als Mercedes am 22. Januar dieses Jahres die ersten Renderings des W17 veröffentlichte, erkannte noch niemand ein Loch am Diffusor. Erst als das Team am Ende des Tages Bilder vom Shakedown zeigte, fiel Technik-Freunden die ungewöhnliche Öffnung auf. Es sitzt vor der Hinterachse und ist beim seitlichen Blick nicht zu übersehen, wenn man es einmal entdeckt hat. In Barcelona legte das Team dann ein noch besseres Bild nach. Hier war die Form der Aussparung gut zu erkennen.
Normalerweise wollen die Ingenieure den Diffusor, der extrem wichtig für den Abtrieb am Heck ist, vor verwirbelter Luft von außen schützen. Der W17 leitet jedoch den Luftstrom gezielt durch das Loch in den Diffusor hinein. Die zusätzliche Luft, die im ansteigenden Unterboden expandiert, sorgt für noch mehr Abtrieb. Natürlich sind die Werte nicht mit den Venturi-Kanälen der alten Groundeffect-Autos vergleichbar. Die Fläche ist kleiner und die 3D-modellierten Wellenformen sind verboten.

Der Ferrari SF-26 hat ebenfalls ein Loch am Diffusor.
Mercedes-Gegner mit gleicher Idee
Die Idee mit dem Loch hatten die Mercedes-Mitarbeiter in Brackley aber nicht exklusiv. Zwei weitere Top-Teams zeigen ebenfalls den Trick mit dem Loch in der Seitenwand des Diffusors. Am neuen Ferrari fiel es beim Shakedown in Fiorano auf. Fotografen konnten den SF-26 im richtigen Winkel ablichten und das Detail ans Licht bringen. Auf den Renderings hatte die Scuderia, wie Mercedes, das Loch noch nicht eingezeichnet. Auch die von der Medienabteilung offiziell freigegeben Fotos verheimlichten den Trick.
Natürlich warfen Technik-Interessierte beim Test in Barcelona auch bei den anderen Autos ein Auge auf diesen Bereich. Und siehe da: Red Bull ist denselben Weg gegangen. Erst während der Shakedown-Woche war der Kniff am RB22 erkennbar. Die Form der Öffnungen unterscheidet sich aber von den anderen beiden Top-Teams. Bei Red Bull ist es keine kleine Öffnung, stattdessen scheint hier die Diffusorwand im hinteren Bereich komplett zu fehlen.

Am RB22 ist das Loch ebenfalls gut zu erkennen und befindet sich vor der Hinterachse. McLaren verzichtet auf den Trick.
McLaren ohne Loch am MCL40
Interessant ist, dass McLaren auf diesen Trick verzichtet. Als der MCL40 am Mittwoch erstmals im Tarnlook auf die Strecke ging, konnten sich die Fans endlich ein Bild vom echten Rennwagen von Weltmeister Lando Norris machen. Ein Loch am Diffusor ließ sich aber nicht entdecken.
Das soll aber noch nichts heißen. Beweist sich der Trick mit dem Loch als Trumpf, werden die Ingenieure der anderen Teams nachziehen. Dasselbe ereignete sich auch 2009. Damals war der Vorteil des Doppeldiffusors immens und wurde Teil des Erfolgs von Brawn.
Wie groß der Effekt nun ist, ist noch schwer abzuschätzen. Aufklärung sollten die offiziellen Testfahrten in Bahrain liefern. Dann ist auch auto motor und sport wieder vor Ort und wird fleißig fotografieren. Die Geheimniskrämerei der Shakedown-Woche ist dort nicht mehr möglich. Das dürfte Licht ins Dunkel bringen.












