Reportage Stadtkurs Vila Real in Portugal - FIA WTCR FIA WTCR
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Reportage: Vila Real – Europas wildester Stadtkurs

Reportage: Circuito Internacional de Vila Real Europas wildester Stadtkurs

Der Circuito Internacional de Vila Real im Norden Portugals gehört zu den legendärsten Strecken des Kontinents: Seit dem Jahr 1931 verbindet er die rennverrückte Stadt mit den Weinhügeln im Osten. Unzählige Krisen stoppten das verrückte Treiben, doch die treuen Einwohner brachten es immer wieder zurück.

Ein sanfter Wind lässt die Weinreben und Olivenbäume im Schatten der Kirche von Mateus leicht hin und her schaukeln. Plötzlich ertönen ein lautes Wummern, ein wildes Geknalle und ein giftiges Pfeifen – dann ist der Spuk bereits wieder vorbei, wenn auch nur für ein paar Minuten. In der Zwischenzeit herrscht ein reges Wuseln in den Hainen: Überall haben sich Einheimische mit Campingstühlen, Picknick-Decken und Sonnenschirmen eingerichtet und genießen ihr Wochenende. Nicht selten wird dabei der örtliche, weltbekannte Wein – Mateus Rosé – in kleine Becher gegossen. Auf den ersten Blick wirkt es fast so, als ob die Zeit von Targa Florio, Mille Miglia und Co. nie geendet wäre.

Eine Reise in die eine Autostunde östlich von Porto gelegene Stadt Vila Real fühlt sich so unweigerlich wie ein Trip in eine vergangene Ära des Motorsports an. Zwar wurden die Sicherheitsvorkehrungen im Zuge des letzten großen Comebacks im Jahr 2014 auf ein modernes Level gehoben, trotzdem konnte der Kurs seinen ursprünglichen Charakter bewahren – selbst wenn seine legendären Passagen über eine Stahlbrücke und Bahntrassen fehlen. Norbert Michelisz, WTCR-Pilot in Diensten von Hyundai, fasst die Faszination Vila Real ehrfurchtsvoll zusammen: "Wenn man die Nordschleife und den Stadtkurs von Macau verbindet, kommt diese Strecke heraus."

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FIA WTCR
Die Atmosphäre in den Weinhügeln von Mateus erinnert an die legendären Straßenrennen Targa Florio und Mille Miglia.

Fleischsteuer sichert Rennen

Die Ursprünge der dortigen Auto-Verrücktheit liegen im Jahr 1902, als erstmals ein Fahrzeug in der "Region hinter den Bergen" auftauchte. Von da an waren Ausstellungen und kleinere Wettbewerbe feste Bestandteile des traditionellen Stadtfests. Die wachsende Begeisterung mündete schließlich in den Wunsch, richtige Rennen auszutragen. Der Initiator war der Aristokrat und Autonarr Aureliano Barrigas, der den Traum hatte, das auf einem Plateau gelegene Stadtzentrum mit dem Palast von Mateus in den nahen Weinhügeln zu verbinden.

Zwar gab es zu dieser Zeit bereits Rennsport-Veranstaltungen in Portugal, doch der im Jahr 1931 etablierte Kurs sollte der erste seiner Art sein. Als Inspiration diente Barrigas und seinen Mitstreitern Le Mans. Zur Finanzierung des ambitionierten Vorhabens erhoben die lokalen Behörden sogar eine Sondersteuer auf Fleisch.

In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg beheimatete die über sieben Kilometer lange, zunächst unasphaltierte Strecke ausschließlich nationale Wettbewerbe. Doch schon früh reisten auch internationale Starter nach Vila Real. Vor allem die Briten begeisterten sich für den anspruchsvollen Kurs und brachten ersten internationalen Rennflair ins sonst eher verschlafene Vila Real. Nach einer längeren Kriegspause – Portugal blieb wegen einer eher neutralen Haltung weitgehend verschont – kehrten die Rennen erst im Jahr 1949 zurück. Es war die erste von mehreren ungeplanten Pausen.

Stirling Moss siegt im Maserati

Zusammen mit dem Rennsport fanden auch die Briten zurück in den hügligen Norden Portugals. Der mit Abstand bekannteste Vertreter des Königreichs war der Londoner Stirling Moss, der im Jahr 1958 in einem Maserati 300S gewann. In der gleichen Ausgabe sorgte auch Maria Teresa de Filippis, die erste Formel-1-Fahrerin der Geschichte, für Aufregung in der neu errichteten Boxengasse. Im Anschluss an den prominenten Besuch sollte jedoch etwas Zeit vergehen, bis wieder großer Rennsport in Vila Real geboten werden konnte. Doch das Warten sollte sich lohnen.

In den 1960er- und 1970er-Jahren erlebte der Circuito Internacional de Vila Real seine goldene Ära. Neben Formel-3-Rennern rasten auch Hightech-Prototypen durch die engen Häusergassen und über die geschwungenen Landstraßen. Die große weite Motorsport-Welt eroberte das immer noch recht ländliche, bisweilen erzkatholische portugiesische Hinterland wie im Sturm: Auf der Strecke begeisterten Rennmaschinen der Kategorien Porsche 917 und Lola T70, abseits von ihr sorgten modern gekleidete Frauen für skeptische, interessierte Blicke. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, entstanden mitten in der Stadt nicht nur eine abgetrennte Boxenanlage, sondern auch eine große Haupttribüne. Vila Real schien sich endlich als Rennort etabliert zu haben.

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Mário Fernandes Pinto
Im Jahr 1958 sorgten die Maserati-Stars Stirling Moss (Nummer 2) und Maria Teresa de Filippis für Aufregung in Vila Real.

Revolution für Portugal und den Sport

Doch wie so häufig in der Geschichte der Strecke sollte das Schicksal intervenieren. Nach dem Tod des Diktators António de Oliveira Salazar im Jahr 1970 war der Estado Novo, der "Neue Staat", zusehends ins Wanken geraten. Am 25. April 1974 endete er schließlich friedlich durch die sogenannte Nelkenrevolution – ein verblümter Ausdruck für einen Putsch durch das Militär. Die parallele Ölpreiskrise und Schwierigkeiten mit der Lizenz ließen die Motoren daraufhin bis 1979 ruhen.

In den 1980er-Jahren übernahmen dann nationale Tourenwagen-Rennen und Motorrad-Läufe die Vormachtstellung. 1982 konnte man mit der Formula TT sogar eine Motorrad-Weltmeisterschaft auf Basis der Isle of Man Tourist Trophy nach Vila Real locken. Das zweifelsohne mutigste Championat der Rennsport-Historie gastierte mit kurzen Unterbrechungen bis 1990 in "Bila" und brachte mit Joey Dunlop, Carl Fogarty oder auch Steve Hislop echte Weltstars nach Portugal.

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A.D. - Col. do editor
Die ikonische Ponte Metálica war bis zum Jahr 1991 das Wahrzeichen der Strecke. Unter ihr fließt der Fluss Corgo.

Katastrophe und Neuanfang

Im Jahr 1991 endete die 60-jährige Geschichte der Sieben-Kilometer-Schleife dann auf tragische Weise, als ein Renault Clio RS in einer schnellen Sektion die Streckenbegrenzung überwand und vier Menschen tötete. Zehn weitere Personen erlitten zudem Verletzungen. Da schon vorher über die zweifelhaften Sicherheitsstandards diskutiert worden war, sahen die Behörden und Verantwortlichen keine andere Wahl, als die Veranstaltung erneut aufzugeben. Diesmal schien das Ende tatsächlich besiegelt zu sein.

Doch wie zuvor wuchs mit jedem Pausenjahr der Wille in der Bevölkerung, wieder Rennen auszutragen. Eduardo Passos, Streckenhistoriker und Organisator, erklärt: "Wir sind an diesen Straßen aufgewachsen und fahren auf ihnen jeden Tag. Sie sind ein Teil von uns und von unseren Vorfahren. Das macht unsere Leidenschaft aus."

2007 kehrte der Traditionskurs schließlich in der Form eines Wahlversprechens in stark abgewandelter Form wieder zurück. Der Start-Ziel-Bereich wurde aus der Altstadt in ein junges Gewerbegebiet verlegt, wodurch die Autos nicht mehr den Fluss Corgo überqueren mussten. Die legendäre Ponte Metálica dient so nur noch als Zufahrtstraße zum Paddock am Fuße eines riesigen Einkaufszentrums.

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Obwohl der Stadtkurs seine malerische Altstadt-Passage verlor, ist er immer noch nahe an seinem ursprünglichen Charakter.

DTM-Debüt auf dem Mutkurs?

Nach einer weiteren Pause im Zuge der Weltwirtschaftskrise wurde der rund 4,8 Kilometer lange Kurs nochmals massiv geupdatet und rückte im Anschluss an eine "Probeausgabe" in der Saison 2014 wieder in den Fokus der Welt – die Tourenwagen-WM WTCC hatte sich angekündigt. Trotz zweier pandemiebedingter Absagen und eines Umbaus der WTCC in den Welt-Cup WTCR boomte das wiederauferstandene Event in diesem Jahr und begrüßte ähnlich viele Zuschauer wie in den goldenen Zeiten. Lokalmatador Tiago Monteiro heizte die eh schon große Ekstase weiter an. Immer wenn der Honda-Pilot durch die Straßenschluchten flog, brandete lauter Applaus auf.

Dank des lang ersehnten Erfolgs stiegen jüngst auch spürbar die Ansprüche. Unter anderem träumten die Organisatoren sogar öffentlich davon, eine große GT3-Serie nach Vila Real zu holen. Neben der GT World Challenge Europe steht sogar die DTM auf der Kontaktliste. Im Norden Portugals ist man sich des wachsenden Interesses im Welt-Rennsport durchaus bewusst, auch wenn man es angesichts der historischen Nackenschläge nicht übertreiben will. Eduardo Passos, der früher selbst Rennen fuhr, betont: "Die Veranstaltung würde auch nur mit nationalen Startern stattfinden. Die Nachfrage der heimischen Szene ist schon jetzt zu groß für uns!"

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CRM Motorsport/Kia GT Cup
In Portugal gibt es eine bunte nationale Rennszene mit Youngtimern und dem Markenpokal Kia GT Cup.

Das Geheimnis hinter den Bergen

Die Anwohner in den Hainen, auf den Balkonen und in den Vorgärten sehen die Zukunft hingegen portugiesisch-pragmatisch. Ob deutsche Supersportler, TCR-Tourenwagen oder lokale Renn-Youngtimer an ihren beschaulichen, liebevoll gepflegten Häusern vorbeifliegen, sei am Ende egal. Ohnehin lebe das Event mehr von der Gemeinschaft und ihren Menschen, die sich ähnlich wie an der Nordschleife eigene Tribünen aus Baugerüsten zusammenzimmern – obwohl es eigentlich verboten ist. "Die Fans sind hier einfach verrückt. Die müssen dafür nicht mal getrunken haben", witzelt Passos. Trotzdem kann der eine oder andere Becher Super Bock – Portugals herbes Nationalbier – keinesfalls schaden, heißt es.

Auf die Frage, ob man manchmal etwas neidisch auf den Status von Motorsport-Mekkas wie Le Mans, Nürburg oder auch Indianapolis blicke, antwortet der Historiker Passos ebenfalls mit einem verschmitzten Lächeln: "Das ist uns egal! Wenn die Welt unser kleines Geheimnis nicht zu schätzen weiß, ist das ihr Problem." Die Strecke sei am Ende wie die Einheimischen selbst. Wer sie nicht verstehen wolle, habe ihre Bekanntschaft auch nicht verdient.

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