Indy500 - IndyCar 2020/2021 IndyCar
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Indy 500 2021: Wer gewinnt den Oval-Klassiker?

Vorschau Indy 500 2021 Wer gewinnt den Oval-Klassiker?

Am Sonntag (30.5.) feiert das 500-Meilen-Rennen von Indianapolis seinen 110. Geburtstag. Zur Feier des Tages wird eines der besten Felder seiner Geschichte an den Start gehen. Wir haben alle wichtigen Informationen zum Rennen und sagen Ihnen, wie Sie den US-Klassiker verfolgen können.

Spätestens seit den Gaststarts von Fernando Alonso schauen auch viele europäische Rennfans im Mai gespannt nach Indianapolis. Der dort heimische Oval-Lauf der IndyCar-Serie gehört zu den größten Veranstaltungen des Motorsports und bildet neben dem Großen Preis von Monaco und den 24 Stunden von Le Mans die sogenannte "Triple Crown" – den Grand Slam des Rennsports (bisher einziger Sieger: Graham Hill). Das erstmals 1911 ausgetragene Rennen kann auf eine lange, teils dramatische Geschichte zurückblicken und gehörte in den 1950er-Jahren sogar zeitweise zum Kalender der Formel 1.

In den letzten Jahren erlebte das liebevoll als "Indy 500" abgekürzte Rennen auch dank Alonso einen großen Aufschwung und konnte unter anderem so mit McLaren ein altbekanntes Team zurück locken. Im Hinblick auf das diesjährige Starterfeld kommen selbst Traditionalisten ins Schwärmen und sprechen von einer goldenen Ära. Es könnte also kaum einen besseren Zeitpunkt geben, um ein Fan der Oval-Legende zu werden. Für einen schnellen Einstieg beantworten wir hier kurz die wichtigsten Fragen zum größten Ein-Tages-Event der Sportwelt.

Was macht das Indy 500 so besonders?

Bis heute hält sich in Europa hartnäckig das Klischee des vermeintlich simplen Kreisfahrens. Doch das Indy 500 ist viel mehr als nur 200 Runden ohne Rechtskurven. Mit Geschwindigkeiten über 360 km/h, intensiven Windschatten-Duellen und schwierig zu fahrenden Autos ohne Servo-Lenkung gehört das Rennen zu den größten Herausforderungen, die der Formelsport zu bieten hat. Viele Piloten fürchten außerdem die Gefahren des 2,5-Meilen-Ovals, auf dem kleine Fehler große Konsequenzen haben.

Abseits des Sportlichen pflegen der Indianapolis Motor Speedway und die austragende IndyCar-Rennserie eine große Reihe an Traditionen. Neben den elf Startreihen mit jeweils drei Piloten, dem sich über Stunden hinwegziehenden Vorprogramm und dem in Indy begründeten Kommando "Gentlemen, start your engines!" gehört auch eine dem Sieger gereichte Flasche Milch zu den größten Konstanten der 110-jährigen Geschichte. Die in Amerika typische Theatralik und der Entertainment-Gedanke stehen dabei klar im Mittelpunkt.

Welche Autos werden in der IndyCar-Serie eingesetzt?

Im Gegensatz zur Formel 1 kommt in der IndyCar-Serie ein Einheits-Chassis des italienischen Herstellers Dallara zum Einsatz. Dieser beliefert auch die Formel 2 und 3 sowie die japanische Super Formula. Neben der Chancengleichheit für die Teams will die IndyCar so ein einheitliches Sicherheitslevel festlegen. Dazu passt auch die seit letztem Jahr vorgeschriebene Schutzscheibe namens Aeroscreen, die auf einem 2016 von Red Bull in Sotschi gezeigten Konzept basiert. Die in Zusammenarbeit mit Red Bull Advanced Technologies (RBAT) weiterentwickelte Lösung für die IndyCar verbindet einen Halo-Bügel mit einer darauf aufliegenden Windschutzscheibe.

IndyCar - Aeroscreen - Schutzscheibe - Test - 2020
IndyCar
Der Aeroscreen der IndyCar ist eine Mischung aus Halo und Windschutzscheibe. Da die Fahrer so nicht mehr dem Fahrtwind ausgesetzt sind, wurden neue Belüftungsmechanismen wie in den Helm führende Schläuche ergänzt.

Der größte Unterschied zwischen den Autos sind die Motoren. Mit Chevrolet und Honda hat die IndyCar zwei Motorenpartner, die jeweils einen eigenen 2,2-Liter-Biturbo-V6 entwickelt haben und diesen nahezu paritätisch an die Kundenteams ausliefern. Auf dem Indianapolis Motor Speedway leisten die Antriebe angesichts der eh schon hohen Geschwindigkeiten nur knapp über 550 PS (keine offizielle Angabe von Seiten der Teams). In der Qualifikation gibt es dem Spektakel zuliebe mehr Ladedruck und damit je nach Schätzung über 100 PS mehr.

Wie setzt sich die Starterliste zusammen?

Wie auch in anderen Serien findet man in der IndyCar eine Mischung aus Spitzen-, Mittelfeld- und Hinterbänkler-Teams. Die größten Mannschaften sind Andretti Autosport (Honda), Chip Ganassi Racing (Honda) und das Team Penske (Chevrolet). Aus ihrem Kreis kommen regelmäßig die Meister und die Sieger des Indy 500.

Mit Dale Coyne Racing (Honda), Ed Carpenter Racing (Chevrolet), Rahal Letterman Lanigan Racing (Honda) und McLaren SP (Chevrolet) gibt es im Mittelfeld zudem gleich mehrere Teams, welche die Großen regelmäßig herausfordern. Typisch für die IndyCar können allerdings auch die Kleinen mit etwas Glück Top-5-Ergebnisse einfahren – in der Formel 1 undenkbar.

Bei den Fahrern herrscht aktuell ein spannender Mix aus Alt-Stars und aufstrebenden Youngstern. Das perfekte Beispiel ist die erste Startreihe für das Rennen am Sonntag: Der sechsmalige IndyCar-Champion und Pole-Setter Scott Dixon (Chip Ganassi Racing) teilt sie sich mit dem 21-jährigen Colton Herta (Andretti Autosport) und dem 20-jährigen Rinus VeeKay (Ed Carpenter Racing).

Wen kennt man aus der europäischen Sicht? Ist Romain Grosjean am Start?

Fans der Formel 1 und ihrer Jugendserien dürften beim Blick auf das Feld etliche Namen wiedererkennen. So hat zum Beispiel Takuma Sato (Rahal Letterman Lanigan Racing) ein zweites Zuhause in der IndyCar gefunden und gewann 2020 zum zweiten Mal das Indy 500. Ebenfalls sehr erfolgreich in den USA ist Juan Pablo Montoya (McLaren SP), der am Sonntag zum dritten Mal gewinnen könnte.

Weitere aus der Formel 1 bekannte Namen sind Alexander Rossi (Andretti Autosport, Sieger des Indy 500 2016), Marcus Ericsson (Chip Ganassi Racing), Sébastien Bourdais (A. J. Foyt Enterprises) und Haas-Testfahrer Pietro Fittipaldi (Dale Coyne Racing). Als einzige Pilotin ist außerdem Simona de Silvestro qualifiziert, die für das Penske-Satellitenteam Paretta Autosport an den Start geht.

Simona de Silverstro - IndyCar
IndyCar
Die Schweizerin Simona de Silvestro startet zum sechsten Mal beim Indy 500.

Der Franzose Romain Grosjean (Dale Coyne Racing) wird hingegen wie geplant fehlen, da er zumindest in seinem ersten Jahr in der neuen Serie noch auf die gefährlichen Oval-Rennen verzichtet. Gleiches gilt für die NASCAR-Legende Jimmie Johnson (Chip Ganassi Racing), der vom Brasilianer Tony Kanaan vertreten wird.

Welche strategischen Besonderheiten sollte man kennen?

In Sachen Strategie ist das Indy 500 sehr klassisch: Es gibt nur eine Reifenmischung und bei den Stopps gilt es, möglichst viel Ethanol-Kraftstoff mitzunehmen. 2020 absolvierten die zehn besten Fahrer die 200 Runden mit fünf Stopps, 2019 bestand die siegreiche Strategie aus sechs Boxengassen-Besuchen und 2018 reichten wie im letzten Jahr fünf Abfertigungen.

Wie üblich in Amerika entwickelt sich das Rennen um die Safety-Car-Unterbrechungen herum. Besonders am Ende lädt das Pokern auf ausbleibende oder späte Neutralisierungen zu strategischen Spielereien beim Spritsparen ein. Spätestens dann sollte man sich auch in das vordere Drittel des Feldes gekämpft haben, um beim Schlussspurt eine Chance zu haben.

Sind Zuschauer erlaubt?

Nachdem das Rennen im letzten Jahr aufgrund der Pandemie ohne Zuschauer stattfinden musste, sind für dieses Jahr 40 Prozent der Kapazität, also rund 135.000 Fans, zugelassen.

Wie wird das Wetter?

Da Oval-Rennen aus Sicherheitsgründen nicht bei Regen stattfinden können, ist das Wetter immer ein kritisches Thema im Vorfeld des Indy 500. Die aktuelle Vorhersage sieht jedoch viel Sonne und bis zu 23 Grad voraus.

Wer überträgt das Rennen im Fernsehen?

In Deutschland hat sich Sport 1 die Rechte gesichert. Auf dem Pay-TV-Ableger Sport 1+ wird das Indy 500 Sonntag in voller Länge live ab 17:50 Uhr zu sehen sein. Der Free-TV-Hauptsender Sport 1 zeigt ab 23:00 Uhr eine einstündige Zusammenfassung.