Ein Bugatti mit vier Türen, das passt eigentlich nicht zusammen. Zumindest nicht, wenn man an Veyron, Chiron oder die aktuellen Hypercars denkt. In den 1990er-Jahren gab es aber tatsächlich einen Versuch, genau so ein Auto zu bauen: den EB 112 . RM Sothebys bietet nun einen von nur drei Prototypen bei der Monaco Auction 2026 am 25. April an.
Der EB 112 entstand in einer Phase, in der bei Bugatti fast alles möglich schien. Nachdem der italienische Unternehmer Romano Artioli die Marke Ende der 1980er-Jahre wiederbelebt hatte, entstand in Campogalliano eine hochmoderne Fabrik. 1991 folgte mit dem EB110 ein Supersportwagen, der technisch neue Maßstäbe setzte. Doch dabei sollte es nicht bleiben.
Luxus statt nur Leistung
Parallel zum EB 110 plante Bugatti eine viertürige Limousine, eine Art moderne Interpretation des Type 41 Royale. Der EB 112 nutzte viele technische Ansätze des Supersportwagens, setzte aber ein völlig anderes Konzept um. Der Motor wanderte nach vorne: ein 6,0-Liter-V12 ohne Turbo, rund 460 PS, kombiniert mit Allradantrieb und Sechsgang-Handschaltung. Für eine Luxuslimousine Anfang der 1990er waren die Fahrleistungen entsprechend ungewöhnlich – rund 4,3 Sekunden auf 100 km/h und etwa 300 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Giorgetto Giugiaro gestaltete den EB 112. Im Gegensatz zum kantigen EB 110 orientiert sich die Form stärker an der Bugatti-Historie. Am auffälligsten sind die lange Motorhaube, die geschwungenen Linien und das geteilte Heckfenster. Auch der typische Hufeisengrill ist integriert. Innen setzt der EB112 auf vier Einzelsitze und eine vergleichsweise zurückhaltende Gestaltung. Metallapplikationen mit Perlée-Finish treffen auf ein insgesamt sehr ruhiges, fast klassisches Layout.
Der EB 112 wurde 1993 in Genf vorgestellt, kam aber nie über das Prototypenstadium hinaus. 1995 musste Bugatti Automobili Insolvenz anmelden. Zu diesem Zeitpunkt existierten ein fahrbereiter Prototyp und zwei weitere, nicht vollendete Chassis.
Kaum bewegt, technisch überarbeitet
Dann kam der monegassische Geschäftsmann Gildo Pallanca Pastor, der mit einem EB110 im Rennsport aktiv war und kaufte große Teile der Insolvenzmasse auf. Eigentlich um sich ausreichend Ersatzteile zu sichern. Zur Insolvenzmasse gehörten aber auch die EB 112-Chassis, die er beide mit Bestandsteilen zu fertigen Autos komplettieren ließ.
Der Wagen, der nun zum Verkauf steht, blieb bis 2015 im Besitz von Pastor, lief in Monaco zugelassen und kam dort auch gelegentlich auf die Straße. Seitdem gehört er seinem zweiten Eigentümer. Der Kilometerstand liegt bei lediglich 388 Kilometern.
In den vergangenen Jahren ließ der aktuelle Besitzer das Fahrzeug umfassend warten. Werkstätten überarbeiteten Bremsen, Fahrwerk, Abgasanlage und Motor – insgesamt flossen mehr als 37.000 Euro in die Technik. Zum Zubehör zählen unter anderem Gepäckstücke, Werkzeug und ein Bugatti-Regenschirm mit Elefanten-Griff. Der Schätzpreis liegt bei 1,5 bis 2,0 Millionen Euro. Bei einem Einzelstück, ohne konkreten Marktwert, ist es schwierig, eine mögliche Preisspanne vorzugeben.





