Fast sechs Meter lang, mit V8-Motor und als rollendes Zeichen nationaler Pracht: Der Hongqi CA770 gilt als frühes Luxusauto aus China. Mit sowjetischer Starthilfe entstand eine bis zu sechs Meter lange Limousine mit V8-Motor – zu einer Zeit, als viele Chinesen noch Fahrrad fuhren und das Land von der heutigen Massenmotorisierung noch Jahrzehnte entfernt war.
Die Anfänge: Von Waffen zum Auto
1953 beginnt im nordostchinesischen Changchun ein neues Zeitalter: Aus einer alten Waffenfabrik entsteht eine Firma, die Fahrzeuge herstellt – die First Auto Works (FAW). Mit sowjetischer Unterstützung rollen zunächst Viertonner-Lastwagen vom Band. Der Jiefang CA10 ist ein Lizenzbau des sowjetischen ZIS-151.
Doch FAW plant den Bau eines eigenen Autos und besorgt sich zwei westliche Vorbilder: Eine Simca Vedette und einen Mercedes 190. Der erste Prototyp entsteht 1958, danach entstehen rund 30 Exemplare in Handarbeit. Nach einigen Verbesserungen beginnt im August 1959 die Serienproduktion des CA 72.
Entwicklung und Technik des Hongqi CA770
Sechs Jahre später folgte die Staatslimousine CA770. Für Chinas Staatspräsidenten Mao Zedong entsteht eine repräsentative Limousine mit V8-Motor und bis zu sechs Metern Länge. Inspiriert durch amerikanische Modelle wie den Chrysler Imperial und ausgestattet mit einem 5,6-Liter-V8, setzt der Wagen auf Komfort: hydraulisches Automatikgetriebe, elektrische Fensterheber, holzvertäfelter Innenraum, Plüschsitze. Vor der Rückbank können auf Klappsitzen zwei weitere Passagiere mitreisen, so bietet die "Rote Fahne" Platz für bis zu sechs Personen. Der Name kommt übrigens von dem Markenzeichen auf der Markenzeichen, einer roten, in Chrom gefassten Fahne.
Im April 1966 feiert der CA770 Premiere. Mit einem verlängerten Radstand von 3,72 Metern setzt dieses Modell neue Maßstäbe im Segment der chinesischen Luxuslimousinen. Leichtbau ist kein Thema: Leer wiegt die Limousine 2,7 Tonnen. Optisch bleibt die Ähnlichkeit zu amerikanischen Limousinen wie dem Chrysler oder ZIL erkennbar. Der Motor basiert Gerüchten zufolge auf einem Chrysler-V8, hat aber im Gegensatz zu diesem metrische Maße. Kurios sind die Außenspiegel des Exemplars in der Autostadt-Sammlung: Die stammen von einem Mercedes 190E der Baureihe W 210.
Diese Varianten des CA 770 gab es
Neben der Standardlimousine sind diese Sonderaufbauten entstanden:
- CA770J: Offene Parade-Limousine mit erhöhter Rückbank
- CA770TJ: Landaulet
- CA772: Gepanzerte Variante ab 1969
- Kombi- und Krankenwagen-Ausführungen
Über die gesamte Bauzeit (1965 bis 1981) baute Hongqi 847 Exemplare des CA770.
Die "Rote Fahne" als Herrschaftssymbol
Der Hongqi CA770 ist von Beginn an mehr als nur ein Fortbewegungsmittel – er wird zur repräsentativen Staatslimousine für Mao Zedong und hochrangige Funktionäre. Das auffällige Emblem – die rote Chromfahne auf der Motorhaube – spielt darauf an, ebenso der würdige Auftritt und das aufwändige Interieur. Im China der 60er- und 70er-Jahre war dieses Auto sichtbare Demonstration von Macht und Ehrgeiz.
Geschenk für Volkswagen: So kam der CA770 nach Deutschland
Eine der wenigen "Roten Fahnen" fand auf bemerkenswerte Weise den Weg nach Deutschland: FAW, inzwischen Kooperationspartner von Volkswagen, überreichte VW-Chef Carl H. Hahn im Jahr 1989 einen CA770 als Geschenk. Zwischen Golf, Polo und Passat muss der schwarze Luxusliner im Werk wie ein rollender Exot angemutet haben. Zunächst kümmerte sich die zentrale Fuhrparkverwaltung um das Auto, später das Automuseum von Volkswagen.
Das Baujahr des Autos ist übrigens unklar; man geht von 1981 aus. Wofür das Auto vor der Schenkung an VW genutzt wurde, ist unbekannt. Im März 1991 wurde der Hongqi erstmals in Deutschland zugelassen, auf dem Typenschild steht "Volkswagenwerk AG".
Ist VW-Chef Hahn den Hongqi gefahren?
Carl H. Hahn hat den Hongqi als Geschenk an das Unternehmen betrachtet, nicht für sich als Person. Er ist das Auto ein- oder zweimal zum Kennenlernen gefahren und hat es ansonsten genutzt, wenn Staatsbesuch aus China im Werk war. Im November 1989 hat Volkswagen das Auto der chinesischen Botschaft angeboten "wenn in Bonn hochrangige chinesische Staatsgäste die BRD besuchen". Ob es dazu kam, ist nicht bekannt.
Vor dem 90. Geburtstag von Carl H. Hahn wurde der Hongqi wieder in Betrieb genommen. Der am 1. Juli 1926 in Chemnitz geborene Hahn wurde damit anlässlich der Feierlichkeiten zu seinem runden Geburtstag gefahren.
Heute zählt das Modell zu den Glanzstücken der Autostadt-Sammlung in Wolfsburg und repräsentiert dort eindrucksvoll die Verbindungen zwischen chinesischer und europäischer Autowelt.
Das Joint-Venture von FAW und Volkswagen
FAW und Volkswagen gründeten 1991 ein Joint-Venture. Das Unternehmen mit Sitz in Changchun begann im Dezember 1991 mit der Montage des Jetta. Schon 1988 montierte das Werk in Changchun erste Audi, ab 1996 lief der Audi 200 vom Band. Heute gehört rund ein Dutzend Modelle zum Programm, einige davon sind speziell für den chinesischen Markt gedacht.
FAQ zum Hongqi CA770
- Was bedeutet "Hongqi"?
"Hongqi" heißt "Rote Fahne" und steht für Prestige und politische Bedeutung im Kontext der Volksrepublik China. - Wie viele Hongqi CA770 wurden gebaut?
Insgesamt 847 Exemplare entstanden zwischen 1966 und 1981. - Für wen war der CA770 gedacht?
Die Limousine wurde exklusiv für Mao Zedong und die chinesische Staatsführung gebaut. - Wie kam ein Hongqi CA770 nach Deutschland?
VW-Chef Carl H. Hahn erhielt ihn als Geschenk von FAW. Heute steht er in der Autostadt-Sammlung.





