Ford C-Max 2.0 TDCI vs. Opel Meriva 1.6 CDTI

Alltags-Helden im Vergleich

Ford C-Max 2.0 TDCI, Opel Meriva 1.6 CDTI, Frontansicht Foto: Beate Jeske 18 Bilder

Sie schuften klaglos im Dienst der Familie, stecken viel weg und sind so flexibel, wie es der Alltag auch von uns verlangt: die kompakten Vans von Ford und Opel mit ebenso kräftigen wie sparsamen Dieselmotoren.

Eigentlich hätten sie ja einen Orden verdient, einen jährlichen Feiertag oder zumindest ein kleines Fest. Einen Tag, an dem wir sie nicht nur beladen, beschmutzen oder befingern und ansonsten weitgehend ignorieren, sondern einfach mal waschen, streicheln und von Herzen Danke sagen. Sie mit Blumen schmücken und mit ihnen raus an den großen See fahren, wo ihr Motor uns Wärme zum Grillen schenkt (ja, geht wirklich) und ihre geöffnete Heckklappe Schutz vor der Sonne. Das sollten sie uns schon wert sein, die Kompakt-Vans als verkannte Helden des Alltags.

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Wir müssten uns sogar vor ihnen verbeugen, gerade weil sie von uns keine tägliche Erniedrigung verlangen. So bietet der Opel Meriva mit seiner Scheitelhöhe von 1,62 Meter und den hinten angeschlagenen Fondtüren einen ähnlichen Einstiegskomfort wie der mondäne, gut 16 Mal so teure Rolls-Royce Phantom und ein praktisches Alleinstellungsmerkmal unter den fünfsitzigen Raumwagen. Der Rivale von Ford begnügt sich dagegen mit normalen Portalen, lässt sich aber ebenfalls ganz entspannt entern. Seine acht Zentimeter größere Länge ergibt zudem mehr Stauraum (471 bis 1.723 statt 400 bis 1.500 Liter) sowie ein luftigeres Raumgefühl, während der Meriva mit etwas mehr Bein- und Kopffreiheit im Fond kontert. Daneben wirkt er in Material- und Detailqualität insgesamt hochwertiger als der Ford C-Max mit seinen vielfarbigen, teils scharfkantigen Kunststoffen und der billigen Laderaumauskleidung.

Ergonomiesitze im Opel Meriva

Etwas Feinschliff könnten ebenfalls die flexiblen, im Verhältnis 40:20:40 geteilt, umklappbaren Komfortsitze im Fond des Ford C-Max (230 Euro extra) vertragen, weil sich die beiden äußeren nur mit Geschick und Kraftaufwand einige Zentimeter zurück- und nach innen verschieben lassen. Zuvor muss noch das schmale Mittelstück nach hinten geschwenkt werden, was den Kofferraum verkleinert. Im Opel Meriva kann man dagegen die drei serienmäßigen Einzelsitze vor- und zurückschieben, und in der Lounge-Stellung für maximale Rekelfreiheit beschneidet das gefaltete Mittelteil nicht zusätzlich das Gepäckabteil.

Auch vorne fühlt man sich dank der niedrigeren Sitzposition und der bequemen Ergonomiesitze (390 Euro für den Fahrer) besser ins Auto integriert als im Ford C-Max, dessen kleine, dicht gedrängte Anzeigen im fülligen Cockpit sich schlechter ablesen lassen als die großen Instrumente des Opel. Und obwohl beide mit verwirrend vielen fitzeligen Tasten in der Mittelkonsole irritieren, gelingt die Bedienung im Opel Meriva dank der neuen Entertainment-Einheit IntelliLink (serienmäßig bei der Ausstattungslinie Innovation, mit Navi-System 500 Euro) leichter und intuitiver.

Neben der Bluetooth-Anbindung von Smartphones und externen Musik- oder Bildquellen ermöglicht sie über Apps auch die Nutzung von Internetdiensten und eine mit Apple-Produkten kompatible Spracheingabe. Außerdem bietet der große hochauflösende Bildschirm eine klare, detailreiche Kartendarstellung, während man sich auf dem winzigen Monitor des Ford C-Max kaum einen Überblick über den Straßenverlauf und die Umgebung verschaffen kann.

Ford C-Max bietet mehr Fahrspaß

Dabei sind gerade kurvige Straßen das Revier des Ford C-Max, denn dort zaubert er seinem Fahrer ein Lächeln ins Gesicht. Obwohl die Karosserie relativ weich gefedert ist und sich in Kurven spürbar zur Seite neigt, vermittelt er mit seiner ausgeprägten Handlichkeit und der rückmeldungsstarken Lenkung viel Fahrspaß. Dass die gefühlte Leichtfüßigkeit und Sicherheit auf einer realen Grundlage beruht, zeigen spätestens das völlig problemlose Kurvenverhalten und die guten Messwerte bei den Fahrversuchen.

Im direkten Vergleich mit dem Ford C-Max wirkt der straffere Opel Meriva nicht ganz so entspannt. Er untersteuert stärker und scharrt schnell mit den Vorderrädern, wird dann vom ESP oft unnötig heftig eingebremst. Zudem lässt er mehr kurze Stöße und Windgeräusche zu den Insassen durch, mit seiner etwas sterilen, indirekten Lenkung aber wenig Agilität aufkommen.

Ford C-Max gewinnt den Vergleich

Einen echten Fortschritt markiert hingegen sein neuer 1,6-Liter-Turbodiesel mit 136 PS und 320 Nm, der kultivierter als der alte 1,7-Liter-Vierzylinder arbeitet und die Euro-6-Abgasnorm erfüllt. Trotz des geringeren Hubraums fühlt er sich kräftig und erwachsen an, nimmt schon im Drehzahlkeller sauber Gas an und bringt den 1,5-Tonner munter voran. Dafür verlangt er nur einen bescheidenen Tribut, konsumiert bei schonender Fahrweise um fünf Liter pro 100 km; im Testmittel sind es 6,8 Liter Diesel.

Das etwas leistungsstärkere Zweiliter-Triebwerk des Ford C-Max – ohne Start-Stopp-Automatik – schluckt immerhin 0,3 Liter mehr und beschleunigt in höheren Gängen deutlich langsamer, hält sich allerdings akustisch stärker zurück. Außerdem ist es eine wahre Freude, den griffgünstig platzierten Hebel des Sechsganggetriebes aus dem Handgelenk durch die klar definierten Schaltgassen zu führen. Diese Präzision und Leichtigkeit erreicht die Meriva-Box nicht.

Auch bei der Sicherheitsausstattung offenbart der renovierte Opel Meriva weiterhin Defizite. So kommt er bei einer Vollbremsung aus 100 km/h erst rund zwei Meter später zum Stillstand als der Ford C-Max, und auf lichtstarke Xenon-Scheinwerfer muss man beim Meriva ebenso verzichten wie auf ein Automatikgetriebe, eine elektrisch betätigte Heckklappe und diverse Fahrerassistenzsysteme, die beim C-Max zumindest optional geliefert werden.

Im Gegenzug stehen feine Extras wie Lenkradheizung oder ein ins Heck integrierter Fahrradträger in der Meriva-Preisliste. Weitere Pluspunkte sammelt er durch niedrigere Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Am Ende haben sich zwar beide ihren Orden redlich verdient, doch der Ford C-Max darf sich zusätzlich mit dem Lorbeerkranz des Siegers schmücken.

Fazit

1. Ford C-Max 2.0 TDCI
475 Punkte

Vor allem das sowohl komfortable wie leichtfüßig-dynamische Fahrwerk und das höhere Sicherheitsniveau bringen den Ford C-Max nach vorn. Dagegen verdienen Bedienung und Materialanmutung Kritik.

2. Opel Meriva 1.6 CDTI
461 Punkte

Der günstigere Meriva gefällt mit durchdachter Innenraum-Variabilität, solider Qualität und dem sparsamen, elastischen Diesel, zeigt jedoch Schwächen bei Sicherheit, Komfort und Handling.

Technische Daten
Ford C-Max 2.0 TDCi Titanium Opel Meriva 1.6 CDTI Innovation
Grundpreis 27.020 € 24.080 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4380 x 1828 x 1626 mm 4300 x 1812 x 1615 mm
KofferraumvolumenVDA 471 bis 1723 l 400 bis 1500 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 3750 U/min 81 kW / 110 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 201 km/h 185 km/h
0-100 km/h 10,1 s 12,3 s
Verbrauch 4,9 l/100 km 4,0 l/100 km
Testverbrauch 6,7 l/100 km
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