Kia ProCeed 1.6 T-GDI, Kia Sportage 1.6 T-GDI 4WD, Exterieur Achim Hartmann
Kia ProCeed 1.6 T-GDI, Kia Sportage 1.6 T-GDI 4WD, Exterieur
Kia ProCeed 1.6 T-GDI, Kia Sportage 1.6 T-GDI 4WD, Exterieur
Kia ProCeed 1.6 T-GDI, Interieur
Kia ProCeed 1.6 T-GDI, Interieur 16 Bilder

Kia ProCeed 1.6 T-GDI vs. Kia Sportage 1.6 T-GDI 4WD

Kombi oder SUV?

Attraktiv sind beide: der aufrechte SUV Sportage und der dynamische Sportkombi ProCeed. Sie locken mit sehr unterschiedlichen Qualitäten, und dann wäre da auch noch ein ziemlich eklatanter Preisunterschied.

Da kann man schon mal durcheinanderkommen beim Kia Ceed. Ceed heißt der normale Kompakte, Ceed GT seine sportlichen Ableger, Ceed Sportswagon der Kombi. Dann gibt es seit Kurzem auch einen XCeed; diesen nach Allradantrieb oder Extremen klingenden Namen trägt ein coupéartiger SUV. Und was bitte ist nun der ProCeed? Der ProCeed ist ein sportlicherer Kombi, wie andere Hersteller ihn als Shooting Brake anbieten.

Beim Sportage ist die Sache übersichtlicher, denn es gibt nur ein Modell. 1994 kam die erste Baureihe auf den Markt, 2015 die nunmehr vierte, wieder ein SUV. Er wird – wie der Testwagen – auch mit Allradantrieb geliefert, während im ProCeed stets nur die Vorderräder angetrieben werden. Gemeinsam wiederum haben die zwei in sattem Blau (590 Euro) lackierten Testwagen den Topbenziner unter der Haube, einen 1,6 Liter großen Vierzylinder-Turbo. Im Sportage liefert er 177 PS, im ProCeed 204 PS. Drehmoment (265 Nm) und die dazugehörige Drehzahl (1.500/min) sind hingegen identisch – die wunderbare Welt der Bits und Bytes macht es möglich.

Länge ist nicht alles

Der Sportage gibt sich noch als klassischer SUV, der aus seiner stolzen Höhe (22 Zentimeter mehr als beim ProCeed) einiges macht: Man thront spürbare 15 Zentimeter höher über der Fahrbahn und kommt so in dem komfortablen, sehr weit geschnittenen Sitz schnell in den SUV-Flow. Umstieg in den ProCeed: Die Sportsitze packen entschlossen zu und integrieren sehr gut ins Auto. Die Welt, sie spielt sich hinter niedrigen Fensterscheiben ab, im Sportage reicht sie quasi in den Innenraum.

Kia ProCeed 1.6 T-GDI, Kia Sportage 1.6 T-GDI 4WD, Exterieur
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Der Sportage gibt sich noch als klassischer SUV, der aus seiner stolzen Höhe (22 Zentimeter mehr als beim ProCeed) einiges macht.

Und obwohl der SUV elf Zentimeter kürzer ist als der Sportkombi, dessen Designer sich offensichtlich den Mercedes CLA Shooting Brake sehr genau angesehen haben, schenkt er den Passagieren auf der Rückbank vier Zentimeter mehr Sitzraum. Folge: Im Sportage-Fond fühlt man sich schon beim Einsteigen willkommen, im ProCeed eher geduldet, weil der Beinraum knapper ist und die Füße kaum unter die Vordersitze passen.

In diesem Punkt macht der Flachmann nichts aus seiner Länge, er nutzt sie aber immerhin für mehr Gepäckraum: Als Fünfsitzer schluckt er einen Koffer, bei umgeklappten Lehnen immerhin noch eine große Reisetasche mehr als der Sportage. Hinzu kommen funktionale Details, die dem SUV fremd sind. So lassen sich die federbelasteten Lehnen vom Heck aus mit einem Handgriff umklappen und sind im Verhältnis 40:20:40 statt nur asymmetrisch geteilt. Die Heckklappe schwingt allerdings weniger weit auf als die des Sportage, was die Gefahr schmerzhafter Kopfnüsse durchaus erhöht.

Gleichstand wiederum beim Bedienkomfort – und das auf hohem Niveau: Sehr gut ablesbare, klassisch gezeichnete Instrumente und ein hochauflösendes Navigationsdisplay haben beide, dazu schnell auffindbare und logisch angeordnete Drehregler und Tasten, von denen die für die Fahrerassistenten links unterhalb des Lenkrads zusammengefasst sind. Das Scrollen durch Menüs und Untermenüs, etwa zum Deaktivieren des Spurhalteassistenten, mutet Kia – anders als manche Konkurrenten – seinen Kunden nicht zu.

Kia Sportage 1.6 T-GDI 4WD, Interieur
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Gleichstand beim Bedienkomfort – und das auf hohem Niveau: Sehr gut ablesbare, klassisch gezeichnete Instrumente.

Man findet sich also schnell zurecht und wird beim Fahren nicht abgelenkt. Wie die Leistungsdaten vermuten lassen, steht in beiden Autos genügend Temperament zur Verfügung, um stressfrei zu überholen oder sich in den fließenden Autobahnverkehr einzureihen. Natürlich ist der stärkere und leichtere ProCeed – hier als Handschalter – das flottere Auto und spielt mit 230 statt 201 km/h Spitze in einer anderen, souveräneren Klasse. Untermotorisiert fühlt man sich allerdings im Sportage auch nicht gerade, denn der Motor hat untenherum genügend Schmalz, wird mit der Drehzahl kräftiger und harmoniert gut mit dem unauffälligen Doppelkupplungsgetriebe (2.000 Euro), das dank längerer Übersetzung für niedrige Drehzahlen sorgt.

Im ProCeed liegen bei 120 km/h fast 1.000 Umdrehungen mehr an, und dass Kia ihm einen vermeintlich sportlichen, dabei nur nasal-nervigen Klang verpasst hat, macht es nicht besser. Ähnlich unharmonisch wirkt das Ziehen und Zerren im Lenkrad beim starken Beschleunigen. Traktionsprobleme dieses Kalibers sind selten geworden heutzutage – und fallen besonders auf, wenn man aus dem in dieser Hinsicht absolut problemlosen Allrad-SUV umsteigt.

Dafür geht der ProCeed so hurtig durch Kurven, wie er klingen soll: Er fühlt sich tatsächlich wie ein Sportwagen an und fährt Kreise um den Sportage, löst die Versprechen des dynamischen Designs also voll ein.

Der SUV-Spaß ist teuer

Leiser, geräumiger, souveräner: Der SUV könnte sich klar als der bessere Allrounder positionieren, wenn da nicht seine störrische Federung wäre. Nicht dass der ProCeed sanft wie eine Schmusekatze ans Werk ginge, nein: Er ist schon recht straff abgestimmt und macht aus dem jeweiligen Straßenzustand kein Geheimnis. Doch der Sportage gerät schnell ins Stampfen und Stuckern, wenn ihm Querrinnen oder Schlaglöcher unter die Räder kommen.

Auch beim Geld sieht es schlecht aus für den SUV: Schon in der zweitbesten Ausstattungslinie GT Line ist er empfindlich teurer und auf – zugegeben – hohem Niveau schlechter ausgestattet als der ProCeed in Best-Ausstattung GT. Durstiger (9,7 zu 8,6 Liter Testverbrauch) ist er obendrein. Eindeutiger Sieger nach Punkten ist daher der Sportkombi.

Fazit

1. ProCeed 432 Punkte

Der Kombi ist nicht nur fahraktiver, sparsamer und erheblich billiger, er spielt bei der Assistenz auch die Trümpfe der jüngeren Konstruktion aus. Mehr Platz hinten wäre schön.

2. Sportage 393 Punkte

Der SUV macht nicht viel falsch. Geschmeidiger federn sollte er und vielleicht etwas agiler fahren. Hauptknackpunkt ist aber in diesem Vergleich das hohe Preisniveau.

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