Skoda Kamiq 1.0 TSI, VW T-Cross 1.0 TSI, Seat Arona 1.0 TSI, Exterieur Achim Hartmann
Skoda Kamiq 1.0 TSI, VW T-Cross 1.0 TSI, Seat Arona 1.0 TSI, Exterieur
Seat Arona 1.0 TSI, Exterieur
Seat Arona 1.0 TSI, Exterieur
Seat Arona 1.0 TSI, Exterieur 35 Bilder

Seat Arona, Skoda Kamiq, VW T-Cross

SUV-Dreikampf unter Brüdern

SUV lassen den Menschen zwar nicht unbedingt hochleben, aber zumindest hoch sitzen. Mit dem Kamiq ist Skoda nun auch in der kleinen SUV-Klasse dabei, und nach einem ersten Vergleich mit Konkurrenten von Opel, Mazda und Hyundai muss man sagen: mit großem Erfolg. Doch wie schlägt sich der Kamiq gegen die Konzernverwandten?

Ohne Rangeleien geht es in den besten Familien nicht. Da muss dann manchmal jemand ein ordnendes Machtwort sprechen – so wie Volkswagen-Chef Diess letztens. VW, Seat und Skoda zielten auf eine ähnliche Klientel, gingen Überlegungen des Konzernbosses durch die Presse. Womöglich sei es daher klug, eine der Marken billiger zu machen. Sozusagen zum Dacia von VW. Skoda könne diese Billigmarke werden, lautete die Kernaussage.

Puh. Skoda als Billigheimer? Sprechen wir von jener Automarke, die aus den Konzernkomponenten der diversen Baukästen immer wieder Testsieger zum keineswegs übertriebenen Preis auf die Räder stellt? Da dürfte man nicht amüsiert gewesen sein in Mladá Boleslaw. Nun, noch sind es nur Gedanken. Schauen wir daher nicht auf das, was kommen könnte. Sondern auf das, was ist: also auf den kleinen Crossover Kamiq.

Nimm’s leicht mit 115 PS

Klein bezieht sich hier weniger auf die Karosserie – dazu später mehr. Es bezieht sich auf die Motorisierung, die sich der Testwagen wie die Ausstattungslinie Style mit dem VW T-Cross und dem Seat Arona in der sportlicheren FR-Ausgabe teilt: drei Zylinder, ein Turbo, ein Liter Hubraum, 115 PS. Da rümpft womöglich manch einer die Nase. Doch ganz ehrlich: das geht. Ganz gut sogar.

Okay, ganz unten im Drehzahlkeller, ehe der Turbo die Backen aufbläst, fehlt es den geschmeidig laufenden Triebwerken ein wenig an Durchsetzungskraft, was der VW-Testwagen mit seinem aufmerksamen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (1.575 Euro) durch williges Zurückschalten fein überspielt. Doch ab etwa 2.000 Umdrehungen marschieren alle drei vergnügt los und vermitteln eine unschuldig-geerdete Freude am Fahren. Und wenn es denn mal wirklich pressiert, treiben die drei ihre Tachonadel (die bei jedem im aufpreispflichtigen Digital-Cockpit in vielen verschiedenen Settings ihren Dienst versieht oder zur digitalen Zahl mutiert) bis zur einst magischen 200er-Marke. Reicht doch, oder? Natürlich.

Skoda Kamiq 1.0 TSI, VW T-Cross 1.0 TSI, Seat Arona 1.0 TSI, Exterieur
Achim Hartmann
Wenn es mal wirklich pressiert, treiben die drei ihre Tachonadel bis zur einst magischen 200er-Marke. Reicht doch, oder? Natürlich.

Und die Fahrwerke passen dazu. Kein Allrad, kein Wankausgleich, keine Hinterradlenkung – und doch stets auf der sicheren Seite mit sehr niedrigen Ansprüchen an das fahrerische Können. Der Seat liegt einen Tick kurvengieriger mit der präzisen Lenkung, sein ESP lässt die Zügel etwas lockerer als die Systeme der Konkurrenz. Dem T-Cross gelingen trotzdem ähnlich gute Zeiten beim Tanz durch die Pylonen von Ausweichgasse und Slalomparcours, wo der Skoda eher an seine Grenzen kommt. Für die öffentliche Straße bleibt festzuhalten, dass sich jeder der drei SUV spielerisch und vergnüglich lenken lässt. Und selbst der straffer abgestimmte Arona macht beim Federn keine groben Schnitzer.

Seat Arona 1.0 TSI, Exterieur
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Der Arona-Testwagen verliert bei der Anfangsmessung beim Bremsen aus 100 und 130 km/h den Anschluss.

Etwas größer als beim Komfort ist sein Rückstand allerdings beim Thema Sicherheit: Obwohl er wie der T-Cross mit breiten 18-Zöllern gepimpt ist (Serie sind 17-Zöller wie beim Kamiq), verliert der Arona-Testwagen bei der Anfangsmessung beim Bremsen aus 100 und 130 km/h den Anschluss. Was den passiven Unfallschutz anbetrifft, gibt es dagegen einen klaren Sieger: Der Kamiq mit einem serienmäßigen Fahrer-Knieairbag und optionalen Sidebags hinten (420 Euro) ist der Maßstab. Seat und VW bieten nur das Standardprogramm.

Baukastenspiele

Weniger gravierend: Skoda, funktional klasse durch einen ausfahrbaren Türkantenschutz und mehr pfiffige Details, verpasst dem Kamiq höhenverstellbare Gurte vorn und rundum Haltegriffe im Dach. Auf Letztere verzichtet VW beim T-Cross, gönnt ihm aber auch hinten Regler zur Dosierung des Luftstroms. Neben Dachgriffen und Gurtverstellung spart sich Seat sogar die Ausströmer.

Grundsätzlicher werden die Baukastenspiele beim Licht (Kurvenlicht gibt es nur beim Skoda) oder bei den Assistenten, wo Seat am wenigsten bietet. Immerhin erfassen Arona und Kamiq Tempolimits per Kamera, während der VW seinen Fahrer in trügerischer Sicherheit wiegt und nur Limits meldet, die im Kartenmaterial des Navis abgelegt sind. Loben wollen wir hingegen, dass er wie der Seat noch ein CD-Laufwerk anbietet.

Von Gleichmacherei kann also keine Rede sein – nicht in jedem Detail, nicht im Design und auch nicht im großen Ganzen: Der Kamiq macht sich nämlich eine Handbreit länger als Arona und T-Cross und trägt die Achsen rund acht Zentimeter weiter auseinander. Und wieso hat er wie der Arona nur 400 Liter Kofferraumvolumen, während der kurze T-Cross mit 455 Litern protzt und trotzdem am meisten Knieraum hinten bietet? Das fragen wir uns beim Umklappen, beim Ein- und Aussteigen und beim Vergleichen. Und fragen dann mal bei VW nach.

VW T-Cross 1.0 TSI, Interieur
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Der kurze T-Cross prozt mit 455 Litern Kofferraumvolumen - allerdings nur, wenn die Rückbank vorgeschoben ist.

Die Antwort fördert eine unerwartete Wolfsburger Bauernschläue zutage: Der T-Cross hat eine verschiebbare Rückbank. Ist die ganz hinten, schafft das den großen Beinraum. 455 Liter aber passen nur ins Heck, wenn die Bank vorgeschoben ist; ist sie hinten, sind es nur 370 Liter. Aha.

König der Umzugshelfer bleibt daher in diesem Test nicht unerwartet der Kamiq, denn beim Maximalvolumen mit umgeklappten Rücksitzen übertrumpft er seine Konkurrenten um gut 100 Liter. Der Titel des Mister Variabel geht allerdings klar an den T-Cross. Wer nur einmal die Rückbank etwas nach vorn rücken konnte, um den unförmigen Karton noch ins Auto zu bekommen, wird dies ebenso schätzen wie eine komplett umklappbare Beifahrersitzlehne. Die bietet der T-Cross Style serienmäßig, beim Kamiq ist sie für wohlfeile 80 Euro immerhin erhältlich, beim Seat Arona dagegen gar nicht.

Mehr Glanz kostet extra

Einig sind sich die drei wieder bei den verbauten Materialien. Viel Hartplastik dominiert die Innenräume, wobei Seat und Skoda zumindest gegen Aufpreis manche Flächen des Armaturenbretts etwas aufschäumen und VW beim T-Cross eine glänzende Blende einsetzt. Sauber verarbeitet sind alle, ein hochwertiges Ambiente entsteht so aber nicht.

Seat Arona 1.0 TSI, Interieur
Achim Hartmann
Viel Hartplastik dominiert die Innenräume, wobei Seat und Skoda zumindest gegen Aufpreis manche Flächen des Armaturenbretts etwas aufschäumen und VW beim T-Cross eine glänzende Blende einsetzt.

Erstaunlich ist, dass der VW trotz des vergleichsweise hohen Grundpreises in der Kostenwertung nicht einbricht. Ihm hilft hierbei die gute Serienausstattung, zu der auch LED-Scheinwerfer und weitreichende Sicherheitsassistenz gehören, für die Seat und Skoda gesondert zur Kasse bitten. Bei den Kraftstoffkosten liegen alle drei auf Augenhöhe (Testverbrauch durchweg akzeptable 6,8 Liter Super auf 100 km), im Unterhalt ist der VW allerdings der Teuerste. So muss er wie der Seat auf dem Weg zum Siegertreppchen dem Skoda den Vortritt lassen.

Spontaner Gedanke beim Blick zurück auf die drei erfreulich uneitlen, nett gemachten SUV: Wäre wirklich schade, wenn es Skoda träfe als künstlich kreierte Billigmarke.

Fazit

1. Skoda 425 Punkte

Auch seinen zweiten Vergleichstest gewinnt der Kamiq. Dass er dem VW preislich nahe kommt, ist kein Beinbruch. Schließlich ist er ja in den meisten Disziplinen besser.

2. VW 422 Punkte

Der T-Roc macht seine Sache rundum gut. Komfortabel ist er, sicher und als Style auch großzügig ausgestattet. Das relativiert seinen vergleichsweise hohen Preis.

3. Seat 415 Punkte

Der Arona wirkt in dieser Runde am jugendlichsten. Dazu passt auch der niedrigste Preis. Nicht so gut ist es um Sicherheitsausstattung und Komfort-Assistenz bestellt.

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