VW California 6.1 2.0 TDI Ocean, Exterieur Max Balázs
VW California 6.1 2.0 TDI Ocean, Exterieur
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VW California 6.1 2.0 TDI Ocean, Exterieur 20 Bilder

VW California 6.1 2.0 TDI Ocean

VW California 6.1 2.0 TDI Ocean Geliftete Camping-Ikone im Test

Was für ein Kerl, dieser California! Fast zwei Meter groß, kräftig, perfekt als Kindershuttle, Einkaufswagen, Abenteurertyp. Nein, nicht billig, aber dafür vielseitig interessiert, stets gut gelaunt und mit strahlendem Blick. Da bleibt man doch gern bis zum Frühstück.

Mit Musik geht alles besser – wusste schon Rudi Schuricke, damals in den 40ern. Letztes Jahrtausend. Und wer an California denkt, also den von Volkswagen, der spürt eine Melodie, fühlt einen Rhythmus, oder? Kennen Sie doch sicher. Fragt sich bloß noch welchen. Sitar-Klänge im süßen Rauch oder eher Lagerfeuer-Gitarrenschmalz (California Dreamin’), harte Metal-Riffs oder Café-del-Mar-Flausch? Passt irgendwie alles.

Kein Wunder, wo doch der Uropa des T6.1 als T1 zwar knapp nach Herrn Schuricke, aber immer noch in den Fuffzigern losboxerte. Hat also allerhand mitgemacht, bevor er jetzt zart weiterdigitalisiert und detailverfeinert als Sechspunkteins antritt. Antritt, um Verstand zu kosten, Fernweh zu injizieren – und schamlos Portemonnaies zu plündern. Unter anderem von Menschen, die ansonsten nie im Leben so viel Geld für eine Limousine, einen Kombi oder gar einen SUV ausgeben würden. Denn obwohl er vorzugsweise als Familienauto unter Carportdach oder Mietshaus-Parkplatz flutscht, unter 65.000 Euro geht nix. Zumindest nicht beim California Ocean, wie er hier durchs Bild fährt. Oder im Bild steht. Steckt dann noch der 199 PS starke Zweiliter-TDI samt Siebengang-DSG unter der Haube und ein paar Extras in der Zweifarbkarosse, hui, dann geht der Volkswagen hart auf die 90 zu – große Scheine natürlich …

VW California 6.1 2.0 TDI Ocean, Exterieur
Rossen Gargolov
Tisch und Stühle sind immer mit an Bord, ebenso wie gute Übersicht und ein permanentes Reisefeeling - jeden Tag.

Andererseits: Es ist ja für einen guten Zweck. Besser: viele. Man kauft ja kein Auto, sondern einen Bus. Und der kann alles. Inzwischen sogar sein Aufstell-Dachzelt vorn öffnen. Vorbei der eher düstere Kohten- und Jurten-Stil im ersten Stock. Jetzt lugen Licht und Luft nicht nur durch die seitlichen Halbrund-Öffnungen mit Fliegengitter, sondern strömen durch die luftige Panoramafront, während man sich gepflegt unten auf der Bank lümmelt oder oben auf der Matratze mit den komfortablen Tellerfedern räkelt. Jetzt harte Riffs hören? Irgendwie unpassend. Lieber Chill-out-Plätschern. Ordentlich klingende Lautsprecher hat er ja.

Da geht die LED-Sonne auf

Und natürlich: LED-Beleuchtung. Oben zweckmäßig, unten jetzt ambientig mit verschiedenen Modi, zentral schalt- und zeitprogrammierbar, etwa mit einer Sonnenaufgangsfunktion, die sanftes Wecken unterstützt. Tja, Freunde, da reichte früher noch das Feuerzeuggeräusch fürs erste Kippchen, das Zischen des Konterbiers – oder notfalls ein heißer Kaffee.

Scherz. Der California ist ein Vernünftiger, bleibt stilistisch gekonnt nüchtern. Niedersachse eben, sturmfest und erdverwachsen. Und doch schick, mit der neuen Holzoptik an Möbelflanken und Bodenbelag. Außerdem tauschten sie in Hannover die Bedienknöpfe für Klappen und Schubladen sowie die Rolladentüren.Schick und zweckmäßig. So wie Cockpit und Bedienung. Natürlich partizipiert auch der T6.1 an neuen Entwicklungen, bietet optional digitales Konzerncockpit und Touch-Infotainment. Bleibt aber eine Generation hinter Golf 8 und ID.3. Rumms, da kracht ein Felsblock auf die Campingwiese – dem Fanclub vom Herzen gefallen. Ihm gefällt der Cali so, wie er ist, mit seiner vergleichsweisen Hochwertigkeit, in der man den Anspruch des Großserienherstellers spürt (im Gegensatz zu so manch hingespaxtem Bastelausbau).

VW California 6.1 2.0 TDI Ocean, Interieur
Rossen Gargolov
Problemlos bedienbares Digitalcockpit.

Wer mal einen neueren California fuhr, kann die beiden sensationell leichten, bequemen und praktischen Klappstühle blind aus der Heckklappe fischen. Klappe hoch, Reißverschluss auf, rausziehen. Noch schnell den Tisch aus der Schiebetür clipsen, aufstellen, fertig. Bevor der/die Partner/in das Feierabendbier/den Rotwein geöffnet/entkorkt hat, steht alles parat zum Sternegucken.

Höflich, praktisch, kräftig

Ist alles nicht neu, bleibt aber super. Wie der Rest der Bedienung. Simpel, einfach – und für Novizen so schnell erlernbar wie für Erfahrene bewährt entspannend. Siehe Management der Gas- und Wasserversorgung oder Kleinigkeiten wie Cupholder links und rechts im Armaturenbrett sowie die Ablagen in der Mitte. Ohne Extra-Mechanik, aber praktisch. Wie das selbsterklärende Bedienpanel für Lichtsteuerung, Kühlbox, Aufstelldach, Standheizung und Co.

Dagegen dürften selbst Althippies in Pension nichts einzuwenden haben. Selbst wenn sie Display-Rückfragen wie "Alle ausgestiegen?" oder "Platz überm Dach gecheckt?" belächeln. Der California ist eben ein Zuvorkommender. Mit Kühlbox, Frisch- und Abwassertank, kräftigem Zweiflammen-Gasherd und einem verschiebbaren Tisch im Innenraum. Selbst die integrierten Verdunkelungsrollos rundum sind praktisch, wollen allerdings mit etwas Gefühl bedient werden.

VW California 6.1 2.0 TDI Ocean, Interieur
Rossen Gargolov
Die Einrichtung des VW ist schick und hochwertig.

Weniger Gefühl verlangt der T6 beim Fahren. Der Zweiliter-Biturbo schiebt trotz eines deutlich spürbaren Antrittsphlegmas ab rund 2.000/min kräftig, das DSG mimt zwar ganz schön träge den Wandler, wechselt die Gänge dafür treffsicher und hält die Drehzahl beim Cruisen unten. Und das ist dem 2,5-Tonner eh am liebsten. Trotz der nunmehr elektromechanischen Lenkung, die neben guter Rückmeldung und sauberem Handling assistierende Eingriffe ermöglicht, sowie dem nur mäßigen Karosseriewanken. Und es hält den Verbrauch unter zehn Litern Diesel auf 100 km. Schnellfahren – über 160 km/h sind locker drin – kostet Zuschlag, denn hey, das Ding hat Stirnfläche. Beschleunigt dennoch mit Schnapszahl in 11,1 Sekunden und verzögert standfest mit Erdbeschleunigung (9,8 m/s²).

Vor allem aber bleibt seine Karosserie unter den alltagswichtigen zwei Metern und überhaupt ziemlich wendig. Halt, Quatsch, der letzte Halbsatz sollte testen, ob Sie noch aufpassen. Das Gefährdetste am VW Bus bleibt wegen des langen Radstandes seine Flanke, da helfen auch die Assistenten nicht. Wer diesen Schwenkeffekt etwa beim Rangieren im Parkhaus unterschätzt, den ereilt der klassische Seitenschürfer. Autsch!

Ansonsten musiziert das Leben mit dem California Ocean jedoch als dauernder Lovesong. Ob nun mit Sitar oder harten Riffs.

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Fazit

Es ist der astronomische Preis, der dem California den fünften Stern ausknipst. Wer die feste Küchenzeile möglicher Variabilität vorzieht, findet in dem VW allerdings einen rundum solide gemachten Partner fürs Leben. Im Alltag komfortabel, sicher und handlich, auf Reisen praktisch, flott und entdeckungsfreudig.

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