04/2020, Mercedes 190 mit V12-Motor Johan Muter / JM Speedshop
04/2020, Mercedes 190 mit V12-Motor
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04/2020, Mercedes 190 mit V12-Motor 11 Bilder

Mercedes 190 mit V12-Motor

Baby-Benz mit Monster-Triebwerk

Dreieinhalb Jahre dauerte der Umbau, der einem Mercedes 190 den V12-Motor des 600 SEL W 140 bescherte. Nun leistet das Auto 424 PS und soll 315 km/h fahren.

Irgendwann im Frühjahr 2016 hatte Johan Muter eine Idee: "Mein Plan war es, das kleinste Auto der Achtziger- und Neunzigerjahre mit dem größten Motor aus dieser Zeit zu bauen", sagt der Niederländer, der die Tuning-Werkstatt JM Speedshop betreibt. Ersteres hatte er da bereits im Fuhrpark: Den Mercedes 190 mit Zweiliter Vergaser-Motor, demnach einen W201 mit M102-Triebwerk, fuhr er täglich, seit er ihn 2012 aus Deutschland nach Holland importierte.

Der Motor? "Ein Kunstwerk!"

Als passender Austauschmotor kam nur der M120 infrage, der Sechsliter-V12 aus der S-Klasse. "Er ist für mich der beste Motor in der Mercedes-Geschichte – ein Kunstwerk", sagt Muter. Im Mai 2016 kaufte er das Spenderauto, einen S600 in der Langversion. Die Limousine war fahrbereit, es fehlten jedoch einige Elektronikteile und das Fahrwerk war kaputt. Der Antriebsstrang war dagegen in gutem Zustand, der Motor hatte gerade einmal etwas mehr als 100.000 Kilometer auf dem Tacho. "Und zu diesem Zeitpunkt waren die Preise für solche Autos am Tiefpunkt", so Muter.

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Johan Muter / JM Speedshop
Der Niederländer Johan Muter hat den V12-Umbau als Einzelkämpfer umgesetzt.

Also schlug er zu und gab im Oktober 2016 den Startschuss für sein Einzelkämpfer-Projekt "Motortausch", dessen Umsetzung viele für unmöglich hielten. Der riesige Sechsliter-V12-Block im winzigen Motorraum des 190ers, der ab Werk maximal Sechszylinder-Motoren aufnahm? Viele hielten das für unmöglich. Muter wollte das Gegenteil beweisen und ging ein zusätzliches Risiko ein, indem er die einzelnen Schritte seines Projekts mit Youtube-Videos begleitete.

Viel Technik aus anderen Mercedes-Modellen

Die knapp 50 Clips dokumentieren nicht nur, wie Johan Muter den Motor in den 190er Bug gepresst und dafür einen neuen Hilfsrahmen samt Motorlager installiert hat. Oder die Frischluftversorgung des V12 durch die Nebelscheinwerfer verlegte. Sondern auch, welche zusätzlichen Herausforderungen der Umbau mit sich brachte. Wie ein neues Motor-Steuergerät ebenso den Weg in den Baby-Benz fand wie die Fünfgang-Automatik eines 1996er CL600, die vordere Bremse eines 129er SL500 und die hinteren Stopper einer 320er W210-E-Klasse (jeweils aufgerüstet mit Scheiben und Belägen von Brembo).

Auch die restliche Technik spendieren Modelle aus dem Mercedes-Universum. Lüfter, Getriebekühler, Differenzial, Hinterachse und Antriebswellen (die beiden letzteren in gekürzter Form) übernahm Muter vom Spenderauto. Die Lenkung stellt ein W210 zur Verfügung und bei den Rädern handelt es sich um originale Segin-18-Zöller von der 220er S-Klasse, die vorne mit 225er und hinten mit 255er Reifen ummantelt sind. Das Gewindefahrwerk mit angepassten Federn stammt aus dem Tuning-Katalog, die Leder-Innenausstattung von einem 190 E 16-Ventiler Baujahr 1987.

"Sehr leicht und sehr gut" zu fahren

Johan Muter beziffert die Leistung seines auf E10-Kraftstoff ausgelegten Autos auf 424 PS, das maximale Drehmoment soll bei 585 Newtonmetern liegen. Mit einer auf 98 Oktan ausgelegten Motorelektronik sei noch mehr möglich. Aber weil es Super Plus in den Niederlanden nicht an jeder Tankstelle gibt, habe Muter darauf verzichtet. Mit vollem Sprit-Reservoir wiegt der V12-190er 1.440 Kilogramm, wobei er nicht so kopflastig ist wie vermutet. 56 zu 44 Prozent betrage die Gewichtsverteilung, weshalb sich der Mercedes "sehr leicht und sehr gut" und generell wie jeder andere 190er fahre. Zumal er keinesfalls laut geraten sei.

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Johan Muter / JM Speedshop
Aus dieser Perspektive sieht Muters Auto aus wie ein normaler 190er mit zu großen Rädern.

Aber deutlich schneller als vor vier Jahren ist er dann doch. Bei kaltem Wetter will der Tuner sein Auto in 5,17 Sekunden von Null auf Hundert beschleunigt haben; eine Zeit von unter fünf Sekunden sei bei besseren Bedingungen locker drin. Als Höchstgeschwindigkeit nennt Muter einen Wert von 315 km/h, dann laufe der Motor im fünften Gang in den Drehzahl-Begrenzer.

Erst lackieren, dann verkaufen

Weil der Niederländer dem 190er noch die Sacco-Bretter der Nach-Facelift-Modelle verpassen möchte, liegen die Schweller und die Aufnahmen für die Seitenleisten derzeit noch blank. Die entsprechenden Stoßfänger trägt das Auto jedoch schon. Noch im Verlauf des ersten Halbjahrs 2020 soll es komplett neu lackiert werden; die Farbe, die das aktuelle "Rauchsilber"-Metallic ersetzen wird, verrät Johan Muter jedoch noch nicht. Danach möchte er den in Holland ohne Einschränkungen straßenzugelassene Mercedes verkaufen, um sich neuen Umbauten zu widmen. "Ich habe mindestens noch zehn weitere Ideen für sehr coole Projekte", sagt Johan Muter.

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Ein Wahnsinns-Projekt. Da hat Johan Muter eine tolle Ingenieurs-Leistung vollbracht.
Ein Projekt des Wahnsinns. Hier wuchs zusammen, was defintiv nicht zusammengehört.

Fazit

"Ich mag Autos, die nicht alles zeigen, was sie haben. Und niemand wird einen M120-V12 in einer Baby-Benz-Karosserie erwarten", sagt Johan Muter über sein Projektauto. Damit dürfte er zweifelsfrei recht haben. Man darf sehr gespannt sein, welchen Preis der Niederländer aufruft, sobald der Umbau komplett fertig ist und der extreme 190er zum Verkauf steht.

Mercedes 190 (W201)
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