Eine Recherche der britischen Zeitung "Daily Mail" zeigt, dass solche Kennzeichen sogar über offiziell registrierte Händler bezogen werden können, obwohl sie technisch nicht den Vorschriften entsprechen. Dadurch können Autofahrer, aber auch Kriminelle und organisierte Gruppen die Erfassung durch Verkehrskontrollen und Mautsysteme umgehen.
Reporter der Zeitung bestellten mehrere Kennzeichensätze bei Anbietern, die in der Datenbank der britischen Zulassungsbehörde Driver and Vehicle Licensing Agency (DVLA) geführt sind. Nach eigenen Angaben erhielten sie die Schilder innerhalb weniger Tage, ohne dass ein Eigentumsnachweis oder eine Identitätsprüfung verlangt wurde.
Äußerlich entsprachen die gelieferten Nummernschilder den gesetzlichen Anforderungen. In Labortests zeigte sich jedoch, dass sie bei Dunkelheit oder unter Infrarotlicht kaum lesbar waren – genau in den Lichtbedingungen, unter denen automatische Kennzeichenerkennungssysteme (ANPR) arbeiten.
Unsichtbar unter Infrarotlicht
Ein Test an der Cranfield University ergab, dass bei einem der untersuchten Kennzeichen sechs von sieben Zeichen aus einem Material bestanden, das unter Infrarotlicht transparent wird. Dadurch erscheinen die Schilder auf den Aufnahmen automatischer Kameras fast vollständig leer.
Der beteiligte Wissenschaftler Stuart Barnes erklärte gegenüber der "Daily Mail": "Das sind echte Ghost Plates, die ein spezielles Material verwenden, das für die meisten nachts eingesetzten ANPR-Kameras unsichtbar ist." Mit bloßem Auge seien sie kaum von normalen Kennzeichen zu unterscheiden.
Auch bei einem zweiten getesteten Satz zeigte sich eine Abweichung: Die Buchstaben waren besonders schmal gestaltet, was die Erkennung einzelner Zeichen zusätzlich erschwerte.
Fehlende Kontrollen bei Händlern
Nach Recherchen der "Daily Mail" genügt in Großbritannien eine einmalige Gebühr von rund 40 Pfund, um als offizieller Kennzeichenlieferant zugelassen zu werden. Eine Sicherheitsprüfung oder regelmäßige Kontrolle der Anbieter ist nicht vorgesehen.
Ein Bericht britischer Abgeordneter spricht von mehr als 34.000 registrierten Händlern, bei denen nur eine geringe Zahl durch die DVLA überprüft wird. Einige Anbieter bewarben ihre Produkte offen mit Begriffen wie "Ghost Plates" und lieferten sie ohne Nachweis des Fahrzeughalters aus.
Politische Reaktionen und Forderungen
Abgeordnete und Ermittlungsbehörden sehen in der Verbreitung solcher Schilder ein erhebliches Risiko. Manipulierte Kennzeichen könnten in Fällen von Kennzeichenklau, Verkehrsdelikten oder organisierter Kriminalität eingesetzt werden.
Die Labour-Abgeordnete Sarah Coombes forderte in der Zeitung: "Diese Recherche zeigt, wie leicht es ist, illegale Kennzeichen zu bekommen. Das System ist für Missbrauch offen, während Kontrollen und Sanktionen kaum greifen."
Die DVLA teilte mit, dass "strenge Gesetze für Kennzeichenanbieter und Identitätsprüfungen bei Käufern" gelten. Man arbeite mit Polizei und Handelsaufsicht zusammen und prüfe aktuell neue technische Standards, "um Kennzeichen zu verbieten, die gezielt zur Umgehung automatischer Erkennung entwickelt wurden".





