Kommentar zur Kritik an der Führerschein-Reform: Ist das alles, liebe Fahrschulen?

Kommentar zur Kritik an der Führerschein-Reform
Ist das alles, liebe Fahrschulen?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.02.2026
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Stadtratte via Getty Images

Endlich. Statt nur Symptome zu bekämpfen, geht es dem teuren Führerschein an den Kragen – und damit auch dem tradierten Fahrausbildungssystem. Digitalisierung: check. Simulator-Fahrten: check. Preistransparenz: check. Weniger Fahrten, weniger Fragen, weniger Formalien: check, check, check. Laien-Ausbildung: ebenfalls vorgesehen – auch wenn sich am Horizont ein neues Bürokratiemonster andeutet. Der Zeithorizont? Könnte schneller sein. Aber irgendetwas ist schließlich immer.

Kategorische Ablehnung

Die konkreten Reformvorschläge von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sind keine 24 Stunden alt, da formiert sich massiver Widerstand. Der Vize-Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Kurt Bartels, spricht von einem "massiven Angriff auf die Verkehrssicherheit". Richard Goebelt vom TÜV-Verband warnt vor einer "Fahrprüfung light". Auch der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, Manfred Wirsch, stellt klar, "exklusives Lernen per App" lehne man "kategorisch" ab.

Dabei ist der Reformkurs seit Oktober 2025 in seinen Grundzügen bekannt. Neu sind die Argumente nicht. Was hingegen auffällt: Eigene Lösungsvorschläge bleiben aus. Wo sind die Reformideen aus dem System? Wo die strukturellen Alternativen? Zu hören war zuletzt vor allem die Forderung nach einem staatlichen Zuschuss von 500 Euro pro Führerschein. Das würde kurzfristig entlasten, wäre aber so nachhaltig wie das Merken der Bremsweg-Formel.

Wer hat die Verantwortung?

Der Führerschein kostet inzwischen 3.000 Euro und mehr. Gleichzeitig sind die Durchfallquoten seit Jahren hoch: rund 40 Prozent bei der Theorieprüfung, etwa 30 Prozent bei der praktischen Prüfung. Das sind keine Ausreißer, sondern stabile Größen.

Damit stellt sich eine zentrale Frage: Wer trägt Verantwortung für diese Quoten?

Es ist zu einfach, sie ausschließlich der aktuellen Schülergeneration zuzuschreiben. Wenn ein System über Jahre hinweg hohe Wiederholungsraten produziert, gehört auch seine Struktur auf den Prüfstand – Unterrichtsformate, Prüfungsdidaktik, organisatorische Rahmenbedingungen. Möglicherweise gehen die Reformen hier noch nicht weit genug. Doch wer sie grundsätzlich ablehnt, sollte darlegen, wie das bestehende Modell die Durchfallquoten senken und die Kosten stabilisieren will.

Denn mit unveränderten Wiederholungsraten wird der Führerschein kaum günstiger. Ganz im Gegenteil: Ein System, das sich finanziell, organisatorisch und didaktisch zunehmend von seiner Zielgruppe entfernt, schafft sich über kurz oder lang selbst ab.

Der Kommentar gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und ist nicht zwingend auch die Haltung der Redaktion oder des Verlags.

Fazit