Für Autofahrer treffen damit zwei gegenläufige Entwicklungen aufeinander, deren Zusammenspiel über die Kraftstoffpreise entscheidet.
Seit dem 1.1.2026 wird der CO₂-Preis für fossile Kraftstoffe nicht mehr als fixer Betrag festgelegt. Stattdessen erfolgt die Preisbildung erstmals über die Versteigerung von Emissionszertifikaten. Für das laufende Jahr gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid. Damit hat sich nicht nur das Preisniveau verändert, sondern auch das System der CO₂-Bepreisung selbst.
Für Benzin kann der CO₂-bedingte Aufschlag gegenüber dem Vorjahr um bis zu rund drei Cent pro Liter steigen, bei Diesel liegt der mögliche Mehrpreis etwas darüber. Diese Steigerung bezieht sich auf den gesamten CO₂-Aufschlag seit Einführung der Bepreisung im Jahr 2021. Wie stark sich der Effekt im Alltag zeigt, hängt weiterhin von Faktoren wie dem Rohölpreis, den Raffineriekosten, steuerlichen Rahmenbedingungen sowie regionalen Marktstrukturen ab.
Preisbildung im Jahr 2026 und Auswirkungen für Autofahrer
Im laufenden Jahr erwerben Kraftstoffanbieter die benötigten CO₂-Zertifikate innerhalb des Korridors von 55 bis 65 Euro je Tonne. Maßgeblich ist dabei, wie hoch die Nachfrage nach Zertifikaten ausfällt und zu welchen Preisen diese bei den Auktionen erzielt werden.
Bei einem mittleren Preisniveau ergibt sich für Benzin ein CO₂-Anteil von rund 17 Cent pro Liter, für Diesel von etwa 19 Cent. Diese Werte beziehen sich auf den gesamten CO₂-bedingten Aufschlag gegenüber dem Ausgangsniveau von 2021. Am oberen Ende des Korridors liegen die Beträge entsprechend höher. Nach Angaben der Bundesregierung soll dieser Preiskorridor auch 2027 gelten.
Der CO₂-Aufschlag ist dabei nur ein Bestandteil des Endpreises. Schwankungen an den internationalen Rohölmärkten oder Veränderungen bei Steuern und Abgaben können den Effekt verstärken oder abschwächen.
Wie sich der CO₂-Preis beim Tanken zusammensetzt
Die nationale CO₂-Bepreisung wird seit 2021 auf fossile Brennstoffe erhoben. Zum Start lag der Preis bei 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Diese erste Stufe verteuerte Super E10 im Durchschnitt um etwa sieben Cent pro Liter, Diesel um rund acht Cent.
2022 wurde der Satz auf 30 Euro je Tonne angehoben. Der CO₂-Anteil stieg damit auf rund 8,4 Cent bei Benzin und etwa 9,5 Cent bei Diesel. Die für 2023 vorgesehene Erhöhung setzte die Bundesregierung infolge der Energiekrise aus, der Preis blieb in diesem Jahr unverändert.
Seit 2024 wird der ursprünglich vorgesehene Stufenpfad wieder umgesetzt. Der CO₂-Preis stieg zunächst auf 45 Euro je Tonne, 2025 folgte der nächste Schritt auf 55 Euro. Mit dem Übergang zum Auktionsmodell im Jahr 2026 entfällt erstmals eine feste staatliche Preisvorgabe.
Ölpreise sinken trotz geopolitischer Spannungen
Parallel zur höheren CO₂-Bepreisung hat sich der Ölpreis zum Jahresbeginn 2026 verbilligt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent lag Anfang Januar bei rund 60 US-Dollar, die US-Sorte WTI notierte bei etwa 57 US-Dollar. Damit reagierten die Märkte entgegen dem üblichen Muster, bei dem politische Spannungen in ölreichen Regionen häufig zu steigenden Preisen führen.
Auslöser ist die Erwartung eines zusätzlichen Angebots auf dem Weltmarkt. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump signalisiert, die venezolanische Ölindustrie wieder stärker in den globalen Markt integrieren zu wollen. Im Raum stehen Investitionen US-amerikanischer Unternehmen sowie eine schrittweise Lockerung von Sanktionen.
Venezuelas Rolle auf dem Weltölmarkt
Venezuela verfügt über die weltweit größten bekannten Erdölreserven und ist Gründungsmitglied der OPEC. Die tatsächliche Fördermenge liegt jedoch seit Jahren deutlich unter dem Potenzial. Unter Präsident Nicolás Maduro verfiel ein Großteil der Förder- und Raffinerieinfrastruktur, die Produktion sank und Exporte gingen stark zurück.
Während Venezuela in den 1970er Jahren noch mehr als 3,5 Millionen Barrel pro Tag förderte, lag die Tagesproduktion in den 2010er Jahren zeitweise unter zwei Millionen Barrel. Für 2025 wurde sie im Schnitt auf rund 1,1 Millionen Barrel pro Tag geschätzt.
Marktbeobachter rechnen damit, dass bereits eine teilweise Rückkehr venezolanischer Ölmengen den globalen Angebotsdruck erhöht. Rohstoffanalysten gehen davon aus, dass eine Lockerung der Sanktionen kurzfristig mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag zusätzlich auf den Markt bringen könnte.
Erwartete Effekte auf den Ölpreis
An den Märkten wird derzeit abgewogen, ob mögliche kurzfristige Produktionsausfälle durch politische Unruhen langfristig durch ein höheres Angebot aus Venezuela überkompensiert werden. Entsprechend gaben die Ölpreise bereits nach.
Zusätzlich beobachten Investoren die Lage in weiteren OPEC-Staaten, insbesondere im Iran. Auch hier spielen politische Signale aus Washington eine Rolle bei der Einschätzung möglicher Angebotsrisiken.
Für Verbraucher bedeutet das: Sinkende oder stabile Rohölpreise können den Preisdruck an der Zapfsäule dämpfen, auch wenn der CO₂-Anteil steigt. Ob dieser Effekt anhält, hängt maßgeblich davon ab, ob die angekündigten Investitionen und Förderausweitungen tatsächlich umgesetzt werden.
mehr tanken-App hilft beim Spritsparen
Um ein wenig die Kraftstoffkosten zu minimieren, sollten Autofahrer nach Möglichkeit die Schwankungen der Kraftstoffpreise im Tagesverlauf nutzen.
Für eine aktuelle Übersicht bietet sich unsere kostenlose Spritpreis-App "mehr tanken" (Google Play-Store oder Apple App-Store) an, die die aktuellen Kraftstoffpreise, eine Preis-Prognose und günstige Tankstellen in der Nähe anzeigt. Dort finden auch E-Auto-Fahrer Ladepunkte und deren Preise.
Übergang zum europäischen Emissionshandel ab 2028
Ab 2028 soll die nationale CO₂-Bepreisung durch den europäischen Emissionshandel für den Verkehrs- und Gebäudesektor ersetzt werden. Dieses System, bekannt als ETS II, sieht eine vollständige Marktpreisbildung ohne festen Preiskorridor vor. Der Start war ursprünglich für 2027 vorgesehen und wurde um ein Jahr verschoben.
Wie hoch der CO₂-Preis im Rahmen des ETS II ausfallen wird, ist derzeit offen. Einschätzungen gehen davon aus, dass das europäische Preisniveau zunächst unter dem bisherigen deutschen liegen könnte. Mittel- bis langfristig sind jedoch deutliche Anstiege möglich, insbesondere nach 2030.











