BMW verkauft seine Autos in China häufig deutlich günstiger als in Deutschland. Das zeigt nicht nur der neue iX3, der als Langversion mit bis zu 469 PS in China für umgerechnet gut 43.000 Euro angeboten wird, während der entsprechende iX3 50 xDrive in Deutschland 70.900 Euro kostet. Auch bei anderen Baureihen sind die Preisunterschiede erheblich.
Für den Vergleich haben wir die chinesischen Listenpreise vergleichbarer Fahrzeuge in Yuan mit einem einheitlichen Wechselkurs von rund 7,84 Yuan je Euro umgerechnet. Die deutschen Werte entsprechen den jeweiligen Listenpreisen. Doch Vorsicht: Die Ausstattungen stimmen nicht immer direkt überein – in China haben die Autos oft mehr an Bord und meist sogar längere Radstände. Dennoch ist die Größenordnung der Preisvorteile bemerkenswert.
Im Schnitt 15 – 20.000 Euro günstiger
BMW hat seine Preise in China Anfang 2026 bei zahlreichen Modellen teilweise deutlich reduziert, um auf den zunehmenden Preisdruck des chinesischen Marktes zu reagieren. Beim 2er wurden die Einstiegspreise beispielsweise um rund 20 Prozent gesenkt. Beim i5 liegen mittlerweile fast 24.000 Euro zwischen den Märkten. Das entspricht rund einem Drittel des deutschen Listenpreises. Auch beim iX1 beträgt der Abstand mehr als 20.000 Euro. Ein chinesischer Kunde zahlt für den elektrischen Kompakt-SUV damit rund 40 Prozent weniger als ein deutscher. Beim X3 und beim 2er Gran Coupé ist das Bild ähnlich.
Der Preisunterschied lässt sich allerdings nicht allein mit unterschiedlichen Steuern oder Produktionskosten erklären. Denn bei mehreren Baureihen unterscheidet sich das chinesische Modell auch technisch oder bei der Ausstattung vom deutschen Pendant. Besonders deutlich wird das beim X3. BMW bietet ihn in China als Langversion an. Der zusätzliche Radstand kommt vor allem den Fondpassagieren zugute. Der chinesische X3 ist damit größer als das Modell, das deutsche Kunden bekommen – und kostet in der Basis trotzdem umgerechnet nur rund 40.500 Euro. Der günstigste Neuwagen von BMW kostet in China umgerechnet etwas über 25.000 Euro – dabei handelt es sich um den 2er Gran Coupé.
Verbrenner und Elektroautos gleichermaßen
Auch bei den Elektroautos ist der Preis nicht mit einem abgespeckten China-Modell zu erklären. BMW stattet seine Fahrzeuge dort teilweise mit Funktionen serienmäßig aus, die in Deutschland zusätzlich bezahlt werden müssen. Beim neuen iX3 gehören unter anderem beheizbare Vorder- und Rücksitze, belüftete Vordersitze, eine Massagefunktion für den Fahrersitz, Drei-Zonen-Klimaautomatik und ein Harman/Kardon-Soundsystem zum Serienumfang.
Und die chinesischen Langversionen bieten bei den Elektroautos teils mehr Platz für zusätzlichen Batteriespeicher. Der iX3 50L xDrive kommt beispielsweise auf 113 kWh und 469 PS und kostet umgerechnet rund 43.200 Euro. In Deutschland kostet der iX3 50 xDrive mit 108 kWh im Akku 70.900 Euro. Der Grund liegt vor allem im völlig anderen Wettbewerbsumfeld. China ist für BMW zwar einer der wichtigsten Einzelmärkte, gleichzeitig ist der Konzern dort besonders stark unter Druck geraten. Vor allem bei Elektroautos konkurriert BMW nicht mehr nur mit Mercedes, Audi oder Tesla, sondern vor allem mit chinesischen Premium-Marken.
Premium-Konkurrenz aus China
Mit BYD, Xiaomi, Nio, Li Auto und vielen anderen gibt es genügend chinesische Hersteller, die Fahrzeuge mit hohem Ausstattungs-Level, moderner Software und zunehmend überzeugender Elektroantriebstechnik zu vergleichsweise niedrigen Preisen anbieten. Deutsche Logos auf der Fronthaube – wie das weißblaue von BMW – zählen dabei längst nicht mehr so stark. Made in China gilt bei den Kunden nicht mehr automatisch als Qualitätsnachteil, denn chinesische Hersteller haben deutsche bei Software, Batterietechnik und Ausstattung nicht selten überholt.
Für BMW bedeutet das: Die Münchner müssen in China mit den Preisen ihrer Konkurrenten leben, wenn sie beim Absatz wieder zulegen wollen. In Deutschland und Europa ist die Wettbewerbssituation eine andere. Hier kann BMW seine Position als etablierter Premiumhersteller wesentlich stärker über den Preis monetarisieren.
Beim M3 dreht sich das Bild plötzlich um
Bis hierhin scheint die Sache eindeutig: BMW ist in China billiger. Doch genau das stimmt eben nicht für alle Modelle. Ausgerechnet M2 oder M3 bilden eine bemerkenswerte Ausnahme. Für den M3 Competition werden in China rund 863.900 Yuan aufgerufen. Mit demselben Wechselkurs entspricht das etwa 110.200 Euro. In Deutschland kostet der M3 Competition dagegen 102.700 Euro. Damit ist der M3 in China nicht günstiger, sondern rund 7.500 Euro teurer.
Das liegt auch an Chinas-Steuervorteilen für Fahrzeuge mit bis zu zwei Litern Hubraum. Für die gilt ein moderater Satz von bis zu fünf Prozent. Für sportliche oder großvolumige Autos mit drei oder mehr Litern Hubraum steigt der Steuersatz sprunghaft auf 25 Prozent an. Das macht den M3 dort besonders teuer. Das gilt übrigens erst recht, wenn der Preis mit Ausstattung auf über 1,3 Millionen Yuan (ca. 165.000 €) steigt. Dann wird zusätzlich eine Luxussteuer von 10 Prozent erhoben.
Kann ich ein China-BMW in Deutschland zulassen?
Der große Preisvorteil der China-BMWs lässt sich allerdings nicht einfach nach Deutschland übertragen. Wer einen ausschließlich für den chinesischen Markt gebauten BMW importiert, muss neben Transport, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer auch die deutsche Zulassung berücksichtigen. Fehlt die EU-Typgenehmigung und damit das europäische CoC, ist in der Regel eine Einzelgenehmigung nach § 21 StVZO erforderlich.
Damit schrumpft der auf dem Papier enorme Preisvorteil deutlich. Hinzu kommt, dass China-Versionen bei Beleuchtung, Assistenzsystemen, Software oder Ladetechnik von den europäischen Varianten abweichen. Die in Euro umgerechneten chinesischen Listenpreise sind deshalb vor allem ein interessanter Marktvergleich – nicht der Betrag, für den ein deutscher Kunde den entsprechenden BMW tatsächlich auf die Straße bekommt.





