Radikal-Vorschlag zu VW-Sanierung: Nur zwei Werke sollen überleben

Radikal-Vorschlag zu VW-Sanierung
Nur zwei Werke sollen überleben

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.03.2026
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VW-Werk Wolfsburg
Foto: Gregor Hebermehl

Demnach könnten langfristig nur noch zwei große Autowerke in Deutschland übrig bleiben. Der Vorschlag stammt aus einer Analyse der Unternehmensberatung McKinsey und hat im Konzern sowie beim Betriebsrat deutliche Reaktionen ausgelöst.

Ausgangspunkt ist die wirtschaftliche Lage des Herstellers. Volkswagen hatte zuletzt einen deutlichen Gewinneinbruch gemeldet. Gleichzeitig steigen die Kosten, während der Wettbewerbsdruck insbesondere durch Hersteller aus China zunimmt. Vorstandschef Oliver Blume hat deshalb eine umfassende Überprüfung von Strukturen, Kosten und Produktionskapazitäten gestartet.

Szenario sieht nur Wolfsburg und Ingolstadt vor

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung sowie Berichten des "Spiegel" wurde im Rahmen der Beratungen zeitweise das radikale Zwei-Werke-Szenario diskutiert.

Genannt wurden Wolfsburg und Ingolstadt. Andere Werke des Konzerns, darunter Zwickau, Emden, Hannover oder Leipzig, würden in diesem Szenario infrage gestellt. Auch Produktionsstandorte einzelner Marken könnten betroffen sein, darunter Werke der Premium-Tochter Porsche. Mehrere mit den Beratungen vertraute Personen bestätigten laut "Bild", dass ein solches Modell intern vorgestellt worden sei.

Osnabrück im besonderen Fokus

Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit auch dem Werk Osnabrück. Dort endet die Produktion des T-Roc Cabrio. Ohne ein neues Fahrzeugprojekt droht dem Standort eine Unterauslastung. Volkswagen führte deshalb Gespräche mit Rüstungsunternehmen über eine mögliche Nutzung des Werks.

Rheinmetall habe jedoch kein Interesse gezeigt. Als möglicher Interessent gilt derzeit der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, der dort Radpanzer produzieren könnte. Eine Entscheidung über die Zukunft des Standorts steht noch aus.

Vorschlag gilt intern als unrealistisch

Nach Angaben aus dem Umfeld der Beratungen wurde das Szenario innerhalb des Konzerns jedoch schnell als kaum umsetzbar bewertet. Werksschließungen gelten in Deutschland als politisch und arbeitsrechtlich sehr schwierig. Ein zentraler Faktor ist der starke Einfluss des Betriebsrats. Zudem gilt für neun der zehn deutschen Werke eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.

Der Betriebsrat reagierte entsprechend deutlich. Ein Sprecher der Betriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo erklärte gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Wir sind hier nicht bei Wünsche-dir-was."

Betriebsrat verweist auf Vereinbarungen

Die Arbeitnehmervertretung verweist darauf, dass die Beschäftigten bereits umfangreiche Zugeständnisse gemacht hätten. Ein Sprecher sagte: "Damit ist unsererseits also geliefert – und zwar vollumfänglich ohne Bedarf für Nachverhandlungen."

Zugleich fordert der Betriebsrat konkrete Schritte vom Vorstand. "Der Vorstand muss liefern!", erklärte der Sprecher weiter. Die Arbeitnehmerseite fordert außerdem, Spekulationen über mögliche Werksschließungen entschieden zurückzuweisen.

Parallel laufen weitere Sparanalysen

Unabhängig von diesem Szenario laufen im Konzern derzeit umfangreiche Analysen. Nach Berichten mehrerer Medien spielt dabei auch die Boston Consulting Group eine zentrale Rolle. Die Berater prüfen unter anderem Kostenstrukturen, Produktionsnetzwerke und die Modellpalette des Konzerns.

Intern wird über ein Sparziel von rund sechs Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 gesprochen. Das entspricht etwa 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Fazit