Volkswagen plant, zentrale Kompetenzen wie Softwareentwicklung und Plattformmanagement wieder in der Konzernzentrale in Wolfsburg zu bündeln. Diese Entscheidung markiert eine Abkehr von der bisherigen Strategie der Dezentralisierung, die den Marken und Tochtergesellschaften mehr Autonomie einräumte. Laut Handelsblatt ist dies ein zentraler Bestandteil der Konzernstrategie 2030, die darauf abzielt, Kosten zu senken, Entwicklungszeiten zu verkürzen und parallele Strukturen zu vermeiden.
Herausforderungen im Aufsichtsrat
Die geplante Zentralisierung trifft auf gemischte Reaktionen im Aufsichtsrat, wo Arbeitnehmervertreter und politische Akteure wie das Land Niedersachsen eine starke Position innehaben. Laut NDR haben diese Gruppen die Mehrheit im Gremium und können Entscheidungen blockieren. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat bereits signalisiert, dass sie Werksschließungen und Entlassungen nicht unterstützen wird. Diese Machtkonstellation könnte die Umsetzung der Pläne erheblich verzögern.
Technologische Neuausrichtung
Ein zentraler Aspekt der neuen Strategie ist die technologische Neuausrichtung. Volkswagen plant, zwei Betriebssystemstränge zu entwickeln: einen für den chinesischen Markt und einen für den Rest der Welt. Letzterer entsteht in Zusammenarbeit mit dem US-Elektroautobauer Rivian. Diese Maßnahmen sollen die technologische Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns stärken und gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Zulieferern reduzieren.
Historische Perspektive
Die Diskussion um Zentralisierung und Dezentralisierung ist bei Volkswagen nicht neu. Unter Ferdinand Piëch dominierte eine zentralisierte Steuerung, während spätere Vorstandsvorsitzende auf mehr Autonomie der Marken setzten. Oliver Blume scheint nun einen Mittelweg anzustreben, der die Vorteile beider Ansätze kombiniert. Laut Hans-Böckler-Stiftung ist dies ein typisches Merkmal der deutschen Automobilindustrie, die traditionell stark von Mitbestimmung und sozialen Kompromissen geprägt ist.
Auswirkungen auf die Mitbestimmung
Die geplante Zentralisierung könnte auch Auswirkungen auf die Mitbestimmungsstrukturen im Konzern haben. Eine stärkere Konzentration der Entscheidungsgewalt in der Zentrale könnte den Einfluss von Arbeitnehmergremien auf Markenebene reduzieren. Dies ist ein heikles Thema, da die Mitbestimmung bei Volkswagen historisch tief verwurzelt ist und als einer der Erfolgsfaktoren des Unternehmens gilt.





