MG ZS EV Gregor Hebermehl
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Elektro-SUV MG ZS EV im Fahrbericht

Dieser China-Kracher ist fast ein VW

Die chinesische Marke MG gehört VWs Joint-Ventrue-Partner SAIC. 2020 bringt sie ihr rein elektrisches SUV ZS EV nach Europa. Wir sind das Auto schon mal gefahren.

Gefällig, unaufgeregt, massentauglich: Die äußere Form des MG ZS EV passt nahtlos in den Reigen kompakter SUV, der aktuell durch Europa fährt. Mit Karosserieformen aus grauer englischer Vorzeit hat der Auftritt des ZS rein gar nichts zu tun – auch wenn die Chinesen zur Vorstellung ein paar MG aus den 1960er-Jahren mitgebracht haben – schließlich haben sie die Geschichte von MG mitgekauft.

Formal erinnert der ZS ein wenig an den VW Tiguan. Die Glitzer-Elemente im Frontgrill stammen hingegen eindeutig aus dem Ideen-Regal von Mercedes-Designchef Gorden Wagener, der so einen Grill vor Jahren erstmals für eine sportlich ausgestattete A-Klasse vorstellte. Ein kurzer Druck auf das große MG-Logo im Zentrum des Grills öffnet eine Klappe und gibt die Ladeanschlüsse frei. Am Heck fehlen natürlich die Insignien verbrennungsmotorischer Fortbewegung – es gibt keine Endrohre.

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Der chinesische Kompakt-Elektro-SUV kommt jetzt nach Deutschland - hier steht er in einer ehemaligen Zeche im belgischen Genk.

Gut verarbeitet

Die vorderen Sitze sitzen sich bequem und geben ausreichend Seitenhalt. Das Bezugsleder macht einen hochwertigen Eindruck, genauso wie die Nähte. Die MG-Verantwortlichen betonen nicht umsonst, dass man „viel mit VW“ zu tun habe – schließlich gehört MG zu SAIC, dem Joint-Venture-Partner von VW in China. Auch die Qualität der Oberflächen stimmt, selbst wenn sie aus Kunststoff sind. Das Lenkrad ist einem bequemen Einstieg zuliebe unten abgeflacht – und Komfort ist eines der Hauptthemen des ZS, wie MG betont. Nicht umsonst hat sich die Marke den Wahlspruch „Recharge yourself“ (Lade Dich wieder auf) gegeben.

Den ZS gibt es in der Basisausstattung Komfort und in der Topausstattung Luxus. Luxus beinhaltet das Schiebedach, das aber auch 1,88 Meter großen Personen noch genug Platz über dem Kopf lässt. Der Stoff des elektrischen Sichtschutz-Rollos lässt immer ein bisschen Licht durch, was den Innenraum auch bei geschlossenem Rollo heller macht. Die Instrumente bestehen links aus der Tachoskala und rechts aus einer Anzeige für den Fahrzustand, dort ist also zu sehen, ob der Antrieb gerade Energie verbraucht oder zurückgewinnt. Skalierung und Zahlen ähneln ein bisschen denen des Tachometers – hier wäre ein optisch noch klarere Unterscheidbarkeit wünschenswert. Die Gangwahl erfolgt wiederum super einfach: Für D den großen Drehknopf vorn in der Mittelkonsole bis ganz nach rechts drehen, für den Rückwärtsgang ganz nach links.

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Aufgeräumt: Das Cockpit des MG ZS EV.

Im Fond gibt es eine bequeme Rückbank und viel Platz für Kopf und Beine. Zum Öffnen des Kofferraums klappt man das große MG-Logo am Heck nach oben – als Belohnung gibt es einen unzerklüfteten Kofferraum-Ausschnitt und 448 Liter Stauraum auf einem auch bei umgeklappten Sitzlehnen ebenen Ladeboden.

Leichtgängige Lenkung

Startknopf drücken, den Zeigern beim Erwachen zuschauen, Gangwahl-Drehknopf bis zum Anschlag nach links und der ZS EV setzt sich bei sanftem Druck aufs Fahrpedal entspannt in Bewegung. Nur das Rubbeln der Reifen über Unebenheiten dringt ans Ohr – mit kleinen Unebenheiten kommt das Fahrwerk gut zurecht. Lange Wellen sind ebenfalls kein Problem, aber über kurze Rillen und Speed Bumper poltert der SUV vorwurfsvoll. Kurven meistert er wiederum unauffällig mit leichter und für diese Fahrzeugklasse nicht ungewöhnlicher Wankneigung.

Beim Lenkwiderstand haben sich die Ingenieure ganz bewusst für einen möglichst niedrigen Wert entschieden – und tatsächlich ist die Lenkung überdurchschnittlich leichtgängig. Sportlichen Fahrern dürfte dies zu viel Komfort sein, aber wer sich stressfrei durch die Stadt kurbeln möchte, kann sich daran gewöhnen. Zumal es in der Mittellage nur wenig Spiel gibt und die Richtungsvorgabe trotz aller Leichtgängigkeit präzise möglich ist.

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448 Liter passen in den Kofferraum des MG. Ladekante und Ladeschwelle sind recht hoch.

Das Bremspedal braucht man im ZS nicht unbedingt – auch bei ihm ist, wie bei vielen anderen Elektroautos, One Pedal Driving, also Fahren nur mit dem Fahrpedal, möglich. Geht der Fuß vom Fahrpedal, gewinnt das Antriebssystem Energie zurück, was den SUV automatisch abbremst. Die Stärke dieser sogenannten Rekuperation lässt sich in drei Stufen einstellen, selbst in der leichtesten ist bei vorausschauender Fahrt kein Bremseinsatz nötig.

Technische Daten MG ZS EV

Länge 4.314 mm
Breite 1.809 mm
Höhe 1.644 mm
Radstand 2.585 mm
Gewicht 1.518 kg
Zuladung 432 kg
Batteriekapazität 44,5 kWh
Ladezeit (Wechselstrom) zirka 7,5 h
Ladezeit auf 80 Prozent (Gleichstrom) zirka 40 min
Elektromotor Permanentmagnet-Synchronmotor (Hairpin Stator)
Leistung 105 kW (143 PS)
Drehmoment 353 Nm
Beschleunigung 0 - 100 km/h 8,2 s
Beschleunigung 0-50 km/h 3,1 s
Höchstgeschwindigkeit 140 km/h
Reichweite WLTP 263 km
Reichweite NEDC 335 km
Energieverbrauch NEDC 13,8 kWh/100 km
Kofferraumvolumen 448 l

Ganz normale Assistenten

Eine ganze Assistenten-Schar ist beim ZS schon im Preis mit drin. Auch hier betonen die chinesischen Ingenieure ihre Zusammenarbeit mit deutschen Zulieferern. So hat man beispielsweise den adaptiven Abstandstempomaten gemeinsam mit Bosch entwickelt. Die Bedienung des Tempomaten erfolgt über den unteren linken Lenkrad-Satelliten – er regelt den Abstand sanft und zuverlässig. Der Spurhalte-Assistent sieht den SUV gar nicht gern in der Nähe von weißen Linien – recht früh lenkt er von diesen weg. Wen das stört, der drückt den Knopf am Ende des oberen linken Satelliten. Insgesamt sollen die Assistenten autonomes Fahren nach Level 2,5 ermöglichen – vollautonom wäre Level 5. In seinen Testzentren erforscht MG auch vollautonomes Fahren. Ob dies überhaupt irgendwann möglich sein wird, dazu möchten die chinesischen Ingenieure keine Prognose wagen.

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Der Elektromotor leistet 105 Kilowatt (143 PS).

Unaufgeregter Elektroantrieb

Für den Antrieb ist im ZS EV ein Elektromotor mit einer Leistung von 105 Kilowatt (143 PS) zuständig. Das Aggregat hat eine Gemeinsamkeit mit dem Motor aus Porsches neuem Elektrosportwagen Taycan: Die Kupferdrähte der Stator-Spule haben einen viereckigen Querschnitt. Dank dieser so genannten Hairpin-Technologie kommt auf gleichem Bauraum mehr Kupfer zusammen, was bei einem Elektromotor mehr Leistung und mehr Drehmoment bedeutet. Der Antrieb des ZS EV ist nur beim Beschleunigen leise zu hören, ansonsten übernehmen Abroll- und Windgeräusche die Regie. Die Beschleunigung lässt sich über das Fahrpedal fein dosiert steuern und die für Elektrofahrzeuge typische Spurtkraft aus dem Stand heraus bietet auch der ZS. Dies ist beispielsweise im von einer Kreisverkehr-Epidemie befallenen Umland der belgischen Hauptstadt Brüssel von Vorteil: Ein kräftiger Tritt aufs Fahrpedal und der SUV springt in die Lücke auf dem Kreisverkehr-Karussell. In 8,2 Sekunden huscht er auf Tempo 100, als Höchstgeschwindigkeit sind allerdings lediglich 140 km/h drin.

MG ZS EV im Video (2019)
2:34 Min.

Während der Fahrt weht von der Gegenspur Benzingeruch herein – das löst im Elektro-SUV genauso ein komisches Gefühl aus wie die reflexartige Kontrolle der Spritpreise an der nächsten Tankstelle, die einen jetzt nichts mehr angehen. Die mit 44,5-Kilowatt eher kleine Batterie sorgt für eine WLTP-Reichweite von 263 Kilometern – gemessen an der Fahrzeuggröße ist das eher knapp. Zum Vergleich: Die elektrischen Kleinstwagen des Volkswagen-Konzerns (VW eUp, Skoda Citigo eIV, Seat Mii Electric) schaffen 265 Kilometer. Eine Gleichstrom-Aufladung des MG auf 80 Prozent dauert mindestens 40 Minuten, zehn Minuten bei voller Kraft laden soll 60 bis 80 zusätzliche Kilometer bringen.

Günstiger Einstieg, günstiger Luxus

Der MG ZS EV kommt in der ersten Hälfte 2020 nach Deutschland. Man kann ihn online bestellen und sich dann beispielsweise in Pop-up Stores abholen. MG verspricht, dass man immer genügend Autos vorrätig habe – lange Wartezeiten müsse kein Kunde befürchten. Und der Preis ist eine Ansage: 30.000 Euro gehen für das gut ausgestattete Basismodell „Komfort“ an MG, die vollausgestattete Luxus-Variante schlägt mit 32.000 Euro zu Buche.

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Fazit

MG hat mit dem alten englischen Autohersteller nichts mehr zu tun: Konzernmutter ist die chinesische SAIC Motor, von der wiederum VW ein Joint-Venture-Partner ist. Folglich erinnert einiges an dem ZS EV an Volkswagen.

Der MG ZS EV ist ein relaxter Kompakt-Elektro-SUV. Von außen erinnert er trotz Mercedes-Grill an VW, innen ist er gut verarbeitet und bietet viel Platz. Beim Fahren ist der MG komfortabel mit sehr leichtgängiger Lenkung, kurze Querrillen hat er allerdings nicht so gern. Der Motor sorgt für spritzigen Antrieb in der Stadt, wobei sich die Kräfte prima dosieren lassen. Die Batterie-Kapazität qualifiziert den MG-SUV aber eher für kürzere Strecken. Das relativiert den günstigen Preis: 30.000 Euro für ein gut oder 32.000 Euro für ein top ausgestattetes kompaktes Elektro-SUV sind aber trotzdem eine Ansage.

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