BMW M oder Hyundai N zeigen seit Jahren, wie man eine Marke emotional auflädt: mit eigenständiger Technik, Motorsport-DNA und klarer Differenzierung vom Basismodell. Beide Marken stehen für ambitionierte Performance-Divisionen, die weit mehr sind als nur Ausstattungspakete. Sie sind Imageträger, Technologielabore und Begehrlichkeitsverstärker zugleich. Genau in diese Richtung könnte nun auch BYD denken.
Australien als Impulsgeber
Die australische Niederlassung des chinesischen Herstellers drängt intern auf den Aufbau einer echten Performance-Submarke. Sie soll sich nicht nur mit BMW M oder Hyundai N messen, sondern auch mit etablierten Sportablegern wie Toyota Gazoo Racing oder Nismo von Nissan. Noch handelt es sich um eine strategische Diskussion, doch der Anspruch ist klar formuliert: keine optischen Spielereien, sondern technisch fundierte Hochleistungsvarianten mit globaler Relevanz.
Sajid Hasan, Chief Product Officer von BYD Australia, macht im Interview mit den Kollegen von carsales.com keinen Hehl daraus, dass er eine solche Submarke aktiv vorantreibt. Entscheidend sei jedoch, dass sie nicht als australisches Sonderprojekt entstehe. Erfolgreiche Performance-Marken würden immer vom Heimatmarkt aus entwickelt und international skaliert. Eine rein lokale Lösung mit begrenzter Produkttiefe komme daher nicht infrage. Wenn BYD Performance anbietet, dann mit substanziellen technischen Eingriffen – Fahrwerk, Antrieb, Kühlung, Software und Gesamtfahrzeugabstimmung eingeschlossen.
BYD und Yangwang haben Know-How
Dass der Konzern technologisch dazu in der Lage wäre, zeigt ein Blick auf die 2023 offiziell vorgestellte Luxusmarke Yangwang. Während die Kernmarke BYD vor allem das Volumen- und Mittelklassesegment bedient, positioniert sich Yangwang klar im Super-Luxusbereich – häufig zu Preisen von über einer Million Yuan, also umgerechnet rund 130.000 bis 150.000 Euro. Ziel ist es, das Portfolio nach oben abzurunden und gleichzeitig die Technologie voranzutreiben.
Herzstück der Marke ist die E4-Plattform mit vier unabhängigen Elektromotoren – je einer pro Rad. Dieses Layout ermöglicht ein extrem präzises Torque Vectoring und eröffnet fahrdynamische Freiheitsgrade, die konventionelle Allradsysteme kaum erreichen. Ergänzt wird das Ganze durch das DiSus-X-Fahrwerk, das spektakuläre Funktionen erlaubt: Fahrzeuge können auf drei Rädern fahren, auf der Stelle wenden ("Tank Turn") oder sich aktiv anheben und absenken. Beim SUV ist sogar eine Notfall-Schwimmfunktion integriert.
Das erste Modell, der Yangwang U8, tritt als massiver Luxus-Offroader gegen etablierte Ikonen an und mobilisiert über 1.100 PS. Noch extremer positioniert sich der rein elektrische Yangwang U9, ein Hypercar mit nahezu 3.000 PS, das sich selbstbewusst mit Supersportwagenherstellern misst. Ergänzt wird das Portfolio durch die Luxuslimousine Yangwang U7, die im Segment von Mercedes EQS oder BMW i7 antritt. Für BYD ist Yangwang damit weniger Volumenbringer als vielmehr ein Imageträger: Man demonstriert, dass man nicht nur effiziente Batterien und preislich attraktive E-Autos baut, sondern auch im absoluten Highend-Bereich technologisch mithalten kann.
Sport im Mainstream-Segment
Genau hier setzt die Diskussion um eine Performance-Submarke an. Während Yangwang das obere Extrem abdeckt, fehlt BYD bislang ein sportliches Aushängeschild im Mainstream-Bereich – also jenes Segment, in dem BMW M oder Hyundai N ihre Strahlkraft entfalten. Kandidaten gäbe es durchaus. Ein sportlich positionierter Seal 06 GT etwa könnte als elektrischer Hot Hatch eine Rolle spielen, ebenso leistungsstärkere Varianten des Shark-Pick-ups mit Blick auf Wettbewerber wie den Ford Ranger Raptor.
Auch ein Engagement im Motorsport gilt als denkbarer Baustein. Wettbewerb als Entwicklungsplattform, Technologietransfer in die Serie und eine klare narrative Klammer – genau das hat Marken wie BMW M oder Hyundai N stark gemacht. Ob BYD diesen Weg tatsächlich einschlägt, ist offen. Klar ist jedoch: Die technologische Basis ist vorhanden, das finanzielle Selbstbewusstsein sowieso.
