Mercedes-Benz S 680 GUARD 4MATIC 2021 Bade-Baden Airpark Tom König
Mercedes-Benz S 680 GUARD 4MATIC 2021 Bade-Baden Airpark
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Mercedes-Benz S 680 GUARD 4MATIC 2021 Bade-Baden Airpark 20 Bilder

Fahrbericht Mercedes S 680 Guard 4Matic

Mercedes S 680 Guard 4Matic Unterwegs mit 4,2 Tonnen Sicherheit

Gepanzert fast wie ein Leopard, angetrieben an allen Vieren wie eine Raubkatze und unter der Haube einen Zwölfender fährst Du sicher wie in Abrahams Schoß, oder? Probefahrt im S 680 Guard 4Matic.

Das allersicherste Auto der Welt? Das dürfte wohl die gepanzerte Version der Mercedes S-Klasse sein. Drinnen ist alles so fürstlich, draußen lässt sie sich nicht einmal von 12,5 Kilo Sprengstoff so richtig erschüttern. Wir fahren den Guard, der mit 4,2 Tonnen etwa doppelt so viel wiegt wie eine unarmierte S-Klasse und mit 543.950 Euro gut doppelt so viel kostet wie einer dieser gewöhnlichen Maybach 680 V12.

Zertifiziert vom Beschussamt

Also nein, beim Guard, da geht es nicht um die herkömmliche Straßenkriminalität, sowas wie Räubersleut‘ auf Motorrädern, die an roten Ampeln die Tür aufreißen und das Handtäschchen der Gnädigen vom Rücksitz stibitzen. Wir reden da von Scharfschützengewehren mit Stahlhartkern und Brandsatz oder eben über 12,5 Kilogramm Sprengstoff. All dem widersteht die Guard-Version der S-Klasse, wie das staatliche Beschussamt in Ulm zertifiziert. Doch, das gibt es wirklich, und die haben allein mit 300 Kugeln auf die S-Klasse gefeuert. Weil den Passagieren drinnen dabei nichts passiert wäre – und dem Dummy drin nichts passierte -, erreicht der Guard die höchste zivile Resistenzklasse namens VR10. Alles darüber geht schon ins Militärische und fällt unter die Gesetzgebung für Kriegswaffen-Exporte.

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Hat Ähnlichkeit mit der Schaltzentrale des Filmautos K.I.T.T.

Gut zwei Tonnen Armierung stecken in der S-Klasse, aber eben nicht irgendwie, sondern als integraler Bestandteil. Man kann sich das so vorstellen: Es gibt einen gepanzerten Sicherheitskäfig, über den dann die Karosserieteile der S-Klasse gelegt werden wie eine Silhouette. Die Guard-Modelle panzert Mercedes vom Rohbau aus – nahtlos bis in die kleinste Fuge. Das wiederum kann bei nachträglich gepanzerten Autos nicht in derselben, kompletten Lückenlosigkeit gelingen.

Scheiben wiegen zwei, Türen vier Zentner

Nun mal noch ein paar Zahlen: Die Frontscheibe wiegt 120 Kilogramm, die Heckscheibe 100, jede Tür mit Seitenscheiben 200 Kilogramm. Deswegen hilft jeweils ein Aktor pro Tür beim Öffnen und Arretieren – sonst wäre ein Personenwächter allein schon damit beschäftigt, oder auch schlicht überfordert, wenn das Auto zu schräg steht.

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In der Front lässt sich Blaulicht integrieren.

So aber gelingt das Öffnen der Tresorfahrertür erstaunlich leicht – du ahnst ihre Masse schon wegen der Dicke, doch sie lässt sie dich nicht spüren. Und genau darin liegt das gesamte Wesen des Guard. Drinnen ist er wegen des zusätzlichen Platzbedarfs der breiten Panzer-Seitenscheiben ein wenig schmaler als eine normale S-Klasse, und klar, ein bisschen beengt und verzerrt auch das Panzerglas mit den breiten Rahmen die Sicht. Aber für all die wichtigen, gefährdeten Menschen im Fond bietet sie dieselbe umfassende Luxus-, Infotainment- und Wellnessbehaglichkeit.

Keine Luft im Reifen? Kein Problem!

Nun aber mal den Startknopf drücken, und der Motor startet. Unhörbar, weil das Auto ja fast hermetisch gedämmt ist. Dazu aber auch, weil es der V12, den es derzeit nur für den Maybach und den Guard gibt, solch grandiose Manieren hat. Und 612 PS. Und 830 Newtonmeter. Die beide keineswegs schaden, gilt es, dich in den 4,2 Tonnen S-Klasse voranzubringen – und zwar im Ernstfall vor allem eilig aus der Gefahrenzone. Man darf den großen Motor also durchaus als Sicherheitsmaßnahme verstehen wie auch das dem Gewicht angepasst, verstärkte Fahrwerk oder die PAX-Reifen von Michelin. Knapp ein Zentner wiegt ein Rad, dafür kann der S 680 damit aber auch bis zu 30 Kilometer weit und bis zu 80 km/h schnell ohne Luft in den Reifen auf einem Vollgummi-Notlauf-Steg weiterfahren. Das gelingt, wie wir später probieren, erstaunlich gut, man merkt es nur in einer leichten Schummrigkeit in der Lenkung. Wobei dir wahrscheinlich eh ein wenig schummrig ist in Situationen, in denen du ohne Luft in den Reifen davonjagst.

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Fast 50 Kilogramm bringt ein Rad mit Vollgummi-Notlauf-Steg auf die Waage.

Wie eine S-Klasse mit viel Urlaubsgepäck

Natürlich besteht die größte Sensation der S-Klasse Guard in ihrer Sicherheit (Freunde, die habe uns Filme gezeigt, wie die 12,5 Kilo Sprengstoff an der Seite, unter dem Auto und auf dem Dach losgehen, da denkst du, dass es keiner überleben kann, aber tatsächlich stiegest du danach unverletzt aus). Aber ebenfalls grandios: Wie die S-Klasse fährt. Klar spürst du das Gewicht, der Guard schiebt früher und intensiver ins Untersteuern. Aber es fühlt sich eben so an, wie wenn unsereins mit vollgepacktem Auto in den Urlaub fährt. Die Wucht des Antriebs kommt erstaunlich locker mit dem Gewicht zurecht. Die geschmeidige Lenkung wirkt nicht gar so hochpräzise, aber das mag auch einfach an den Rädern liegen. Ja, so 400, 500 Kilo Mehrgewicht, danach fühlt es sich an, aber nicht so, als drücke da das Gewicht einer V-Klasse auf die Vorderachse. Und einer weiteren V-Klasse auf die Hinterachse. Dazu bleibt der Guard selbst beim schnellen Spurwechsel leicht beherrschbar, denn das haben uns die Mercedes-Jungs ebenso ausprobieren lassen wie Vollbremsungen. Voran geht es übrigens bis 190 km/h – weil der Guard so schwer ist, wird er da eingebremst. Aus – wie könnte es anders sein – Gründen der Sicherheit.

Umfrage

V12-Motoren sind ....
2458 Mal abgestimmt
... absolut nicht mehr zeitgemäß.
... immer noch die Spitze im Motorenbau.

Fazit

Diesseits einer Airforce One dürfte der S 680 Guard zu den wohl  luxuriösesten, sichersten und schnellsten Orten der Welt zählen. Ob wir gerne einen hätten, wegen des V12, der 612 PS, der 830 Nm? Nun, zum Glück brauchen wir das nicht, also doch lieber eine normale S-Klasse, dafür ohne Gewehr.

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