Nico Hülkenberg - 24h Le Mans 2015 - Sonntag - 14.06.2015 xpb
Impressionen - 24h-Rennen Le Mans 2015 - Samstag - 13.6.2015
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24h Le Mans 2015 (Rennen) Porsche schlägt Audi in Le Mans

Es war eine der größten Schlachten, die Le Mans je gesehen hat. 14 Stunden lang lieferten sich je zwei Audi und zwei Porsche einen Vierkampf auf Biegen und Brechen. Dann setzte sich der Porsche der Youngster durch. Weil sie die schnellsten Runden drehten und keine Fehler machten.

Die 24 Stunden von Le Mans erlebten in diesem Jahr ihre 83. Auflage. Und es wurde einer der besten seit der Erstauflage 1923. Im Kampf der Giganten lichteten sich die Reihen erst spät. Zuerst kämpften drei Audi gegen drei Porsche, dann zwei gegen zwei, und ab der 14.Stunde begann sich eine Fahrerpaarung als Favorit hervorzutun, auf die man am wenigstens gewettet hätte: Nico Hülkenberg, Earl Bamber und Nick Tandy im Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer 19. Zwei von ihnen waren Le Mans-Rookies.

Hülkenberg ist der erste aktive Formel 1-Pilot seit 1991, der den Langstrecken-Klassiker gewinnt. Damals reüssierten Johnny Herbert, Bertrand Gachot und Volker Weidler in einem schrill kreischenden Mazda mit Wankelmotor. Diesmal siegte ein Porsche mit einem R4-Turbo und zwei Elektromotoren im Flüsterton. Angeblich mit einer Systemleistung von 1.300 PS.

Audi zeigte Speed, Porsche schnelle Boxenstopps

Eigentlich siegte der Außenseiter. Alle Wettbörsen sahen Audi vorn. Nicht nur weil die Ingolstädter die ersten zwei WM-Läufe in Silverstone und Spa gewonnen hatten und seit 1999 bei 16 Auftritten in Le Mans 13 Mal siegreich waren. Audi ist eine Institution im Langstreckentempel an der Sarthe. Keiner hat so viel Erfahrung, keiner ist so abgezockt, keiner hat so ein Netzwerk beim ACO wie das Werk mit den vier Ringen.

Man wusste, dass Porsche das schnellste Auto für eine Runde haben würde. Audi überließ Porsche generös die ersten drei Startplätze. "Wir hätten diese Zeiten nie fahren können, weil wir mit unserem Schwungrad im Gegensatz zur Batterie nicht Leistung für eine ganze Runde bunkern können", erklärte Le Mans-Spezialist André Lotterer. Audi wollte sich die drei Plätze im Rennen zurückholen.

Und schon bald zeigte sich, dass die Seriensieger von Le Mans zu Recht als Favotiten gehandelt wurden. Im Renntrim war Audi bis in die Abendstunden eine Sekunde pro Runde schneller unterwegs. Doch Porsche hielt mit anderen Qualitäten dagegen. Absolute Zuverlässigkeit.

Und dem geringeren Verbrauch, den man in fünf Sekunden kürzere Tankstopps investierte. Das erwies sich als besser, als Audi mit 14-Runden-Stints aus der Reserve zu locken. Die ersten Fehler passierten Audi. Ein Reifenschaden am Lotterer-Auto, ein massiver Crash von Loic Duval nach einem Missverständnis mit einem Ferrari auf der Anfahrt zur Indianapolis-Kurve. Dass der reichlich ramponierte Audi R18 e-tron quattro wieder flottgemacht werden konnte, grenzte an ein Wunder.

Porsche legte in der Nacht zu

Und da kamen sie, jene unglaublichen Stunden zwischen 20 Uhr abends und fünf Uhr morgens. Nach acht Stunden lagen die drei Audi und drei Porsche in einer Runde. Die Top 4 nur durch 9,6 Sekunden getrennt. Es war ein Sprintrennen in Verkleidung eines Marathons. Die Fahrer überholten sich, als ginge es um einen Grand Prix. Das Urteil allenthalben: Motorsport vom besten. Die 260.000 Zuschauer bekamen eine grandiose Show geboten.

Bis Mitternacht blieben aus dem Sextett vier Teams übrig. Hülkenberg/Bamber/Tandy und Webber/Bernhard/Hartley für Porsche. Albuquerque/Bonanomi/Rast sowie Lotterer/Fässler/Treluyer für Audi. Zwei Youngster-Teams gegen zwei Veteranen-Crews. Und die Youngster setzen sich durch. Lotterer und Co. knabberten am frühen Reifenschaden. Webber und seine Truppe an einer Strafe, die ihnen Brendon Hartley eingebrockt hatte. Der Neuseeländer überholte unter Gelb. Webber musste die eine Minute Wartezeit in der Boxengasse absetzen. Netto gingen 95 Sekunden verloren.

Jeder Fehler war bei diesem engen Vierkampf ein Killer. Bis zur Geisterstunde schien Audi vom Rennspeed das Heft in der Hand zu halten, doch dann deuteten vier schnelle Stints von Nico Hülkenberg bereits an, dass das Pendel umschlagen würde. Klar wurde es dann, als der ehemalige GT-Pilot Nick Tandy um 0.15 Uhr in den Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer 19 stieg. Audi setzte Superstar André Lotterer dagegen. Und Tandy gewann. Der 30-jährige Engländer zog Lotterer Runde um Runde den Zahn.

Kühle Temperaturen gut für Porsche

Doch warum wurde der Porsche in der Nacht immer schneller, während der Audi eher einen Schritt zurück ging? "Die kühlen Temperaturen haben uns geholfen. Plötzlich passte die Balance des Autos vom Reifengrip her. Und wir konnten Vierfach-Stints mit einem Reifensatz fahren", analysierte Hülkenberg. Und das schien im Vorfeld undenkbar. Außer für Audi, den Reifenflüsterer. Für Audi schien der Fall des Thermometers von 24 auf 15 Grad eher kontraproduktiv.

In den frühen Morgenstunden klinkte das Renngeschehen einen Siegkandidaten nach dem anderen aus. Marcel Fässler verlor 6.56 Minuten an der Box, weil bei hoher Geschwindigkeit die Heckverkleidung implodiert war. Der Porsche mit der Nummer 18 steckte zwei Mal im Reifenstapel der Mulsanne-Kurve. Der Trainingsschnellste Neel Jani rapportierte Bremsprobleme.

Und dann erlebte Audi ein Déjà vue. Eine Defektserie ohne Beispiel. Im letzten Jahr waren es die Turbolader. Diesmal der Hybridantrieb, eine Fronthaubenbefestigung. Das siegreiche Porsche-Team kam ganz ohne Probleme durch. Und Hülkenberg, Bamber und Tandy hatten auf jede schnelle Runde der Konkurrenz eine Antwort. "Ich habe mich von Runde zu Runde wohler gefühl", strahlte Le Mans-Neuling Hülkenberg. Der Sieg wird den 27-jährigen Force India-Piloten auf die große Landkarte des Motorsports bringen.

Toyota war vier Sekunden zu langsam

Das Rennen war so intensiv, so schnell, dass die siegreichen Fahrer fast einen neuen Distanzrekord geschafft hätten. Noch einmal blieb er bestehen, auf 5.410,7 Kilometer aus dem Jahr 2010. Für Toyota war das Tempo zu hoch. Der Schnellste des Vorjahres war zu langsam. Um bis zu vier Sekunden pro Runde.

Die beiden Crews Wurz/Sarrazin/Conway und Buemi/Davidson/Nakajima beteten deshalb um ein Null-Probleme-Rennen. "Dann können wir es schaffen, so wie früher Audi. Die haben auch oft gewonnen, ohne das schnellste Auto zu haben", klammerte sich Sebastien Buemi an die Historie. Das Team von Alexander Wurz bekam, was man sich wünschte. Es reichte nicht. Am Ende lagen sie acht Runden hinter dem Sieger.

Auch die Hoffnung, dass sich Audi und Porsche in ihrem Prestigeduell zu Tode hetzen würden, erfüllte sich nicht. Stattdessen steckte Anthony Davidson seinen Toyota TS040 Hybrid so massiv in die Leitplanken, dass die Reparatur vier Runden kostete.

Immerhin zog sich Toyota noch mit Anstand aus der Affäre. Nissan blamierte sich nach Kräften. Von drei Autos kam nur eines ins Ziel. Das Team Krumm//Tincknell/Buncombe hatte im Ziel nach diversen Langzeitreparaturen 153 Runden Rückstand. Das Frontmotorkonzept war ein Rohrkrepierer. Auch deshalb weil der Nissan GT-R LM Nismo ohne Allradantrieb fuhr. Das Hybridsystem, das die Hinterräder des Frontantriebs elektrisch befeuern sollte, funktonierte nicht. In langsamen Kurven wirkten die Nissan-Zigarren wie kleine Jollen auf hoher See.

Die LMP2-Klasse gewannen Bradley/Howson/Lapierre auf einem Oreca-Nissan. Sie ließen auch die privaten LMP1 von Rebellion und ByKolles hinter sich. Rebellion schlug sich mit einem brandneuen Auto dennoch beachtlich. Nick Heidfeld lag lange in den Top Ten, bevor er auf Platz 24 abstürzte. In der GT-Klasse siegte das Trio Gavin/Milner/Taylor auf einer Chevrolet Corvette C7.R.

Übersicht: Analyse 24h Le Mans 2015
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