Scania Next Era Lkw: Scania greift mit Billig-Truck in China an

Scania Next Era Lkw
Scania greift mit Billig-Truck in China an

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.03.2026
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Mit einer neuen Modellreihe für den Fernverkehr will der Lkw-Hersteller Scania in China durchstarten. Unter dem Namen "Next Era" präsentierte das Unternehmen gemeinsam mit der Konzernmutter Traton Group eine speziell für China entwickelte Baureihe von Sattelzugmaschinen. Die Besonderheit dabei: Der neue Truck wurde in China entwickelt und wird vor Ort gebaut. Und im Gegensatz zu den bei Pkw üblichen Joint-Ventures mit chinesischen Partnern ist Scania in China ganz auf eigene Rechnung unterwegs. Scania erhielt von der chinesischen Regierung eine volle Produktionslizenz für eine eigene Lkw-Fabrik, ohne lokale Beteiligung.

Komplett in eigener Hand

Vorgestellt wurde die neue Reihe im Zusammenhang mit der Eröffnung des neuen Produktionszentrums im ostchinesischen Rugao bereits Ende 2025, jetzt startet der Verkauf des Next Era Lkw. Das Werk gilt als eine der größten Einzelinvestitionen des Herstellers. Rund zwei Milliarden Euro flossen in die Anlage, die sich über rund 800.000 Quadratmeter erstreckt und eine Produktionskapazität von bis zu 50.000 Fahrzeugen pro Jahr erreichen soll. Neben der Fertigung entstehen dort auch Entwicklungs- und Testkapazitäten. Insgesamt rechnet Scania mit rund 3.000 neuen Arbeitsplätzen. Der Standort Folge der Strategie, in China vermarktete Nutzfahrzeuge stärker lokal zu entwickeln und zu produzieren. Der chinesische Nutzfahrzeugmarkt gilt als der größte weltweit und ist hart umkämpft.

Die Baureihe "Next Era" wurde nach Unternehmensangaben speziell für die Anforderungen im chinesischen Fernverkehr entwickelt. Technische Basis bildet das modulare Baukastensystem des Traton-Konzerns. Gleichzeitig wurde das Fahrzeug stark an lokale Einsatzbedingungen angepasst. Entwicklungsarbeit, Testfahrten und Kundenbefragungen fanden überwiegend in China statt.

500-PS-Motor

Als Antrieb dient der Reihensechszylinder-Dieselmotor der TD13-Baureihe. Das Aggregat basiert auf der Common Base Engine-Architektur des Konzerns und wurde für den Einsatz unter chinesischen Betriebsbedingungen abgestimmt. Die maximale Leistung liegt nach Werksangaben bei bis zu 500 PS, das maximale Drehmoment bei 2.550 Newtonmetern. In Kombination mit einem automatisierten Getriebe und einem vorausschauenden Tempomatsystem passt die Elektronik Geschwindigkeit und Gangwahl an die jeweilige Streckenführung an. Die neue Baureihe ist ausschließlich als Sattelzugmaschine vorgesehen. Geplant sind Varianten in den Ausführungen 4×2, 6×2 und 6×4.

Auch beim Design hebt sich das Modell sichtbar von bisherigen Scania-Fahrzeugen ab. Eine integrierte Frontmaske mit vertikalen Zierelementen prägt das Erscheinungsbild. Erstmals trägt ein Scania-Lastwagen auf der Front zudem den chinesischen Schriftzug "斯堪尼亚", eine lautmalerische Umschreibung des Markennamens Scania.

Gute Aerodynamik

Trotz des recht konservativen Designs soll der Next Era eine gute Aerodynamik erreichen. Teilweise geschlossene Lufteinlässe und diamantförmige Öffnungen im Kühlergrill sollen den Luftwiderstand reduzieren, ohne die Kühlung zu beeinträchtigen. Zusammen mit einem speziell abgestimmten Auflieger kann der Luftwiderstandsbeiwert laut Hersteller auf 0,37 sinken.

Das Fahrerhaus des Next Era wurde speziell für China neu entwickelt. Die Struktur basiert auf einem hochfesten und gleichzeitig leichten Rahmen, der die europäischen ECE-R29-Vorgaben für die Crashsicherheit erfüllt. Im Innenraum setzt Scania auf eine stärker digitalisierte Bedienumgebung. Ein 12,3-Zoll-Display übernimmt die Funktion des Kombiinstruments, während ein 15,6-Zoll-Touchscreen zentrale Fahrzeugfunktionen steuert. Ein ebener Boden erleichtert den Durchstieg und erweitert den Bewegungsraum im Stand.

Parallel zum Fahrzeugprogramm baut Scania ein eigenes Vertriebs- und Servicenetz für die neue Baureihe auf. Unter dem Namen "Next Era Commercial" entsteht eine separate Organisation, die zunächst etwa 80 Verkaufsstandorte sowie rund 150 Servicefahrzeuge umfassen soll. Die Händlerstruktur arbeitet unabhängig von den bestehenden Scania-Vertretungen in China.

Marktstart und Preis

Zum Marktstart kündigte das Unternehmen drei Varianten an. Die zweiachsige 4x2-Einstiegsversion kostet laut Hersteller rund 539.000 Yuan, während die Varianten 6×2 und 6×4 mit 566.000 beziehungsweise 588.000 Yuan angeboten werden. Das entspricht umgerechnet etwa 66.000 bis 72.000 Euro.

Die Serienproduktion erfolgt im neuen Industriezentrum in Rugao. Die Markteinführung der Baureihe ist für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen, erste Auslieferungen sind noch März geplant. Bereits während der Präsentation im vergangenen November hatten Händler die gesamte erste Serie von 1.000 Fahrzeugen reserviert.

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