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Borgward BX7 TS Limited Fahrbericht

China-SUV für 44.200 Euro

Mit dem von Chinesen aufgekauften Label Borgward gibt es jetzt das erste Auto in Deutschland: den SUV BX7. Er wird aktuell in China gebaut, später soll auch in Bremen produziert werden. Zunächst gibt es den BX7 nur im Internet zu kaufen – für stolze 44.200 Euro. Wie fährt das China-SUV mit dem deutschen Namen?

26.06.2018 Torsten Seibt, Patrick Lang Powered by

SUV sind gefragt in Deutschland, besonders solche vom Schlage des Borgward BX-7. Der 4,72 Meter lange Borgward positioniert sich im C-Segment, wo mit VW Tiguan, Mercedes GLC und Ford Kuga derzeit die größten Stückzahlen gemacht werden. Der Borgward BX-7 kommt zunächst in der Topversion „TS Limited“ auf den Markt, die mit Vollausstattung glänzt. Dazu gehören neben einer besonders hochwertigen Lederausstattung und Multimediasystem auch etliche Assistenz- und Sicherheitssysteme, darunter Totwinkelwarner und Verkehrszeichen-Erkennung.

Preis ab 44.200 Euro

Den Preis gibt Borgward mit 44.200 Euro an. Wer sein Auto am Firmensitz von Borgward in Stuttgart abholt, bezahlt keine Überführungskosten. Preislich liegt der Borgward damit etwas unterhalb der vergleichbaren Modelle aus Korea (Kia Sorento, Hyundai Santa Fe) liegen.

Der modern und gefällig gestylte Borgward BX-7 TS Limited erzeugt keine Verständnisprobleme, er könnte vom Design her auch aus japanischer oder koreanischer Fertigung stammen, fügt sich nahtlos ins Straßenbild. Ähnlich bodenständig, gediegen und aufregungsarm auch die Innenraumgestaltung, handwerklich gut ausgeführt, aber ohne markante Highlights, die eine spezielle Markenidentität erkennen lassen.

Borgward BX7 nur mit Benziner

Nach Deutschland kommt der Borgward BX-7 TS Limited zunächst in der Topmotorisierung, mit einem Turbo-Benziner (zwei Liter Hubraum, 224 PS). Der kräftige Benziner kommt standardmäßig mit Allradantrieb und Sechsgang-Wandlerautomatik. Den Verbrauch gibt der Hersteller mit 8,9 Litern/100 km an, den CO2-Ausstoß mit 212 g/km. Der BX7 erfüllt die Abgasnorm Euro 6b. Einen Diesel wird es auch in Zukunft nicht geben, dafür aber ab 2019 eine Elektroversion, den BX-i7.

In Sachen Multimedia ist der Borgward BX-7 recht gut aufgestellt. Das Infotainmentsystem bietet Internet-Zugang und die Einbindung von Apple- und Android-Mobiltelefonen, das verbaute 360-Grad-Kamerasystem liefert selbst bei Nacht ein hervorragendes Bild. Serienmäßig hat der BX7 TS unter anderem Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, ein schlüsselloses Zugangssystem, 18-Zoll-Räder, ein Online-Infotainment mit Smartphone-Anbindung über Apple Carplay und Android Auto sowie Remote Control über eine App. Das TS-Paket enthält ein Cockpit mit TFT-Display, mokkabraune Ledersitze mit elektrischer Verstellung und Sitzheizung.

Borgward BX7 TS Limited Foto: Borgward
Der 4,72 Meter lange Borgward BX7 wird in Deutschland zunächst nur in der Topversion TS Limited vermarktet.

Für eine neue und zum Start auch relativ kleine Marke ist das Thema Vertrieb eine Herausforderung. Ein Händlernetz mit flächendeckender Versorgung lässt sich nicht über Nacht installieren, erst recht nicht für eine Marke, die zunächst nur mit einem einzigen Modell antritt. In den Kernmärkten wie Deutschland, Italien und Frankreich will Borgward künftig selbst ein Händlernetz aufbauen, in kleineren EU-Ländern mit bestehenden Import-Organisationen zusammenarbeiten. Denn mit dem kleineren BX-5 und dem SUV-Coupé BX-6 befinden sich noch zwei weitere Modelle in der Pipeline, der BX5 läuft in China bereits regulär vom Band.

Nachdem aber bereits im ersten Halbjahr 2018 die ersten Käufer beliefert werden sollen, greift Borgward zu einem ungewöhnlichen Konzept und verkauft/verleast die Fahrzeuge per Internet. Hierzu wird mit dem Münchner Sixt-Konzern zusammengearbeitet, der den Kunden das Fahrzeug direkt vor die Tür liefert, konfiguriert wird im Internet. Für Wartung und Reparaturen wiederum soll die Werkstattkette ATU zuständig sein. Das bringt nicht nur aus dem Stand eine flächendeckende Versorgung, sondern auch verhältnismäßig günstige Werkstattpreise für die Kunden. Denn, auch das ist klar, zunächst wird Borgward auch die Kosten als Verkaufsargument einsetzen.

Borgward BX7 TS im Fahrbericht

Im Idealfall hält sich der BX7 aber erstmal auf der Straße und nicht in der Werkstatt auf. Dort macht er zunächst eine gute Figur. Die gefälligen Formen fügen sich gut in das Straßenbild ein. Vielleicht auch deshalb, weil das Design am Heck etwas Porsche Cayenne und am Bug etwas Kia Sportage oder Mazda CX-5 erkennen lässt. Bleibt die Frage, ob der Neuling auch wie einer der eben genannten fährt. Nun ja, der Porsche ist raus, denn in puncto Leistung bewegen wir uns mit 224 PS in anderen Gefilden. Aus dem Stand kommt der SUV gut weg, die Beschleunigung bis Tempo 100 ist für ein rund 1.900 Kilo schweres Auto ordentlich. Übersteigt die Anzeige auf dem digitalen Drehzahlband aber die 4.500 Umdrehungen, ist der BX7 merklich angestrengt und knurrt um die Gnade des Gasfußes. Wirklich elastische Zwischenspurts verkneift sich der Borgward lieber.

Borgward BX7 TS Limited Edition Fahrtermin 2018 Foto: Heiko Simayer
Das Fahrwerk positioniert Borgward genau richtig zwischen rückmeldungsfreudig und komfortabel.

Ohnehin ist für hohe Tempi die Lenkung nicht wirklich ausgelegt. Das elektromechanische System ist überaus leichtgängig und feinfühlig, lässt sich mit einem Finger locker mehrfach drehen. In der Stadt und beim Rangieren natürlich ein Vorteil, für Geradeausfahrten im dreistelligen km/h-Bereich hätte es allerdings etwas straffer geraten dürfen. Vom Fahrwerk kann man das dagegen nicht behaupten, das positioniert Borgward genau richtig zwischen rückmeldungsfreudig und komfortabel. Damit dürften auch längere Strecken mit Blick auf den Komfort kein Problem sein. Hier unterstützt auch die Sechsgang-Wandlerautomatik von Aisin, die sehr unaufdringlich und hintergründig agiert. Die manuelle Gasse allerdings kann man sich getrost sparen, denn die Gänge selbst zu wählen bringt hier keinen Dynamik-Gewinn. Geht es flott in die Kurven schieben die „fast-zwei-Tonnen“ spürbar Richtung Fahrbahnrand. Da bringt auch der Allradantrieb via Haldex-Kupplung keinen überwältigenden Traktions-Vorteil. Dazu kommt, dass der Bremspedalweg recht lang geraten ist, und sich die Verzögerung erst nach etwas Eingewöhnung passend dosieren lässt.

Gute Ergonomie, langsames Infotainment

Nur wenig Eingewöhnung braucht es dagegen für die Bedienelemente im Cockpit. Ergonomisch und optisch ist der Innenraum gut gelungen. Saubere Verarbeitung und angenehme Materialien geben den Ton an. Dass die Tasten auf dem Lenkrad und die Kunststoff-Mittelkonsole etwas hinter dem hochwertigen Eindruck zurückbleiben, ist zu verzeihen. Raumgefühl und Übersicht sind sehr frei und luftig, was nicht zuletzt am großen Glasdach liegt. Das beschert vor allem den Fond-Passagieren einen guten Ausblick und nebenbei müssen die sich auf der Rückbank auch überhaupt nicht beengt fühlen. Möchte man zusätzliche Passagiere durch Gepäck ersetzen, dann legt man die Rückbank um und hat so Platz für bis zu 1.377 Liter. Allerdings gilt es die SUV-typisch erhöhte Ladekante zu überwinden. Bleibt die Rückbank wo sie ist, schluckt der Kofferraum 545 Liter. Das sind nur fünf Liter weniger als beim Audi Q5.

Das Armaturenbrett wird vom 12,3 Zoll großen Infotainment Touchscreen dominiert. Die Aufmachung des Systems ist gefällig, die Informationsarchitektur nachvollziehbar und leicht zu durchschauen. Reaktionsfreudig ist das Infotainment allerdings nicht wirklich, Berührungen werden nur mit Verzögerung verarbeitet und die Navigationsfunktion benötigt einige Zeit, um hochzufahren. Wem das zu lange dauert, der kann einfach sein Smartphone via Apple Carplay oder Android Auto verbinden und entsprechend sein mobiles Endgerät zur Navigation nutzen. Kleiner Bedienungstipp am Rand: Mit dem verbauten Dreh-Drück-Regler macht das hantieren am Infotainment dank guter Positionierung und Verarbeitung deutlich mehr Freude. Um dem eigenen Premium-Anspruch gerecht zu werden, bedarf es dennoch einiger Nachbesserungen – nicht nur bei der Rechenleistung des Bord-Unterhaltungs-Systems. Extras wie ACC, LED-Scheinwerfer, Start-Stopp-Automatik oder Anhängerkupplung sind derzeit noch nicht verfügbar. Doch mit der zweiten Produktions-Charge aus China soll sich das ändern, denn im Werk wird bereits kräftig nachgerüstet.

Borgward BX 7 im Vergleich mit Kia Sportage Foto: Hersteller
Das Topmodell kommt mit höherwertiger Ledermöblierung und Vollausstattung.

Borgward in Bremen

In Bremen will Borgward künftig eine eigene Fertigungsanlage betreiben, die Grundstücksgeschäfte sind derzeit jedoch noch nicht abgeschlossen. Auf dem Areal im Güterverkehrszentrum ist in der ersten Baustufe eine sogenannte SKD-/CKD-Fertigung für bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr geplant. Baubeginn sollte bereits 2018 sein, doch das Projekt scheint sich zu verzögern Die Produktion soll 2019 aufgenommen werden, erstes Modell soll der BX-i7 werden, ein vollelektrisches SUV mit rund 300 Kilometer Reichweite. Bis Anfang der 1960er Jahre fertigte Borgward im heutigen Daimler-Werk in Bremen-Sebaldsbrück jährlich bis zu 100.000 Borgward-Fahrzeuge.

Download Preisliste Borgward BX7 TS (PDF, 0,19 MByte) Kostenlos
Technische Daten
Borgward BX7 TS TS Limited Edition
Grundpreis44.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4715 x 1923 x 1690 mm
KofferraumvolumenVDA545 bis 1377 l
Hubraum / Motor1981 cm³ / 4-Zylinder
Leistung165 kW / 224 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit208 km/h
Verbrauch8,9 l/100 km
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Ein Auto ist nur so gut wie sein Servicebetrieb sein sollte, aber gar kein Service ist mit leider zu wenig, da hilft auch sein klingende Name nicht viel. Sorry nicht mit mir!

Autojoe 28. Juni 2018, 17:00 Uhr
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