Ein Alfa Romeo und eine staubige Schotterpiste – zwei Dinge, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen. Schotter ist nichts für ein sportlich abgestimmtes Fahrwerk, und die kleinen Steine setzen dem Lack zu. Doch der italienische Autohersteller hat es trotzdem gewagt. Nicht heute, sondern 1951 baute die Marke aus Mailand einen waschechten Geländewagen für einen ganz bestimmten Zweck. Doch wie so oft bei Fahrzeugen mit kurzer Produktionszeit gab es einen Haken.
Der Alfa Romeo 1900 M war ein Geländewagen für militärische Aufgaben. Seine robuste Bauweise und der Vierradantrieb machten ihn äußerst geländegängig. Schon bald bekam er den Spitznamen Matta, was auf Italienisch so viel wie verrückt bedeutet. Vor 75 Jahren begann mit diesem Geländewagen die Allradgeschichte von Alfa Romeo. Er war nämlich das erste Serienfahrzeug mit dieser Technologie, lange bevor der Allradantrieb in Modellen wie Giulia oder Stelvio unter dem Kürzel Q4 zum Markenzeichen wurde.
Ein Alfa für Schlamm statt für Kurven
Der 1900 M entstand zu einer Zeit, in der viele europäische Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre militärischen Fahrzeugflotten erneuerten. Auch das italienische Militär suchte nach einem neuen leichten Geländewagen. Alfa Romeo entwickelte daraufhin ein Fahrzeug, das sich deutlich von den eleganten Straßenmodellen der Marke unterschied.
Der Zusatz "M" im Modellnamen stand für Militare. Die Konstruktion war dementsprechend funktional. Die Karosserie saß auf einem stabilen Stahlrahmen, der Allradantrieb ließ sich mechanisch zuschalten, das Verteilergetriebe verfügte über eine Geländeuntersetzung. Eine Bodenfreiheit von rund 20 Zentimetern sowie kurze Überhänge sorgten dafür, dass sich der Wagen auch in schwierigem Gelände bewegen konnte. Damit war der 1900 M ein Fahrzeug für Aufgaben, die mit dem sportlichen Image der Marke wenig zu tun hatten.
Trotz seiner militärischen Ausrichtung griff Alfa Romeo beim 1900 M auf Technik aus dem Pkw-Bereich zurück. Der Vierzylindermotor stammte aus der Limousine Alfa Romeo 1900, die Ingenieure modifizierten ihn für den Geländeeinsatz. Der 1,9-Liter-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen – für einen Militärgeländewagen jener Zeit eine ungewöhnlich aufwendige Konstruktion – leistete rund 65 PS. Das Schaltgetriebe leitete die Kraft an die Hinterachse, wobei die Vorderachse bei Bedarf zugeschaltet werden konnte.
Ein seltenes Kapitel der Alfa-Geschichte
Trotz seiner Fähigkeiten blieb der 1900 M ein vergleichsweise seltenes Fahrzeug. In Italien konkurrierte er mit dem deutlich günstigeren Fiat Campagnola, der ebenfalls als Militärgeländewagen entwickelt worden war und schließlich einen größeren Auftrag der italienischen Streitkräfte erhielt. Entsprechend fiel die Produktionszahl des Alfa moderat aus. Zwischen 1952 und 1954 entstanden 2.161 Exemplare, darunter 2.007 militärische Fahrzeuge mit der Bezeichnung AR51 sowie 154 zivile Varianten, die als AR52 verkauft wurden.
Heute gehört der Matta zu den ungewöhnlichsten Modellen der Marke. Oldtimerfreunde schätzen ihn nicht nur wegen seiner Seltenheit, sondern auch wegen seiner besonderen Stellung in der Geschichte von Alfa Romeo.





