Die Baureihe 124 von Mercedes-Benz – speziell der W124 – gilt als Inbegriff automobiler Solidität. Kaum ein anderes Modell vereint Langlebigkeit, Komfort und zeitlose Gestaltung so überzeugend wie die gehobene Mittelklasse von Mercedes aus den späten 1980er-Jahren. In der Kombiversion S124 kommt zudem ein hohes Maß an Alltagstauglichkeit hinzu. Doch so souverän der 124er auch auftritt, sportlich im heutigen Sinne ist er serienmäßig nur bedingt. Genau hier begann einst das Spielfeld von Tunern wie AMG oder Brabus.
Während AMG bereits auf dem Weg zum werksnahen Performance-Label war, verstand sich Brabus weiterhin als unabhängiger Hersteller, der Motoren, Fahrwerke und Innenräume nach Kundenwunsch veränderte. Ein Beispiel dieser Philosophie steht in Großbritannien zur Auktion. Ein Mercedes-Benz 300 TE aus dem Baujahr 1992, den von Brabus umfassend modifiziert hat und der leistungsmäßig mit den stärkeren AMG-Umbauten seiner Zeit konkurrieren konnte.
Der Besitzer aus dem britischen Brighton bietet den Brabus auf der Online-Plattform Pistonheads zum Verkauf an. Die Auktion soll am 1. Februar 2026 beginnen. Seit 2015 befindet sich der Kombi in Großbritannien. Zuvor war er viele Jahre in Japan zugelassen. Die Laufleistung liegt bei rund 136.700 Kilometern. Die britische Hauptuntersuchung (MOT) ist mängelfrei und bis Januar 2027 gültig.
Vom 300 TE zum 3.6 Brabus
Ausgangspunkt für den Umbau war ein Mercedes-Benz 300 TE mit dem drehfreudigen 3,0-Liter-Reihensechszylinder M104, der in der Serie 220 PS leistete. Brabus bohrte das Aggregat auf 3,6 Liter Hubraum auf und steigerte die Leistung auf rund 280 PS. Damit lag der Kombi deutlich über dem Serienniveau und sogar oberhalb vergleichbarer AMG-Umbauten der frühen 1990er-Jahre: Ein 300 E/TE 3.4 AMG kam auf rund 252 PS (je nach Ausbaustufe), und selbst der spätere E 36 AMG brachte es auf 272 PS. Trotz der deutlichen Leistungssteigerung soll der Motor seine für den W124 typische Laufkultur bewahrt haben.
Die Kraftübertragung übernimmt eine vierstufige Automatik, die die Leistung an die Hinterräder weitergibt. Ein Sperrdifferenzial gehört ebenso zur Ausstattung wie ein komplett überholtes Fahrwerk mit Bilstein-Dämpfern und Brabus-Federn. Laut Anbieter ist der Wagen technisch vollständig revidiert und fährt sich entsprechend straff, präzise und frei von Nebengeräuschen. Rund 22.000 Pfund (25.360 Euro) flossen nach dem Import in die Überholung. Seitdem hat der Besitzer den Brabus nach eigenen Angaben kaum bewegt.
Brabus bis ins Detail
Auch optisch lässt der 300 TE keinen Zweifel an seiner Herkunft offen. Ein vollständiges Brabus-Karosseriekit, integrierte Nebelscheinwerfer, Monoblock-V-Felgen in 17 Zoll und dezente Brabus-Schriftzüge verleihen dem Kombi eine selbstbewusste Erscheinung. Der Lack in Black Pearl Metallic befindet sich in sehr gutem Zustand, kleinere Gebrauchsspuren entsprechen dem Alter und der Laufleistung.
Neben der Technik erhielt auch der Innenraum eine umfassende Überarbeitung. Die braune Büffellederausstattung ist besonders selten. Zusätzlich haben die Tuner ein Brabus-Lenkrad eingebaut und den Wagen mit anderen Fußmatten, Einstiegsleisten und einem neuen Kombiinstrument ausgestattet. Dieses ist bis 300 km/h skaliert. Selbst die dritte Sitzreihe für Kinder im Heck ist erhalten und in gutem Zustand. Außerdem hat dieser S124 ein Schiebedach und getönte Scheiben.
Dieser 300 TE zeigt das große Potenzial der W124-Ära. Neben den bekannten AMG-Versionen existierten Umbauten wie dieser, die als Zeitdokumente einer besonders freien Phase der Tuninggeschichte gelten. Einen offiziellen Schätzwert gibt es für solche Brabus-Umbauten nicht. Zur Einordnung kann jedoch ein Blick auf vergleichbare Referenzen helfen: Ein serienmäßiger 300 TE-24 wird bei Classic Analytics in gepflegtem Zustand aktuell mit 17.000 bis 23.000 Euro bewertet, ein E 36 T AMG liegt dort zwischen 51.000 und 69.000 Euro.












