Irrer Umbau: V10 TDI von VW rettet Ferrari-Brandopfer

Diesel-Schock für Ferrari-Puristen
Ferrari-Brandopfer mit 2. Leben - dank VW-V10-TDI

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 11.01.2026
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Was auf den ersten Blick wie blanke Blasphemie wirkt, ist für die US-Schrauber von Grind Hard Plumbing Co. ein Experiment mit Ansage: Ein Ferrari F355 Spider wird mit einem V10-Turbodiesel aus dem VW Touareg der ersten Generation wiederbelebt. Das Projekt wirkt wie ein technischer Tabubruch – und genau das soll die Aktion, die umfassend in einer Youtube-Videoreihe begleitet wird, auch bewirken.

Bevor ein Aufschrei durch die Autolandschaft geht: Die Grind Hard Plumbing Co., was ins Deutsche übersetzt so viel wie "die sich hart schindende Klempnerei" bedeutet, dreht hier nicht etwa ein F355 -Exemplar in Bestzustand auf links. Bei dem klassischen Neunziger-Jahre-Ferrari handelt es sich um ein Auto, das zuvor ausgebrannt war. Positiv betrachtet wird das Auto von der Truppe aus dem US-Bundesstaat Idaho also gerettet und nicht verschandelt.

Drehmoment-Monster statt Hochdrehzahl-Feingeist

Der Motor stammt aus der glanzvollen Dieselära und hatte zuvor einen VW Touareg angetrieben, der wahrlich nicht geschont wurde. In den Videos ist zu sehen, wie der schwere Diesel-SUV über geschotterte Waldwege heizt, im heißen Tempo tiefe Pfützen durchquert und über Kuppen springt. Das Triebwerk leistet 313 PS und wuchtet ein maximales Drehmoment von 750 Newtonmetern auf die Kurbelwelle. Zum Vergleich: Der originale 3,5-Liter-V8-Sauger des Ferrari F355 Spider kommt auf 380 PS und höchstens 360 Newtonmeter.

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Der Umbau fällt entsprechend radikal aus. Um den gewaltigen, doppelt turbogeladenen Fünfliter-V10 überhaupt ins Mittelmotor-Layout des F355 zu bekommen, mussten die Youtube-Tüftler den italienischen Aluminium-Stahl-Mix tiefgreifend modifizieren. Chassis, Hilfsrahmen und Karosserie wurden großflächig geschnitten, verstärkt und neu aufgebaut, bevor der TDI überhaupt in Reichweite des Motorraums gelangte. Erst nach umfangreichen Anpassungen schafften es die Schrauber, den langhubigen Zehnzylinder zwischen die Ferrari-Längsträger zu quetschen.

Offroad-Ferrari mit Hardtop geplant

Dass es sich bei dem Ferrari F355 Spider um ein brandschadengeplagtes Wrack handelt, eröffnete neue Möglichkeiten. Da ein klassisches Restaurierungsziel ohnehin ausgeschlossen war, wagte die Grind Hard Plumbing Co. einen technischen Ansatz fernab aller Puristen-Traditionen. Mit maßgefertigten Halterungen, neuen Kühlführungen und weiteren Verstärkungen arbeitet das Team daran, das enorme Zusatzgewicht und die Dieselkräfte fahrbar zu machen. Die ersten Testanpassungen zeigen angeblich, dass die strukturelle Integrität des F355 trotz aller Eingriffe gewahrt bleibt.

Stylistisch soll sich der Umbau bewusst weit vom Original entfernen. Anstelle eines originalgetreuen Straßen-Ferraris planen die Schrauber eine rallye-inspirierte Interpretation des Mittelmotor-Sportwagens. Dazu gehören grobstollige All-Terrain-Reifen auf 16-Zoll-Rädern, ein Offroad-Fahrwerk mit großen Federwegen und ein visuell robuster Auftritt – der komplette Gegenentwurf zur filigranen Eleganz des Serien-F355. Zudem weicht das Stoffverdeck einem eigens angefertigten Hardtop.

Experiment, Herausforderung, technische Provokation

Für Puristen mag ein Diesel-Ferrari ein unvorstellbarer Frevel sein. Doch die Grind Hard Plumbing Co. sucht nicht die Perfektion der Werksspezifikationen, sondern das Experiment, die Herausforderung, die technische Provokation. Die Youtube-Schrauber dokumentieren jeden Fortschritt ihres ambitionierten Umbauprojekts per Video. Der Weg bis zur ersten Probefahrt ist zwar noch lang, denn die Integration von Motor, Kühlung und Fahrwerk steht erst am Anfang. Und wann der Diesel-F355 erstmals fährt, ist völlig offen. Sicher ist jedoch: Dieser F355 mit V10-TDI-Motor von VW einer der ungewöhnlichsten Ferrari-Umbauten aller bisheriger Zeiten werden.

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