BMW-M-Boss gegen manuelle Getriebe: „Schalter machen keinen Sinn“

Frank van Meel gegen manuelle Getriebe
„Schalter machen keinen Sinn“, sagt BMW-M-Boss

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.02.2026
Als Favorit speichern
„Schalter machen keinen Sinn“, sagt BMW-M-Boss
Foto: Rivas

"Aus technischer Sicht ergibt ein Schaltgetriebe eigentlich keinen Sinn." Mit diesem bemerkenswert klaren Satz beschreibt Frank van Meel die Zukunft der Marke BMW M. Für viele Puristen dürfte das wie ein Affront klingen, tatsächlich ist es Ausdruck einer strategischen Realität: Die Tage des Handschalters sind gezählt. Allerdings erzählt van Meel das bereits seit einigen Jahren.

40 Prozent als Handschalter

Noch entscheiden sich rund 40 Prozent der M-Kunden (2025) für die manuelle Variante. Dennoch wird es keine Neuentwicklungen mehr geben. Der aktuelle BMW M2 gilt als das letzte Modell, das vollständig neu mit einer Sechsgang-Handschaltung konzipiert wurde. M2, BMW M3 und BMW M4 sollen ihre manuellen Optionen zwar noch bis zum Ende des Jahrzehnts behalten – sofern die Nachfrage stabil bleibt. Doch spätestens in den 2030er-Jahren dürfte das Kapitel endgültig geschlossen werden.

Die Gründe sind vor allem technischer und wirtschaftlicher Natur. Moderne Automatikgetriebe arbeiten schneller, effizienter und lassen sich deutlich besser in komplexe Assistenzsysteme integrieren. Mit Blick auf Hybridisierung und Elektrifizierung wird es zusätzlich schwierig: Elektrische Antriebe liefern ihr maximales Drehmoment sofort, Mehrgang-Handschaltungen passen konzeptionell kaum noch in solche Antriebskonzepte. Gleichzeitig wird das Marktsegment kleiner, Zulieferer investieren ungern in neue manuelle Getriebegenerationen. Aus Sicht eines Herstellers ergibt die Weiterentwicklung daher immer weniger Sinn – so sehr sie emotional auch geschätzt wird.

Handschalter fahren sicherer

Statistisch haben Handschalter allerdings schon einen Vorteil. Studien zeigen nämlich, dass Handschalter potenziell sicherer fahren, weil die physische Einbindung in den Fahrprozess die kognitive Aufmerksamkeit steigert. Da der Fahrer ständig Entscheidungen über den optimalen Gang treffen und beide Hände sowie Füße koordinieren muss, wird eine aktive Auseinandersetzung mit der Fahrsituation erzwungen, was Ablenkungen (wie etwa die Smartphone-Nutzung) erschwert. Das manuelle Schalten fungiert somit als eine Art natürlicher Schutz gegen Unaufmerksamkeit, da das Gehirn durch die komplexere Bedienung in einem Zustand höherer Wachsamkeit gehalten wird.

Viele neue M-Modelle bis 2030

Parallel zu diesem schrittweisen Abschied vom Handschalter plant BMW M eine gewaltige Produktoffensive. Bis 2029 sollen insgesamt 30 neue Modelle oder Modellvarianten auf den Markt kommen. Dazu zählen komplett neue Fahrzeuge, darunter die ersten vollelektrischen High-Performance-Modelle auf Basis der "Neuen Klasse". Auch ein elektrischer Nachfolger des M3 gilt als gesetzt. Hinzu kommen Modellpflegen bestehender Baureihen sowie traditionsreiche Sondermodelle wie CS- und CSL-Versionen, die häufig das Ende eines Lebenszyklus markieren.

Ein zentraler Baustein dieser Transformation ist die Elektrifizierung. BMW entwickelt für die kommenden Generationen ein neues zentrales Steuerungssystem namens "Heart of Joy". Es soll in der Lage sein, bis zu vier Elektromotoren – also theoretisch einen pro Rad – extrem präzise zu regeln. Die Drehmomentverteilung erfolgt in Echtzeit und deutlich feiner als bei mechanischen Systemen. Damit will BMW eine neue Referenz in Sachen Fahrdynamik setzen. Statt mechanischer Differenziale übernimmt Software die Feinarbeit.

Typisches M-Gefühl – auch ohne Verbrenner

Handschaltgetriebe haben in solchen Systemen freilich nichts verloren. Gleichzeitig arbeiten die Ingenieure allerdings daran, das typische M-Gefühl auch ohne Verbrennungsmotor zu bewahren. Diskutiert werden simulierte Schaltimpulse, gezieltes akustisches Feedback und bewusst inszenierte Lastwechsel, um dem Fahrer weiterhin ein emotionales Erlebnis zu bieten. Es ist ein Spagat zwischen digitaler Präzision und analoger Emotion.

Fazit