Seit fast 60 Jahren hält Mazda die Wankel-Motorentechnik am Leben und denkt offenbar auch weiterhin nicht daran, dieses ganz spezielle Konzept zu den Akten zu legen. Das zeigt ein im August 2026 veröffentlichtes Patent zu einer neuen Wankel-Motorengeneration, in diesem Beitrag haben wir es ausführlich vorgestellt. Deshalb blicken wir zurück auf die Meilensteine des Wankelmotors bei Mazda und zeigen Ihnen die fünf wichtigsten Kreiskolbenmotor-Modelle der Marke.
Der Wankelmotor ist zwar eines der wichtigsten Mazda"Markenzeichen", erfunden wurde er jedoch in Deutschland: Felix Wankel arbeitete seit den 1920er-Jahren an Drehkolbenmaschinen und schloss 1951 mit NSU eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung. Am 1. Februar 1957 lief bei NSU der DKM 54, der erste funktionsfähige Wankelmotor. Aus dem zunächst komplizierten Konzept entwickelte NSU den praktischeren Kreiskolbenmotor mit feststehendem Gehäuse. 1960 wurde die Technik erstmals öffentlich vorgestellt, 1964 ging der NSU Wankel-Spider als erstes Serienauto mit Wankelmotor in Produktion.
Mazda löst Wankel-Probleme
Mazda stieg 1961 mit einer technischen Vereinbarung mit NSU und Wankel ein. Die Ingenieure in Hiroshima arbeiteten vor allem an einem Problem, das die Serienfertigung erschwerte: den Dichtleisten an der Spitze des Rotors. Nach umfangreichen Dauerläufen gelang es Mazda, die Haltbarkeit zu verbessern. 1967 kam mit dem Mazda Cosmo Sport das erste Serienfahrzeug mit Zweischeiben-Wankelmotor auf den Markt.
Beim Wankel übernimmt ein dreiecksförmiger Rotor die Aufgabe, für die ein Ottomotor auf einer Kurbelwelle befestigte Kolben benötigt. Der Rotor bewegt sich in einem annähernd ovalen Gehäuse und bildet dabei wechselnde Kammern für Ansaugen, Verdichten, Verbrennen und Ausstoßen. Ein- und Auslassventile wie beim Hubkolbenmotor gibt es nicht. Die kompakte Bauweise, die geringe Zahl bewegter Teile und die hohe Drehfähigkeit gehören zu seinen konstruktiven Besonderheiten. Nachteile ergeben sich unter anderem aus der Brennraumform und der Abdichtung, die sich auf Verbrauch und Emissionen auswirken können. Daran arbeitet Mazda bis heute.
Mazda Cosmo 110S als Anfang
Der 1967 gestartete Cosmo Sport 110S markiert den Beginn von Mazdas Serienfertigung von Wankelmotor-Autos. Sein 10A-Zweischeibenmotor hatte 982 cm³ Kammervolumen und leistete zunächst 110 PS. Das rund 940 Kilogramm schwere Coupé erreichte 185 km/h. Ein Jahr später folgte eine überarbeitete Version mit 128 PS. Insgesamt entstanden nur 1.176 Exemplare.
Für Mazda war der Cosmo zugleich der Beleg, dass sich der Kreiskolbenmotor für ein Serienfahrzeug ausreichend standfest auslegen ließ. In den folgenden Jahren übertrug das Unternehmen die Technik auf zahlreiche Baureihen. Vom kompakten Familia Rotary über Capella und Luce bis zu späteren RX-Modellen wurde der Wankel zeitweise in sehr unterschiedlichen Fahrzeugklassen angeboten.
Der RX-7 als Wankel-Bestseller
Mit dem RX-7 wurde der Wankel ab 1978 zum charakteristischen Antrieb einer eigenständigen Sportwagenbaureihe. Drei Generationen entstanden bis 2002. Die dritte Generation, intern FD, erhielt mit dem 13B-REW eine Maschine mit zwei Rotoren und sequentieller Biturbo-Aufladung. Je nach Markt und Ausführung lagen die Leistungen bei bis zu 280 PS.
Der RX-7 verband den kompakten Motor mit Hinterradantrieb und einer vergleichsweise leichten Konstruktion. Mit mehr als 800.000 gebauten Exemplaren wurde die Baureihe zum mit Abstand erfolgreichsten Mazda-Sportwagen mit Wankelmotor. Den Abschluss bildete 2002 der RX-7 Spirit R.
Eunos Cosmo mit Dreischeiben-Wankel
Der Eunos Cosmo erschien 1990 als großes Coupé und technisches Spitzenmodell. Er war das einzige Serienfahrzeug von Mazda mit einem Dreischeiben-Wankelmotor. Der 20B-REW besaß rund zwei Liter Kammervolumen, sequentielle Turboaufladung und leistete bis zu 280 PS. Das maximale Drehmoment lag bei 402 Nm.
Auch beim Konzept ging Mazda einen anderen Weg als beim RX-7. Der Eunos Cosmo war als luxuriöser Grand Tourer ausgelegt und verfügte unter anderem über ein Automatikgetriebe. Bis 1996 entstanden 8.875 Fahrzeuge. Damit blieb der Dreischeiben-Wankel eine vergleichsweise seltene Auslegung.
Mazda 787B schreibt Geschichte
Eine besondere Rolle nimmt der 787B ein, das legendäre Gruppe-C-Rennauto. Der Rennwagen gewann 1991 die 24 Stunden von Le Mans und damit als erstes japanisches Fahrzeug dieses weltberühmte Rennen. Sein R26B war ein Vier-Scheiben-Saugmotor mit 2.616 cm³ Gesamtkammervolumen und einer Spitzenleistung von rund 700 PS bei 9.000/min; die mögliche Spitzenleistung soll bei 900 PS gelegen haben.
Der R26B basierte konstruktiv auf der Mazda-Rotary-Familie, war aber umfassend für den Rennbetrieb weiterentwickelt. Vier Rotoren, periphere Ein- und Auslässe, elektronische Einspritzung und eine aufwendige Zündanlage mit drei Zündkerzen je Rotor gehörten zum Konzept. Der Le-Mans-Sieg blieb der bedeutendste Rennerfolg eines Wankelmotors und zugleich der bislang einzige bei diesem Rennen – ab 1992 waren Wankelmotoren nicht mehr zulässig.
Mazda RX-8 als letzter Mazda-Wankel
2003 löste der RX-8 den RX-7 ab. Sein 13B-MSP Renesis war ein Zweischeiben-Saugmotor mit 1,3 Litern Kammervolumen. Je nach Ausführung leistete er bis zu 241 PS. Die Konstruktion unterschied sich vom Turbo-Wankel des RX-7 unter anderem durch die seitlichen Ein- und Auslasskanäle.
Zum Konzept des RX-8 gehörten vier Türen, wobei die hinteren Türen gegenläufig angeschlagen waren. Damit kombinierte Mazda den Wankelmotor mit einem alltagstauglicheren Innenraum als beim klassischen 2+2-Sportwagen. Nach einer Produktionszeit von neun Jahren endete die Fertigung im Juni 2012. Damit war zunächst auch die Geschichte des Wankels als direkter Fahrzeugantrieb bei Mazda beendet.
Wankel als Range Extender
Zwischen RX-8 und dem im August 2026 veröffentlichten neuen Wankel-Patent lag eine weitere Rückkehr des Wankels: Im MX-30 e-Skyactiv R-EV diente ab 2023 ein neuer Einscheibenmotor mit 830 cm³ nicht mehr dem direkten Antrieb der Räder, sondern als Generator für den elektrischen Antrieb. Mazda kombinierte den 8C mit einer 17,8-kWh-Batterie. Die Serienproduktion des R-EV begann im Juni 2023 und markierte Mazdas erstes Serien-Wankelfahrzeug seit dem Produktionsende des RX-8 2012. In Europa wurde der MX-30 R-EV Anfang 2026 eingestellt, in Japan ist er noch im Programm.





