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Abarth 595 Competizione im Test

Im 180-PS-Kleinwagen in Hockenheim

Abarth 595 Competizione, Exterieur Foto: Achim Hartmann 21 Bilder

„Carlo Abarth hätte seine Freude an diesem Sportgerät gehabt“, heißt es im Pressetext zum Abarth 595 Competizione. Wir meinen, er hätte sich über vieles geärgert. Denn bis auf den Motor zeigt sich der Floh kaum wettbewerbsfähig.

17.07.2018 Andreas Haupt Powered by

Eigentlich kann man so einem Fiat 500 gar nicht böse sein. So klein, so knuffig, so liebenswert sieht er in der Basis aus. Die Abarth-Embleme, die roten Spiegelkappen, die 17-Zoll-Aluminiumfelgen, die Schriftzüge an den Flanken, die vierflutige Abgasanlage und der Diffusor peppen seine Optik auf. Und schon mixt der Kleinwagen das Süße mit einem Schuss Boshaftigkeit, Schlitzohrigkeit, Ernsthaftigkeit und Sportlichkeit. In sich äußerlich stimmig und vor allem einladend. Und doch wird der Abarth 595 Competizione in diesem Test enttäuschen. Weil er mit seinem Auftreten, den Leistungsdaten und vor allem mit seinem Namen – Competizione für Wettbewerb – etwas suggeriert, das er nicht einhält.

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Abarth 595 Competizione, Exterieur
Test Abarth 595 Competizione Voll im Floh
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Vorweg das Positive: der Motor, der 1,4 Liter Hubraum fasst, Superbenzin schluckt und den ein Garrett-GT-1446-Turbolader zwangsbeatmet. Das Ergebnis: 180 PS und ein Drehmoment von 250 Newtonmetern, das der Kurbelwelle bei 3.000/min einheizt.

Der Turbomotor als Ansporn

Das ist ausreichend Leistung, um vorzupreschen und den Fahrer am Dreispeichenlenkrad mit Carbon-Einfassungen anzuspornen. Würde man ein menschliches Pendant für den Abarth 595 Competizione suchen, wäre es der Typ Ailton. Fußballfans kennen ihn, den Brasilianer, der einst für Werder Bremen und später für Schalke 04 auf Torjagd ging. Klein gebaut, etwas pummelig im Körperbau, dafür aber doch einer, der Verteidigern wegsprinten konnte. So fühlt sich der 1.129 Kilogramm schwere Abarth jedenfalls an. Das Gaspedal reagiert im Sportmodus empfindlich, das Turboloch stopft der Motor in einem anständigen Zeitrahmen. Trotzdem verfehlt der Floh seine Werksangabe.

Abarth 595 Competizione, Exterieur, Motor Foto: Achim Hartmann
Der Turbobenziner mit dem Skorpion hat Schmackes. 180 PS und 250 Nm sind völlig ausreichend.

Eigentlich soll er mit dem automatisierten Fünfganggetriebe in 6,9 Sekunden auf 100 km/h wuseln. Im Test vergehen 7,6 Sekunden – mit zwei Personen im Innenraum. Dafür entschädigt das, was hinten an Akustik herauskommt. Der Vierzylinder betört einen mit seinem metallisch-blechernen Klang und spratzelt aus den vier Rohren der Sportauspuffanlage. Kurzum: Der Abarth ist alles andere als ein Langweiler. Trotzdem halten sich die Vorzüge in Grenzen, sofern wir die sportliche Brille weiter auflassen. „Perfekt ausbalanciert“, sei er, schreibt das Abarth-Marketing. Jeder Zentimeter sei konzentrierte Dynamik und Power.

Abarth 595 enttäuscht im Slalom

Bereits im 18-Meter-Slalom widerlegt der Abarth 595 Competizione im Test jedoch all das. Obwohl er eigentlich prädestiniert ist für den Hütchen-Parcours mit einer Breite von 1.627 Millimetern und einem Radstand von 2.300 Millimetern, erreicht er nie mehr als 65,8 km/h. Die Lenkwinkel sind so groß wie in einem Mercedes Sprinter. Der Kleine schwimmt über die mit 65,5 Prozent des Gewichts belastete Vorderachse, statt sich an ihr abzustützen und um die Pylonen zu wirbeln.

Egal wie Testfahrer Uwe Sener es auch probiert: Noch bevor der Kleinwagen über die Vorderachse von der angepeilten Linie rutschen und das Heck mitdrücken würde, greift das ESP vehement ein. Bildlich ausgedrückt: Noch bevor das Kind zu tief im Sandkasten buddelt und droht, schmutzig zu werden, schimpft die Mama. Da vergeht einem glatt der Spaß.

Abarth 595 Competizione, Interieur Foto: Achim Hartmann
Carbon-Schalen im Abarth 595 Competizione.

Der rote Faden zieht sich durchs Konzept. Nur nicht zugunsten der Sportlichkeit. Die Sitze mit Carbon-Rücken erfrischen den Innenraum, sind hart wie eine Holzbank, dafür aber viel zu hoch eingebaut. Du fühlst dich wie in einem Fiat 500X. Statt tief zu versinken im Cockpit, hast du einen Überblick wie im Planetarium. Dazu nervt die Sitzverstellung: Sobald die Türe zufällt, kugelst du dir fast die Schulter aus, wenn du die Rückenlehne anders anwinkeln willst.

Der Abarth verlangt von dir, zielgenau zwischen Tür und Lehne nach hinten zu greifen zum Verstellrad, nimmt es mit der Präzision aber selbst nicht so genau. Egal ob du auf einer kurvenreichen Landstraße oder auf der Rennstrecke fährst: Die Lenkung wirkt irgendwie abgekoppelt von der Vorderachse. Man vermisst eine authentische Rückmeldung. Zugegeben: Kaum einer wird mit dem Abarth 595 Competizione auf die Rennstrecke gehen. Aber allein schon der Competizione-Zusatz rechtfertigt den Hockenheim-Besuch.

Hockenheim deckt Schwächen auf

Die Strecke deckt alle Schwächen des kleinen Sportgeräts auf, andererseits untermauert die Fahrt auf dem Rundkurs die einzige wirkliche Stärke: Bis zum Ende der Zielgeraden beschleunigt der Abarth auf 162 km/h – dem druck- und drehfreudigen Motor sei Dank, der erst über 6.000/min nach dem nächsten Gang verlangt. Zum Vergleich: Der alte Suzuki Swift Sport, einer aus derselben Gattung, erreichte mit 136-Sauger-PS auf einer Testfahrt einst 151 km/h an dieser Stelle. Sobald es geradeaus geht, tobt der Competizione über den Ring. Sobald allerdings Kurven anstehen, verfängt er sich im Test in den ESP-Fesseln. Erst mit geöffneter Lenkung gibt er dann die volle Leistung wieder ab. Das kostet wertvolle Sekunden und Nerven. Deshalb muss man möglichst große Kurvenradien fahren.

Fahrbericht VW Polo GTI (2018)So gut wie nie, doch etwas fehlt

Zum Beispiel in der Sachskurve: Hier lässt man sich am besten weit hinaustragen, statt sich innen an den Curbs entlangzuhangeln. So verliert man zwar am Kurveneingang, gewinnt aber am Ausgang, weil man früher die Lenkung gerade stellen kann und sich vom Drehmoment hinaustragen lässt. Das Gaspedal sollte man trotzdem streicheln, sonst erdrücken die elektronischen Helferlein sofort den Antriebsfluss. So oder so: Die Kurvengeschwindigkeiten sind unterdurchschnittlich.

Eine Mitschuld an der mäßigen Performance trägt der Pirelli P Zero Nero: Der Reifen war nie sportlich und wird es nie sein. Auf der Bremse sorgt der Abarth für Lacher: Er kippt nach vorn und federt mit seiner laschen Zugstufe hinten weit aus – Karosserieanstellung wie ein Formel-1-Auto. Trotzdem passen die Verzögerungswerte. Es dauert ein Sekündchen, bis das Heck wieder in die Ausgangsstellung plumpst. Irgendwie niedlich.

Fazit

Ich glaube, Carlo Abarth hätte die Ingenieurstruppe für den 595 Competizione nicht gelobt, sondern zu Strafschichten verdonnert. Die Motorisierung passt, doch schon das automatisierte Fünfganggetriebe ist eine Baustelle. Unter Last durchzuckt es beim Gangwechsel die Karosserie wie bei einem Wadenkrampf. Das Fahrwerk bedarf grundlegender Änderungen: Der Abarth dämpft so straff, dass der Beifahrer keine Taste mehr auf dem Handy trifft. Die Lenkwinkel sind zu groß, das Fahrverhalten zu indirekt. Neue Reifen und eine feinfühlige ESP-Abstimmung sind nötig. Ohne die Elektronik würde die Fahrt in der jetzigen Abstimmung wohl dem Ritt auf einer Kanonenkugel gleichkommen. Und dann der Preis: Für weniger gibt es einen VW Polo GTI mit 200 PS.

Technische Daten
Fiat Abarth 595 Competizione
Grundpreis25.690 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3660 x 1627 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA185 bis 550 l
Hubraum / Motor1368 cm³ / 4-Zylinder
Leistung132 kW / 180 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit225 km/h
0-100 km/h7,6 s
Verbrauch6,0 l/100 km
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Dieses Auto ist für das tägliche Fahren auf der Straße gedacht und für Leute, die eine sportliche Erscheinung schätzen, aber nicht nach jeder Ampel die Stoppuhr überprüfen, um zu sehen, ob sie eine bessere Sprintzeit erreicht haben.
Es ist gut für die Zielgruppe und Carlo hätte zugestimmt.

hape4 5. August 2018, 12:32 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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