Audi A1 40 TFSI und Mini Cooper S im Test

Kleine Sportler mit großem Herz

Audi A1 Sportback 40 TFSI, Mini Viertürer Cooper S, Exterieur Foto: Achim Hartmann

Jetzt geht’s rund: Als Topmodell mit 200 PS fordert der Audi A1 den inzwischen nicht mehr so kleinen und quirligen Mini Viertürer heraus – und zeigt dem Cooper S, was eine Harke ist.

Vielleicht ist das ja alles nur ein Missverständnis. Vielleicht dürfen starke Kleinwagen gar keine wilden Hunde mehr sein. Keine Heißsporne wie Golf I GTI, Escort XR3i oder Ritmo Abarth, die uns bisweilen das Fürchten, aber zugleich das Autofahren lehrten. Denn neben Verkehrsdichte und Rundumabsicherung sind über die Jahre auch die Ansprüche an Platz, Komfort und digitale Vernetzung gestiegen, während der elementare Fahrspaß heute fast als verdächtig gilt.

So ist selbst der kleinste Audi mit dem Modellwechsel im letzten Herbst über die Vier-Meter-Marke gerutscht, zudem nur noch als viertüriger Sportback und nicht mehr als fetziger S1 mit 231 PS, Handschaltung und Allradantrieb lieferbar. Ein Zweiliter-Vierzylinder mit 200 PS und serienmäßigem Doppelkupplungsgetriebe markiert derzeit den Gipfel der Möglichkeiten, wobei die aktuelle Top-variante 40 TFSI mit dazugehöriger S-line-Ausstattung durchaus Sportsgeist zeigt.

Audi A1 Sportback 40 TFSI, Mini Viertürer Cooper S, Exterieur Foto: Achim Hartmann
Mini gegen Audi: Wie sieht es mit dem Basispreis der jeweiligen Baureihen aus? Mit einem Einstieg von 19.950 Euro ist der A1 gute 1.500 Euro teurer als sein Konkurrent.

Bei Mini spielt der zweitürige John Cooper Works mit 231 PS weiter die Rolle des Wadenbeißers, während es der 16 Zentimeter längere Viertürer als Cooper S bei maximal 192 PS bewenden lässt. Immerhin sind das 117 PS mehr als bei der Basisversion One First und trotz pfundiger 1.313 kg Leergewicht eine Ansage bei den Kleinwagen. Da müsste doch was gehen, und da geht auch was, wenn der Turbo-Direkteinspritzer nach kurzem Luftholen aufdreht.

Form? Folgt der Tradition

Apropos Luft: Beide Rivalen treten mit riesigen Lufteinlässen, auffälliger Beleuchtung und Zweifarblackierung an, aber mit ganz unterschiedlichen Formensprachen. Während der Mini mit klassischen Rundungen und Proportionen kokettiert, zeigt der neue A1 scharfe Linien und einen grimmigen Blick mit Schlitzen oberhalb des eckigen Grills, die an den Sport Quattro aus den 1980er-Jahren erinnern. Dabei steckt darunter die Technik des VW Polo GTI, der für fast 6.000 Euro weniger ein ganz ähnliches Temperament, Fahr- und Qualitätsgefühl bietet. Da ist wohl viel Emotion und Image mit im Spiel, womit der Audi perfekt zum New Mini passt.

Der stand nie unter Vernunftsverdacht und bezirzt lieber mit Nettigkeiten wie Rückleuchten und Cockpitblende im Look der Britenflagge, aber auch mit dem neuen Sport-DKG für 1.950 Euro extra, das in besonders zackigem Takt den nächsten von sieben Gängen nachlegt. Mithilfe der elektronischen Launch Control spurtet der Cooper S in 6,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, doch im Alltag bleibt der Beschleunigungseindruck hinter den Messwerten zurück. Selbst das Lastwechselsprotzeln kann nicht übertönen, dass der Viertürer mehr Kraft als Temperament hat und – nun ja – irgendwie bürgerlich geworden ist.

Audi A1 Sportback 40 TFSI, Mini Viertürer Cooper S, Exterieur Foto: Achim Hartmann
Im 100er-Sprint sieht die Realität etwas anders aus. Hier liegt der Mini hinter dem Ingolstädter.

Im direkten Vergleich sortiert der Audi-Doppelkuppler seine sechs Gänge zwar etwas träger, wirkt ansonsten jedoch spürbar aufgeweckter. Sein Plus an Leistung und Drehmoment (320 zu 280 Nm) beschert dem A1 durchweg bessere Beschleunigungs- und Elastizitätswerte, aber ebenfalls keine sonderlich attraktive Klangkulisse. Dafür legt er eine beherzte Leichtfüßigkeit an den Tag, die das Leergewicht von 1,3 Tonnen fast zu ignorieren scheint.

Ideallinie? Viele Kurven

Raus auf die Landstraße, rein ins Kurvengetümmel, ran an die Ideallinie. Als S line mit Sportfahrwerk und Adaptivdämpfern folgt der Audi direkt und präzise dem eingeschlagenen Kurs, lässt sich trotz der etwas gefühlsarmen Lenkung punktgenau dirigieren und hat dank des unauffällig regelnden ESP sowohl in kurvigem Geläuf als auch bei den Fahr-dynamiktests die Nase vorn. Nicht gerade spektakulär oder emotional zwar, aber selbst bei Nässe traktionsstark und effizient.

Und der Mini? Abgesehen vom direkten Einlenken ist von der markentypischen Fahrspaß-DNA zunächst wenig zu spüren. Erst wenn man ihn fordert, wacht er auf, spricht spitzer an, bietet gute Seitenführung an der Vorderachse und drängelt mit dem Heck. Allerdings rupfen Antriebseinflüsse und kariöse Asphaltbeläge am Lenkrad, und die Stabilitätskontrolle nimmt in Kurven viel Schwung und Tempo raus. Beim scharfen Anbremsen würde man sich dagegen mehr Unterstützung wünschen, wenn der Viertürer ins Schwänzeln gerät.

Audi A1 Sportback 40 TFSI, Exterieur Foto: Achim Hartmann
35,1 Meter braucht der Audi mit kalten Bremsen, um aus 100 km/h zum Stillstand zu kommen.

Generell verzögert der Brite weniger vehement als sein Rivale, seine Bremse lässt sich nicht so feinfühlig dosieren, und die Sicherheitsausstattung offenbart mehr Lücken – etwa beim Spurhalte-, Brems- und Ausparkassistenten sowie beim adaptiven Tempomaten, der bei Regen oder Sonne bisweilen streikt. Die LED-Scheinwerfer des A1 schwächeln zwar etwas bei der Breiten- und Tiefenausleuchtung, doch ansonsten ist er auf alle Eventualitäten vorbereitet – von der diskreten, feinfühligen Spurführung bis zur Kindersitzvorbereitung auf dem Beifahrersitz.

Zudem bietet das vordere Sportgestühl mehr Kontur und Komfort als die schicken, teuren, tief montierten Ledermöbel des Mini, die sich mit der grobrastigen Lehnenverstellung nicht für jedermann optimal einrichten lassen. Seine nach hinten verlängerte Mittelkonsole mit sperrigem Cupholder macht die Rückbank bestenfalls zum Fall für zwei, die sich durch schmale Türen in den Fond einfädeln müssen. Denn trotz der Zugabe an Länge und Radstand trägt selbst der viertürige Mini seinen Namen weitgehend zu Recht.

Wie das Interieur ist sein Gepäckabteil (278 bis 941 Liter) knapper geschnitten, und wegen des weit vorkragenden Dachs und der zurückgesetzten Vordersitze sieht man nicht allzu gut hinaus. Beides gehört ebenso zum typischen Mini-Feeling wie das verspielte Cockpit mit großem Zentralinstrument, vielen Tasten und Kippschaltern, das zwar hübsch und hochwertig, aber selbst nach einiger Eingewöhnung nicht ganz schlüssig wirkt. Einzig die Multimedia-Bedienung mit einem Dreh-Drück-Steller nach Art des BMW iDrive gelingt auf Anhieb ohne große Ablenkung.

Audi A1 Sportback 40 TFSI, Interieur Foto: Achim Hartmann
Das Virtual Cockpit gehört zu den teuren - und verzichtbaren - Extras.

Das volldigitale Virtual Cockpit und die MMI Navigation Plus (beides Extras) im A1 bereiten dagegen weni-ger Probleme, denn neben perfekt ablesbaren Instrumenten und dem gestochen scharfen Touchscreen erleichtern auch die gute Spracherkennung und die klar geordneten Funktionstasten den täglichen Umgang. Besser vernetzt ist er obendrein, obwohl das kabellose Laden sowie Anschlüsse für ein zweites Handy oder WLAN-Hotspots weitere Aufpreise kosten. Beim Mini lässt sich vor allem mit pulsierendem Ambientelicht, farbigen Accessoires und mancherlei Bling-Bling viel Geld versenken.

Sport? Heute Bockspringen

Auch die Verstelldämpfer samt der dazu erforderlichen Driving Modes schlagen mit 780 Euro zu Buche, nicht aber mit einem völlig anderen Fahrcharakter. Die Kennlinie Sport macht den Cooper S lediglich härter und bockiger, raubt ihm den ansonsten manierlichen Federungskomfort. Der vergleichsweise straffe Sportback offenbart zwar ebenfalls keine sanftmütige Gesinnung, absorbiert kleine wie große Unebenheiten aber spürbar geschmeidiger und mit weniger Abrollgeräuschen.

Dass er im Testmittel etwas mehr Benzin verbraucht, lässt sich angesichts seines besseren Temperaments und des insgesamt hohen Kostenniveaus wohl verschmerzen. Zudem ist er hier nicht nur der erwachsenere, sondern auch der agilere, spritzigere und besser vernetzte Kraftzwerg – lauter Eigenschaften, die sich eigentlich Mini auf die Fahne geschrieben hat. Doch der Viertürer zeigt einmal mehr das Dilemma der Marke, Emotionen und Nutzwert verbinden zu wollen, aber am Ende nirgendwo groß auftrumpfen zu können.

Dafür schafft es der kleine Audi mit dem großen Herzen mit Leichtigkeit, das Kind im Manne – und in der Frau – zu bezaubern.

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Fazit

1. Audi A1 40 TFSI S line
439 Punkte

Bei Funktionalität, Komfort und mit moderner Assistenz- und Multimedia-Ausstattung ist der A1 der bessere Kleinwagen, als agiler und teurer 40 TFSI auch der bessere Sportler.

2. Mini Viertürer Cooper S
400 Punkte

Als Viertürer hat der Cooper S an Platz und Nutzwert gewonnen, aber an Leichtigkeit und Dynamik verloren. Nur bei Antrieb, Umwelt und Kosten kann er sich gut behaupten.

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Technische Daten
Audi A1 Sportback 40 TFSI S-Line Mini Cooper S Cooper S
Grundpreis 29.100 € 28.750 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4029 x 1740 x 1409 mm 4005 x 1727 x 1425 mm
KofferraumvolumenVDA 335 bis 1090 l 278 bis 941 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 4400 U/min 141 kW / 192 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h 235 km/h
0-100 km/h 6,6 s 6,9 s
Verbrauch 6,0 l/100 km 5,6 l/100 km
Testverbrauch 7,9 l/100 km 7,6 l/100 km
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