Cupra Formentor VZ 2.0 TSI, Mercedes-AMG GLA 35, VW T-Roc R Hans-Dieter Seufert
Cupra Formentor VZ 2.0 TSI
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Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 26 Bilder
SUV

Cupra Formentor, AMG GLA 35 und VW T-Roc R im Test

Cupra Formentor, Mercedes-AMG GLA 35, VW T-Roc R Gelingt Cupra der große Coup?

Jetzt ist er fällig – der neue Formentor, der erste echte eigenständige Cupra. Schafft es der neue Superstar der Seat-Submarke gleich an die Spitze seines Segments? VW T-Roc R und Mercedes-AMG GLA 35 halten kräftig dagegen.

Arbeitet man sich nach einer Vergleichsfahrt durch die Bewertungsbögen bis Seite fünf, steht das Fahrverhalten der Testwagen zur Debatte. Zweiter Unterpunkt hier: Handling und Fahrspaß. Bei den meisten Probanden, sei es ein SUV, ein Kombi oder ein Kompakter, sind die Punkte fix gesetzt. Doch, wie gut, finden sich immer noch Autos, da hält man inne, bespricht sich, setzt sich noch mal in das Testobjekt, gerät gar ins Philosophieren. Fahrspaß. Was ist das überhaupt? Geht’s nur um Schub, Handlingzeiten, eine talentierte Lenkung, ums reine Fahren? Die einhellige Meinung: natürlich nicht. Oder besser: nicht nur. Wichtig sind doch auch punktgenaue Zutaten, die Fahrer und Auto noch mehr zusammenbringen. Kleinigkeiten, die die Freude am Fahren hintergründig manifestieren.

Nehmen wir mal den neuen Formentor VZ (veloz = schnell) mit seinem griffigen Sportlenkrad. Unterhalb der rechten Spange sitzt der Startknopf, links die Cupra-Taste, mit der sich geschwind durch fünf Fahrmodi zappen lässt. Dahinter edle Schaltwippen und nochmals einige Zentimeter weiter eine bunte Instrumententafel, die auf einen Blick die Temperatur von Motoröl, Getriebeöl und Kühlwasser preisgibt. Das macht doch Laune – oder nicht? Vom Reiz der top ausgeformten Schalensitze ganz zu schweigen. Oder die gewaltige Brembo-Bremsanlage für 2.320 Euro, die übrigens auch mit heißen Scheiben immer noch extrem gut verzögert.

Cupra Formentor VZ 2.0 TSI
Hans-Dieter Seufert
Cupra Formentor VZ 2.0 TSI 4Drive: 310 PS, 400 Nm, 0–100 km/h: 4,9 s, 100–0 km/h: 33,5 m, Testverbrauch: 10,0 l.

Noch ist hier gar nix warm. Also Startknopf am Lenkrad gedrückt und los. Unter der Haube des Formentor brummt dumpf der 310 PS starke Zweiliter-Turbobenziner. Codename EA 888 evo4, gut bekannt aus aktuellen Golf-GTI-Derivaten. Im T-Roc R tobt ebenfalls das Vierzylinder-Aggregat, mit 300 PS Leistung. 400 Nm Drehmoment stehen in beiden SUV ab 2.000 Touren parat. Dazu die bewährte Konfiguration aus Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und 4Motion-Allradantrieb per elektronisch gesteuerter Lamellenkupplung vor dem hinteren Differenzial.

Damit ist im Grunde alles geklärt. Viel Power, volle Traktion – natürlich legt der Formentor rasant los (Nullhundert: 4,9 s), lässt bis zur Höchstgeschwindigkeit nicht locker, drückt aber auch bei niedrigen Touren in hohen Gängen kraftvoll. Das DKG sortiert sich schnell und geschmeidig, im Cupra-Modus auch mal hammerhart. Gleiches gilt hier übrigens für den Federungskomfort des Adaptivfahrwerks, der quasi gen null geht. Deftig zudem die nötigen Lenkkräfte der sensiblen Progressivlenkung und der via Lautsprecher überdreht-künstliche Sound, der eines 310-PS-SUV mit vier leider nur dumpf tönenden Endrohren nun wirklich nicht würdig ist.

Alles aber nicht weiter dramatisch. Die Unterschiede zwischen den Modi sind so groß, dass der Formentor ansonsten feinfühlig und nicht zu bissig einlenkt, auf der Autobahn gelassen auf Linie bleibt und in der Komfortstellung geschmeidig federt. So gerne der Cupra auch mit Kurven rauft: Er bietet in diesem Trio den meisten Fahrkomfort.

Selbst der schwere GLA 35 4Matic mit seinem AMG-Ride-Control-Fahrwerk inklusive Adaptivdämpfern kann da nicht ganz mithalten. Insbesondere kurze Stöße absorbiert der SUV nicht ganz so konsequent. Härter geht dafür immer. Einfach die Taste links am Lenkrad drücken, schon ändert der GLA seine Parameter. Oder die Taste rechts, hier lassen sich Fahrprogramme wählen.

Mercedes-AMG GLA 35
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Mercedes-AMG GLA 35 4Matic 306 PS, 400 Nm, 0–100 km/h: 5,4 s, 100–0 km/h: 36,8 m, Testverbrauch: 10,1 l.

Womit wir wieder bei den speziellen Zugaben sind, die die Gaudi am Fahren steigern. Auch hier natürlich (unverschämt teure, aber großartige) Schalensitze, Sportlenkrad, Schaltpaddel und reichlich Infos aus dem Rechenzentrum. Getreu seinem Label nimmt der AMG allerdings alles etwas ernster. Öltemperatur? Sowieso. Aber die Reifentemperatur einzeln aufgeschlüsselt? Ein Allradantrieb, der bei abgestelltem ESP in den Sport-Modus wechselt? Nur hier. Ebenso "agilisierende" Bremseingriffe in zwei Stufen, die sich zu den Fahrmodi "dazubuchen" lassen.

Bedauerlich, wenn sich dann die Vorteile in Grenzen halten. Der GLA überzeugt zwar mit einer präzisen sowie rückmeldungsstarken Lenkung und eilt mit Sicherheit sehr schnell durch jede Kurve. Aber der AMG-SUV ist vergleichsweise träge und kann den Speed seiner beiden Kontrahenten nicht mitgehen. Im Handling (trotz 21 Zoll großer Bereifung) und insbesondere in der Längsbeschleunigung. Für den Spurt auf 130 km/h braucht er rund eine Sekunde länger, auf 180 km/h sogar über zwei Sekunden länger als Cupra und VW.

Die Gründe sind schnell gefunden. Beispielsweise überragt er den Formentor um zehn Zentimeter und wiegt mit 1.706 Kilogramm auch noch heftige 124 Kilo mehr.

Immerhin macht sein 306 PS starker Zweiliter weitaus mehr Spaß. Wie ungeniert der Zweiliter ab 4.000 Touren heiser röhrend und spürbar vibrierend eine gewaltige Schippe drauflegt, beeindruckt viel mehr als der gleichmäßige Schub des 2.0 TSI aus dem VW-Regal. Ein handfester, ehrlicher Motor, der kernig klingt, sehr hochdreht und mit seinem schnellen Achtgang-DKG bestens harmoniert.

Das geht doch besser

Leichte Schwächen ergeben sich wiederum bei der Bremsanlage. 36,8 Meter für eine Vollbremsung mit kalten Scheiben und Belägen aus 100 km/h kosten gewaltig Punkte, sind aber kein Anlass zur Sorge. Einmal warm, bremst der Mercedes auf dem guten Niveau des T-Roc R.

Ja, der T-Roc. So klein, so leicht, so unscheinbar, als 300 PS starker R aber derart krawallig, dass wohl jeder Petrolhead gern einen in der Garage hätte. Wohlgemerkt neben einem Erstwagen, der vernünftig federt. Fahrkomfort ist dem 1,53 Tonnen leichten SUV nicht weiter wichtig, trotz adaptiven Dämpfern für 1.045 Euro. Vielmehr rumpelt der kurze und straffe SUV unbeholfen über Fugen und kurze Wellen, ist immer in Bewegung und fordert auf der Autobahn bei schneller Fahrt einen aufmerksamen Fahrer – und tolerante Passagiere. Denn mit zunehmender Geschwindigkeit wird es im hochgebockten Golf ungemütlich laut.

Hier rockt nur der T-Roc

VW T-Roc R
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VW T-Roc R 2.0 TSI 4Motion: 300 PS, 400 Nm, 0–100 km/h: 4,7 s, 100–0 km/h: 34,1 m, Testverbrauch: 9,9 l.

So richtig dufte ist der T-Roc dafür bei der flotten Landpartie. Ähnlich wie der Cupra sprintet er munter los, wirft sich aber engagierter in Kurven, lässt sich noch präziser führen. Nicht zu vergessen die Auspuffanlage, die im etwas versteckten Race-Modus beim Herunterschalten herrlich sprotzelt und auch mal knallt. Wieder so ein herrliches Fahrspaß-Goody, allerdings ein ambitionierte 3.800 Euro teures, da aus edlem Titan gefertigt, entwickelt vom Spezialisten Akrapovič. Jetzt fehlt dem Allradler nur noch ein Doppelkupplungsgetriebe, das den engagierten Motor bis in den Begrenzer drehen lässt, wenn es der Fahrer unbedingt möchte, und nicht selbsttätig hochschaltet. Der Formentor ist hier übrigens nicht besser. Nur der AMG überlässt dem Fahrer die volle Verantwortung.

Zählt man Ende des Tages einmal alle Punkte rund ums lustvolle Fahren zusammen, liegen alle drei SUV eng beieinander. Selbst die hohen Testverbräuche liegen mit Werten um die zehn Liter Super Plus gleichauf. Erstaunlich nur, wie der optisch anziehende Formentor so wohlerzogen fahren kann, während der optisch brave VW-Frosch beständig animiert, und der AMG nicht recht folgen kann.

Leistung ist nicht alles

Genug des Fahrens. Einen Vergleichstest gewinnt man nicht nur aus Jux und Tollerei. Auch Platzangebot, Laderaum, Nutzwert und Bedienung sollten passen. Hier offenbart der AMG seine eigentliche Profession. Hohe Sitzposition, gut einsehbares Heck, niedrige Ladekante (67 Zentimeter), großer Kofferraum und eine um vierzehn Zentimeter verschiebbare Rückbank inklusive dreigeteilter Lehne – praktischer ist hier keiner. Auch qualitativ ist er bestens in Form, und das MBUX-System mit seiner guten Sprachbedienung plus Touchpad und Tasten zwischen den Sitzen kann ohnehin kaum keiner toppen.

Der knopfarme Formentor mit seiner verzwickten Software auf jeden Fall nicht. Doch unterschätzen sollte man ihn nicht. Trotz seiner dynamischen Form bietet er innen das beste Platzangebot und darf sogar 64 kg mehr zuladen. Die Materialien machen ebenso einen guten Eindruck.

Cupra Formentor VZ 2.0 TSI, Mercedes-AMG GLA 35, VW T-Roc R
Hans-Dieter Seufert
Zählt man Ende des Tages einmal alle Punkte rund ums lustvolle Fahren zusammen, liegen alle drei SUV eng beieinander.

Ganz anders der T-Roc. Rund 21 Zentimeter kürzer als der Cupra, kann er längst nicht so viel Gepäck transportieren. Zudem fehlt es hinten an Kniefreiheit. Zieht man zur kurzen Karosse noch die billige Hartplastiklandschaft sowie das nüchterne Cockpit hinzu, ist sein Preis von 46.285 Euro schon sehr frech. Zumal der VW selbst als R nicht vollausgestattet vom Band läuft. Cupra baut in seinen feinen Formentor VZ für 45.090 Euro hingegen das gesamte Infotainment inklusive Navi, Schalensitze, das Supersportmultifunktionslenkrad und Adaptivdämpfer ein. Dass der Preis des sicherheitstechnisch bestens aufgestellten GLA (55.442 Euro) noch selbstbewusster ausfällt, ist keine Entschuldigung. Aber ein Bonus für den Formentor, der sich so den ersten Platz ergattert.

Aktuell verfrachtet Cupra übrigens den grandiosen Audi-Fünfzylinder (390 PS, 480 Nm) in den Formentor. Da freuen wir uns doch auf den Vergleich mit dem brachialen GLA 45 und auf die Punkte für Handling und Fahrspaß.

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Fazit

1. Cupra Formentor 2.0 TSI 442 Punkte

Holla. Das ist mal ein Einstand nach Maß. Spaßig, sportlich und komfortabel genug für den Alltag, ist der Formentor selbst als VZ ein Allrounder mit viel Platz zum fairen Preis.

2. Mercedes-AMG GLA 35 435 Punkte

Ups. Der gewichtige GLA ist trotz AMG-Kompetenz nur bedingt agil, punktet eher mit dem emotionalen Motor, Nutzwert und Assistenz – zu beachtlichen Kosten.

3. VW T-Roc R 423 Punkte

Uff. Wie radikal der T-Roc als R über Land fegt, ist schon großer Sport. Hart, klein, laut, simpel zusammengesteckt und zu teuer, bleibt ihm dennoch nur der letzte Platz.

Technische Daten

Cupra Formentor 2.0 TSI 4Drive VZ Mercedes GLA 35 AMG 4Matic Mercedes-AMG VW T-Roc R R
Grundpreis 45.090 € 55.442 € 46.285 €
Außenmaße 4450 x 1839 x 1511 mm 4410 x 1834 x 1611 mm 4241 x 1819 x 1562 mm
Kofferraumvolumen 420 bis 1475 l 435 bis 1430 l 392 bis 1237 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1991 cm³ / 4-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 228 kW / 310 PS bei 5450 U/min 225 kW / 306 PS bei 5800 U/min 221 kW / 300 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 4,9 s 5,4 s 4,7 s
Verbrauch 7,7 l/100 km 7,7 l/100 km 7,8 l/100 km
Testverbrauch 10,0 l/100 km 10,1 l/100 km 9,9 l/100 km
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VW T-Roc
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